Bietigheim-Bissingen Schulterschluss der DRK-Ortsvereine Bietigheim und Bissingen

DRK-Hilfskräfte als freigestellte Flüchtlingshelfer? Der Vorschlag von DRL-Präsident Rudolf Seiters stößt im Landkreis bislang auf wenig Gegegenliebe.
DRK-Hilfskräfte als freigestellte Flüchtlingshelfer? Der Vorschlag von DRL-Präsident Rudolf Seiters stößt im Landkreis bislang auf wenig Gegegenliebe. © Foto: dpa
Bietigheim-Bissingen / SUSANNE YVETTE WALTER 05.11.2015
Die beiden Ortsvereine des Deutschen Roten Kreuzes in Bietigheim und in Bissingen wollen künftig unter einem Dach als ein Ortsverein mehr bewirken und gleichzeitig ihre Platzprobleme in den Griff bekommen.

Seit Jahren gibt es in den Bietigheim-Bissinger Teilgemeinden Bietigheim und Bissingen Überlegungen, die bisher noch getrennten Ortsvereine des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) zu vereinigen. In dieser Woche war es soweit: Bei einer offiziellen Feierstunde im Bietigheimer Rathaus ist die Fusion der Ortsvereine zum DRK Bietigheim-Bissingen vollzogen worden. Ein Schulterschluss und gemeinsamer Schritt, der historisch gesehen auch einen Einschnitt bedeutet.

Platzprobleme auf beiden Seiten, in Bietigheim wie in Bissingen, spielten dabei eine entscheidende Rolle. "Vor drei Jahren schon haben wir neue Katastrophenschutzfahrzeuge bekommen und überlegt, wo wir die unterbringen", so Wolf-Christian Reese vom DRK in Bietigheim zu den Hintergründen der jetzt vollzogenen Fusion. Die Stadtverwaltung habe signalisiert, dass sie einem Neubau zur Beseitigung der akuten Platzprobleme nur dann zustimme, wenn sich die Ortsvereine verbandeln. "Die Stadtverwaltung will nur einen Ansprechpartner haben und vermeiden, dass beide Ortsvereine parallel auf sie zukommen", so Reese.

Zur Zusammenlegung der Ortsvereine gehörte auch, dass am Dienstagabend ein komplett neuer Vorstand gewählt wurde. Und natürlich Grußworte gesprochen wurden: Sie kamen vom ehemaligen Vorsitzende des Ortsvereins Bissingen, Hermann Silcher, vom ersten Vorsitzenden des DRK Kreisverbandes Ludwigsburg, Dr. Utz Remlinger, vom stellvertretenden Kreisbereitschaftsleiter Steffen Schassberger und von Ordnungsamtsleiter Thomas Höfel als Vertreter der Stadt.

"Die beiden Ortsvereine fügen sich zusammen, da Bietigheim-Bissingen als große Kreisstadt einen zentralen Ortsverein haben sollte und damit auch eine zentrale Anlaufstelle", macht Pressesprecher und Schriftführer Alexander Bauer deutlich.

Die bisherigen Unterkünfte werden von den Eigentümern selbst gebraucht. Der DRK-Ortsverein in Bissingen war seither in den Räumen des Technischen Hilfswerks und der Bietigheimer Ortsverein bei der Feuerwehr Bietigheim untergebracht gewesen. "Eine Lösung der momentanen Situation war deshalb notwendig, da Fahrzeuge untergestellt werden müssen. Zum Beispiel der große Gerätewagen des Bevölkerungsschutzes", so Alexander Bauer.

Eine Unterkunft hat der neue Ortsvereins Bietigheim-Bissingen bereits ins Auge gefasst. Es soll ein Neubau werden. Auch ein Bauplatz ist bereits anvisiert, hinter dem Hallenbad in Bissingen, wo in der Nähe auch der Musikverein untergebracht ist. "Unten sollen ausreichend Garagen gebaut werden, im oberen Stockwerk sollen Ausbildungsräume und Büros untergebracht werden", sagt Alexander Bauer zu den Plänen des DRK. Die Finanzierung stemmen die Stadtverwaltung und das Deutsche Rote Kreuz gemeinsam.

Gespräche gab es im Vorfeld in beiden Ortsvereinen darüber, in welche Richtungen Schwerpunkte in der DRK-Arbeit gesetzt werden sollen. "Wir haben uns für die aktuelle Flüchtlingsarbeit entschieden, die eine große Herausforderung bedeutet", so der neue DRK-Vorsitzende Wolf-Christian Reese.

Freistellung für Flüchtlingshelfer?

DRK Bietigheim-Bissingen

Der Vorstand Zum neuen Vorsitzenden des DRK-Ortsvereins Bietigheim-Bissingen ist Wolf-Christian Reese gewählt worden. Seine Stellvertreter sind Jürgen Kowitz und Christoph Küenzlen. Bereitschaftsleiter sind Marina Boronka und Tobias Csanitz, Schatzmeisterin oder Kassiererin ist Silke Morlok und die Position des Schriftführers nimmt Alexander Bauer ein. Zum Bereitschaftsarzt wurde bei der Neugründung Dr. Renato Vivanco bestimmt und die beiden Beisitzer sind Joachim Koch und Silvia Hornbacher.

Ein Kommentar von Jörg Palitzsch: Ein Zeichen der Hilflosigkeit

Die Versorgung nach hohen medizinischen Standards und die schnelle Erreichbarkeit eines Notfall- oder Unfallortes sind Aufgaben, an deren Optimierung das Deutsche Rote Kreuz (DRK) ständig arbeitet. Das für diese Anforderungen entwickelte System findet in vielfältiger Weise in den ehrenamtlichen Einsatzstrukturen bei den Rettungskräften - DRK, Feuerwehr und THW - Verwendung. Um es auf den Punkt zu bringen: Man ist aufeinander eingespielt.

Ob nun die berufliche Freistellung von DRK-Kräften - analog zur Freistellung von Feuerwehrkräften - die richtige Antwort auf die Bewältigung der Aufgaben von Flüchtlingshelfern ist, kann bezweifelt werden. In jedem Fall wäre es eine zusätzliche Aufgabe, die an anderer Stelle Löcher reißt.

Freiwillige DRK-Helfer für die Flüchtlingsarbeit wachsen nicht auf den Bäumen und müssten auch umfangreich ausgebildet werden. Dabei stellt sich die Frage, ob dies dann auch über eine berufliche Freistellung erfolgen soll? So zeigt der Vorschlag von DRK-Präsident Rudolf Seiters eines auf, was in punkto Flüchtlinge derzeit symptomatisch ist: Hilflosigkeit.

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