Ein zentraler Begriff im Energiekonzept der Stadtwerke Bietigheim-Bissingen ist der sogenannte Primärenergiefaktor. Er stellt ein Maß für den Anteil fossiler und nuklearer Energie bei der Erzeugung von Wärme dar. Je niedriger er ist, desto besser ist die Umweltqualität der hergestellten Energie. Während Wärme aus Erdgas etwa einen Faktor von 1,1 hat, liegt dieser beim Einsatz von Holzhackschnitzeln bei nur 0,2. Besonders gut schneidet Fernwärme aus erneuerbaren Energiequellen ab: Im Fernwärmenetz Kreuzäcker ist der Primärenergiefaktor gleich Null. Der Ausbau der Fernwärme bildet daher einen zentralen Baustein im Energiekonzept der Stadtwerke, wie Geschäftsführer Rainer Kübler bei der Vorstellung des jüngsten Energieberichts unterstrich.

 Die langfristige Strategie der Stadt und der Stadtwerke ziele auf die Reduzierung des CO2-Ausstoßes, so Kübler. Neben der Bedarfsreduzierung soll dies durch Einsatz erneuerbarer Energien und Kraft-­Wärme-Kopplung sowie durch die Erhöhung der Energieeffizienz erreicht werden. Kraft-Wärme-Kopplung heißt, dass in einem Blockheizkraftwerk (BHKW) gleichzeitig Strom und über die entstehende Abwärme Heizenergie erzeugt wird. Durch die Nutzung der Wärme, die bei der Stromerzeugung anfällt und die in einem Großkraftwerk meist ungenutzt an die Umwelt abgegeben wird, erhält man eine deutliche Brennstoffeinsparung. „Die bei Stadt und Stadtwerken eingesetzten BHKWs sind alle hocheffizient, das heißt sie nutzen den eingesetzten Brennstoff zu mehr als 80 Prozent“, so Kübler.

Im Fernwärmenetz wird die Wärme zu den angeschlossenen Gebäuden geleitet. Während im Fernwärmenetz Buch noch ein großer Teil der Wärme durch Erdgas gewonnen wird, wird die Fernwärme für den Bereich Kreuzäcker/Innenstadt aus einem Brennstoff-Mix mit hohem Anteil erneuerbarer Energien (Biogas, Biomethan, Holz) in BHKWs und Kesseln erzeugt. An städtischen Gebäuden sind das Rathaus Bietigheim, das Hornmoldhaus, die Lateinschule und das Arkadengebäude (Anschluss 2012), das Kronenzentrum (2013), die Hillerschule (2013), Schloss/Musikschule (2013) und das Bürgeramt Löchgauer Straße (2017) daran angeschlossen. Küblers Ziel ist es, das Netz in den nächsten Jahren weiter auszubauen. Im Bogenviertel und Späth-Carré, aber auch in der Altstadt. Einer der Vorteile: „Bei Bestandsgebäuden kann die Fachwerk-Außenfassade beibehalten werden, wenn sie mit umweltfreundlicher Fernwärme beheizt werden.“

Anteil: 46 Prozent

Der Anteil der Fernwärme an der Wärmeerzeugung der Stadtwerke macht mit Stand von 2018 inzwischen 46 Prozent aus. Entsprechend sank der Einsatz von Erdgas, der Erdöleinsatz ist minimal. Allerdings: Weil insgesamt mehr Wärme verbraucht wurde, ist der Erdgaseinsatz gegenüber 2015 zuletzt wieder gestiegen. Küblers Fazit im Energiebericht: Für die Zukunft brauche man „noch sehr viele konstruktive und kreative Ideen und Mut zu deren Umsetzung“.

Die Herkunft des Stromes


Die Stromlieferungen der Stadtwerke (Stand von 2017) beinhalten einen Anteil von 55,6 Prozent an erneuerbaren Energien. Zum Vergleich: Deutschlandweit betrug dieser Anteil im selben Jahr 36,6 Prozent. Kohle macht 26,4 Prozent aus (bundesweit 38,1 Prozent), Erdgas 11,2 Prozent (10,2 Prozent), Kernenergie 5,7 Prozent (12,7 Prozent). Knapp 11 Prozent des Stroms wurde selbst produziert. um