Sie werden mit ihren Bietigheim-Bissinger Partnern die Biogasanlage in Oberriexingen und das Biomasseheizkraftwerk Ellental besichtigen, ein Gespräch mit Carsten Schüler, dem Chef der Bietigheimer Wohnbau, führen, sich das Technikmuseum Sinsheim und die Burg Steinsberg ebenso wie das Kloster Maulbronn anschauen, die 16 Delegationsmitglieder aus dem ungarischen Szekszárd, die am Wochenende vom 8. bis 11. März in Bietigheim-Bissingen erwartet werden. Doch der Höhepunkt ist sicherlich der Festakt am Samstagabend, 9. März, im Kronenzentrum. Denn dann wird feierlich die Partnerschaft zwischen Schwaben und Ungarn, die nun schon seit 30 Jahren besteht, bekräftigt werden.

Entstanden ist die Idee zur Partnerschaft in der Bürgerschaft. „Den Anstoß dazu gab ein Bürger unserer Stadt, Adam Leicht, der leider nicht mehr unter uns weilt“, berichtet Anette Hochmuth, Pressesprecherin der Stadt und Beauftragte für Städtepartnerschaften. Er stammte aus der ungarischen Region Tolna, aus Aparhant, und unterbreitete der Verwaltung von Bietigheim-Bissingen schon 1985 einen ersten Vorschlag zur Aufnahme freundschaftlicher Kontakte. In der Folge fuhren 1985 erstmals der damalige Oberbürgermeister Manfred List, Adam Leicht und Adam Schäffer, früherer Bissinger Gemeinderat und ebenfalls aus Ungarn stammend, nach Szekszárd  und führten erste Gespräche. Vier Jahre später, am 27. Mai 1989, wurde die Partnerschaft in Bietigheim-Bissingen mit der Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde besiegelt und mit einem Auftritt der Tanzgruppe Bartina auf der Landesgartenschau auch öffentlich gefeiert.

Entscheidend dafür, dass eine Partnerschaft mit Leben erfüllt wird, ist der Austausch. „Unsere Partnerschaft ist voller Leben und voller Aktivitäten“, zog Manfred List zum zehnjährigen Bestehen 1999 eine erfreuliche Bilanz. Zehn Jahre später, 2009, unterstrich auch Oberbürgermeister Jürgen Kessing, man könne nach 20 Jahren eine rundum positive Bilanz ziehen. „Wir haben viel voneinander gelernt“.

Weniger Interesse bei Jüngeren

Aktuell sind nach Auskunft von Anette Hochmuth die Musikschule, die Gymnasien im Ellental, die katholische Kirche Zum Guten Hirten und der TSV 1848 mit seinen AH-Abteilungen mit ihren ungarischen Partnern in Beziehungen und im Austausch. „Das läuft ganz ordentlich, wenn auch die Kontakte nicht mehr so zahlreich sind wie früher – vor allem, weil viele der Akteure in den Vereinen älter geworden sind und die jungen Menschen nicht mehr so viel Interesse daran aufbringen“, bewertet Hochmuth den momentanen Stand der Partnerschaft. So sei auch der früher sehr enge Kontakt zwischen der Chorvereinigung Bietigheim und dem Mondscheinchor in Szekszárd aufgrund des Alters aller Beteiligten etwas lose geworden.

Was die politische Entwicklung anbelangt, die derzeit davon geprägt ist, dass Ministerpräsident Viktor Orbán mit der EU-Kommission über Kreuz ist, so könne man sich davon auch auf der Ebene der Städtepartnerschaft nicht ganz befreien, meint Hochmuth. Allerdings sei in Szekszárd derzeit keine aktive Anti-Europa-Stimmung auszumachen. Dort werde vielmehr mit EU-Hilfen viel getan und saniert beziehungsweise aufgebaut, vor allem in der Tourismusförderung und Stadtsanierung. „Daher hoffen wir, dass sich die ungarische Politik nicht auf die Beziehungen durchschlägt und wir nach wie vor gute Kontakte pflegen können. Daran werden wir in den Gesprächen mit den ungarischen Gästen auch appellieren“, erklärt die Partnerschaftsbeauftragte.

Die Delegation, die zu Besuch kommt, wird von Bürgermeister Reszö Acs geführt, auch der ehemalige Bürgermeister Imre Antal (Toni) Kocsis, der viel für die Partnerschaft getan hat, ist dabei. Ebenso gehören die Leiterin des Garay-Gymnasiums, Maria Heilmann, und Zsolt Kovacs, Leiter der Musikschule Szekszárd und langjähriger Begleiter der Schülergruppen, die zur hiesigen Musikschule kommen, der Delegation an. Laut Hochmuth ist das Programm auch auf Wunsch der ungarischen Freunde zusammengestellt worden.

Neue Stelle beschlossen


Um den Austausch zu forcieren, hat der Gemeinderat auf Antrag der SPD beschlossen, eine 100-Prozent-Stelle für Städtepartnerschaften einzurichten. Diese ist inzwischen auch schon ausgeschrieben (zu 68 Prozent, da ein Teil der Aufgaben von vorhandenen Kräften übernommen wird), das Auswahlverfahren läuft demnächst an. Ziel sei eine Besetzung im ersten Halbjahr, so Anette Hochmuth. um