Wie schwierig manchmal der Dialog mit den Bürgern ist, musste Oberbürgermeister Jürgen Kessing jüngst beim Bürgergespräch in der Rommelmühle erfahren. Der geplante Neubau eines Hallenbads im Ellental bei Aufgabe des alten Bades in Bissingen sorgte dort für Unmut. Manche sehen den ganzen Stadtteil benachteiligt. Eine Internetpetition für den Erhalt des Bades hat inzwischen rund 1200 Unterstützer gefunden. Anlass für die Stadt, um am kommenden Montag eine Bürgerinformation im Bissinger Musikvereinsheim anzusetzen.

Generell bilden die Bürgergespräche ein wesentliches Format in der Kommunikation zwischen der Stadtverwaltung und den Bürgern. Sie finden in der Altstadt, in Bissingen, in der Kammgarnspinnerei, im Aurain, im Buch, im Sand und im Gebiet Kreuzäcker statt. Die Bewohner der jeweiligen Gebiete hätten darin über die sonstigen Kontaktmöglichkeiten hinaus die Möglichkeit, „direkt mit der Verwaltungsspitze, dem Gemeinderat und Mitarbeitern der Stadtverwaltung in Kontakt zu treten“, sagt Ina Klein vom Presseamt der Stadt.

Weiterhin bietet Oberbürgermeister Jürgen Kessing einmal monatlich mit vorheriger Terminvereinbarung eine Sprechstunde an. Die Resonanz sei sehr gut, so Ina Klein, in der Regel könne auch mit allen Interessenten ein Termin vereinbart werden.

Dem Beispiel der Stadt Ludwigsburg, die eine Internet-Kontaktmöglichkeit mit dem Oberbürgermeister anbot, was der neue Verwaltungschef Matthias Knecht inzwischen wieder abgeschafft hat, ist man in Bietigheim-Bissingen nicht gefolgt. Momentan gebe es auch keine Überlegungen, mehr im Internet zu machen. Klein: „Die Stadtverwaltung informiert weiterhin über die regionale Presse, die städtische Website, den städtischen Newsletter sowie die Social Media Accounts der Stadt und bietet der Bürgerschaft damit die Möglichkeit, sich über diverse Kanäle zu informieren und mit der Stadtverwaltung in Kontakt zu treten.“

Bürgerinfo über Hallenbad-Plan

Und für konkrete Vorhaben, vor allem Bauprojekte, gibt es fallbezogen Bürgerinformationen. So wie am Montag in Bissingen. Durch die Internetpetition wurde seitens der Bürger hier Druck aufgebaut. Aus städtischer Sicht seien viele Falschinformationen im Umlauf, sagt Ina Klein, deshalb wolle die Verwaltung nochmals darlegen, warum sie einen Neubau im Ellental anstrebt.

In der Keltersitzung hatten vor Kurzem auch die Fraktionssprecher diese Entscheidung verteidigt. CDU-Sprecher Thomas Wiesbauer hatte dies allerdings mit der Kritik verknüpft, dass vieles nichtöffentlich im Aufsichtsrat der Stadtwerke besprochen worden sei – die das Bad bauen sollen –, dass es aber an einer „aktiven Informationspolitik“ gehapert habe. „Hätten wir die Situation klar und transparent dargestellt, wäre bei einigen Bürgern die Ablehnung, die wir aktuell zu spüren bekommen, nicht so groß“, meinte Wiesbauer. Auch bei den Plänen für eine Vergärungsanlage im Steinbruch Fink, wo die ablehnende Haltung vieler Bürger schließlich in einen Bürgerentscheid mündete, war die Informationspolitik bemängelt worden. Sprecherin Ina Klein meint hingegen, die Bürgerinfo zum Hallenbad komme eher zu früh, da es noch keine näheren Pläne vorzustellen gebe.

Ein Bürger der Stadt, Michael Grießer, der früher in Bissingen, jetzt in den Kreuzäckern, wohnt, hat sich derweil Gedanken über Alternativen gemacht und diese der Stadt geschickt. Grießer, der früher als Planer für ein großes Industrieunternehmen tätig war und inzwischen in Rente ist, sieht am Ernst-Silcher-Platz, ganz in der Nähe des jetzigen Bads, einen geeigneten Standort für einen Neubau. Das ist näher Richtung Enz, die Hochwassergefahr sei aber sehr gering. Allerdings fallen dann die gewünschten Synergieeffekte im Ellental weg. Wie die Verwaltung den Plan sieht, könne sie noch nicht sagen, erklärte Ina Klein auf BZ-Anfrage, da dieser erst im Laufe der Woche eingegangen sei und noch geprüft werden müsse.

Gesprächsbedarf gibt es bei der Versammlung am Montag in Bissingen also jedenfalls genug.

Info Die Bürgerinformation am Montag, 16. Dezember, im Musikvereinsheim Bissingen, Ernst-Silcher-Platz, beginnt um 18 Uhr.