Bietigheim-Bissingen Schulpreisverleihung 2016: Große Bandbreite an ausgezeichneten Projekten

HENNING MAAK 20.04.2016
Dass Schule mehr ist als nur ein Ort des Lernens, hat die diesjährige Schulpreisverleihung für den Landkreis Ludwigsburg von Bietigheimer Zeitung und Kreissparkasse Ludwigsburg eindrucksvoll gezeigt.

Schon eine halbe Stunde vor dem eigentlichen Beginn herrschte in der Aurainhalle ein Stimmengewirr wie auf dem Schulhof. Aufgeregt tuschelten Jungen und Mädchen über ihren bevorstehenden Auftritt, manche Lehrkraft musste in letzter Sekunde noch Anweisungen geben.

"Sprecht laut und deutlich, aber so locker wie möglich", sagte beispielsweise Elke Miriam Melber, die Theater-Leiterin des Goethe Gymnasiums Ludwigsburg zu ihren vier Mittelstufenschülern, die eine kurze Szene aus ihrem Projekt "Vergiss nicht - ein Theaterspaziergang in die dunkle Vergangenheit Ludwigsburgs" auf die Bühne bringen sollten. Dieselbe Bühne übrigens, auf der auch schon Pur und Manfred Mann's Earth Band gespielt und Willy Brandt sowie Franz Josef Strauß gesprochen hatten, wie Rektor Claus Stöckle von der gastgebenden Realschule im Aurain zu Beginn angemerkt hatte.

Deutlich entspannter waren Lea Müllner und Zoe Welz von der Grundschule Freudental, die sich noch ein paar letzte Worte von Chorleiterin Gudrun Riethmüller anhören mussten. Die musikalische Leiterin des Liederkranzes Freudental wollte bei der Präsentation ihres Musical-Projekts "Auch du gehörst dazu" die Kinder am Klavier begleiten. "Da aber keines da war, musste ich kurzfristig auf eine Gitarre umsteigen, da bin ich nicht ganz so sicher." Lea Müllner, die Cajon spielte, und Zoe Welz mit den Rhythmus-Rasseln zeigten keine Spur von Lampenfieber: "Wir sind kein bisschen nervös, wir müssen ja nur den Rhythmus halten", meinten die beiden Zwölfjährigen ganz cool.

Sehr souverän zeigte sich auch die Zehntklässlerin Albina Dinaj von der Schule im Sand auf der Bühne, als sie ihre Motivation für das Projekt "Klein und Groß - Vogelfutterhäuschen" erklärte: "Wir haben gelernt, dass es sich gut anfühlt, wenn man sich sozial engagiert." Bei diesem Projekt bauten Neuntklässler mit Erstklässlern zusammen Vogelfutterhäuschen.

Die Freude an ihrem Projekt mussten sich die Schüler der Benninger Grundschule bei ihrem "Inklusiven Zirkus" erst erarbeiten. Denn die Schulgemeinschaft musste damit fertig werden, dass im Januar vergangenen Jahres ihr neunjähriger Mitschüler Finn den Kampf gegen den Krebs verlor. "Es war schön, dass wir das Zirkusprojekt mit einem Benefizkonzert eröffnen konnten, bei dem 1200 Euro zusammen gekommen sind", erklärte Schulleiterin Ute Kerker. Das Geld habe man dem Anna-Verein zur Verfügung gestellt, der sich um Kinder kümmere, die Geschwister verloren haben. "Das Zirkusprojekt hat den Kindern aber wieder die Freude zurückgebracht, und sie haben bei der Aufführung ihr Bestes gegeben und ihr Selbstbewusstsein gestärkt", führte Kerker weiter aus.

Ein für einen Zwölfjährigen erstaunliches Selbstbewusstsein zeigte Jonas Haug vom Hans-Grüninger-Gymnasium in Markgröningen. Er hatte zusammen mit seinem Schulfreund Paul Schott das Schulgebäude mit dem Computerspiel Minecraft in 3D nachgebildet, und wurde bei der Präsentation des virtuellen Rundgangs von den Tücken der Technik überrascht. "Wir warten jetzt einfach mal, bis es startet", sagte er gleich zu Beginn ganz cool, als mehrere Sekunden lang nur ein blauer Bildschirm zu sehen war.

Als Paul Schott, der für den technischen Teil der Präsentation zuständig war, ins Schleudern geriet, gab Jonas Haug live technischen Support: "Ich würde sagen, Paul drückt jetzt einfach mal F1" - und erntete dafür lautes Lachen im Aurainsaal. "Ich war ein bisschen nervös und habe die richtige Tür nicht gleich gefunden, weil ich mich zu oft gedreht habe", entschuldigte sich Paul Schott hinterher. Die Idee zu diesem Projekt sei ihnen in der Pause beim Anblick der Renovierungsarbeiten in ihrer Schule gekommen, erzählen die beiden Freunde weiter. Die Schulleitung war von dem Projekt so angetan, dass Konrektor Peter Krauter den Minecraft-Profis die Architektenpläne des Schulhauses gab, um genauer arbeiten zu können. "Bis zu den Sommerferien stand eine Grobversion", erklärte Jonas Haug, der die Rolle des Projektleiters innehatte, während Paul Schott den Architekten gab. Insgesamt seien in knapp eineinhalb Jahren Arbeit 40 200 Blöcke verbaut worden. Würde man sich jeden Block im Maß von einem Meter zum Quadrat vorstellen, ergebe dies eine Strecke von Bietigheim bis nach Neckarsulm, erläuterte Jonas Haug anschaulich. Und das nächste Projekt ist schon in Planung: Da demnächst im Hans-Grüninger-Gymnasium die Schulhofsanierung ansteht, sollen verschiedene Vorschläge dazu ebenfalls per Minecraft visualisiert werden. "Wie eine Küchenplanung in 3D", freut sich Konrektor Krauter, als seine Schüler in Bietigheim-Bissingen ihren verdienten Preis in Empfang nahmen.