Schulbeirat Schulen bald mit Kameras bewacht?

Eine Überwachungskamera wie diese könnte an den Schulen der Stadt bald überall hängen.
Eine Überwachungskamera wie diese könnte an den Schulen der Stadt bald überall hängen. © Foto: DPA
Bietigheim-Bissingen / Rena Weiss 27.06.2018

An allen Schulen in Bietigheim-Bissingen könnten bald Überwachungskameras Vandalismus Einhalt gebieten. Denn wie die Stadtverwaltung am Montag in der Sitzung des Schulbeirats mitteilte, prüfe sie, die rechtlichen und technischen Möglichkeiten und habe sich bereits Firmenangebote eingeholt. „Wir versprechen uns einiges von Videoüberwachungen“, sagte Bürgermeister Joachim Kölz. Doch klar sei auch: „Sie können überwachen, wie sie wollen, sie werden nie alle Schäden vermeiden können.“

Die Schäden an den Schulen haben zugenommen. Jedes Wochenende, aber auch unter der Woche gebe es Schäden, berichteten Kölz und die anwesenden Rektoren. Für die SPD-Fraktion mit ein Grund, warum sie bereits Ende 2017 einen Antrag stellten, eine Übersicht der Sachbeschädigungen in den vergangenen fünf Jahren zu erstellen. Diese wurde nun dem Schulbeirat vorgestellt.

36 000 Euro Schaden

„Für uns ist dieses Thema ein Bereich, der uns Sorge bereitet“, sagte Kölz. Insgesamt sei an den Schulen eine Schadenssumme von mehr als 36 000 Euro entstanden. Schäden, bei denen der Täter bekannt wurde und für den Schaden aufkam, seien hier nicht mitgerechnet, teilte Inga Mollerus, Amtsleitung für den Bereich Bildung, Betreuung und Jugend, mit.

Das Bildungsamt hat mit den jeweiligen Hausmeistern eine Schadensbilanz erstellt. „Der Bürger versteht unter Vandalismus weiß Gott welche Vorkommnisse“, sagte Claus Stöckle, Schulleiter im Aurain, gegenüber der BZ. Tatsächlich wurden am Montagabend Müll, wie Glasscherben, Graffitischmierereien auf Fenstern oder Gebäudewänden, oder zerstörtes Mobiliar aufgelistet.

Die Hausmeister an der Realschule Bissingen und der Waldschule mit den beiden Sporthallen müssen am meisten reinigen: 4 Stunden pro Woche je Schule. Doch das liegt sicherlich auch an den Sporthallen. In der Realschule im Aurain sind es 2 bis 2,5 Stunden, im Ellental 1,5 bis 2 Stunden, in der Schillerschule 1 bis 2 Stunden und im Sand 1,5 Stunden.

Stephan Bender, Schulleiter der Waldschule, sagte bereits im Dezember gegenüber der BZ: „Wir sind dagegen total hilflos.“ Der Hausmeister müsse am Wochenende kommen, um sauber zu machen und die Anzeigen zu schreiben. „Videoüberwachung täte an einigen Plätzen auf dem Schulgelände Not“, sagt Bender. Auch Stöckle berichtet von Aufräumarbeiten vor allem am Montag. Er sehe eine Veränderung im Verhalten der Jugendlichen in den letzten Jahren und sagt. Es brauche Videoüberwachung und gut ausgeleuchtete Schulhöfe, um dem Problem beizukommen. Zudem müsse die Nutzung der Schulgelände am Wochenende kritischer betrachtet werden. An den Ellentalgymnasien wird bereits der Bereich um die Fahrradständer mit einer Kamera überwacht. „Es ist trotzdem schwierig, die Täter zu ermitteln – sie winken in die Kamera und sind dann weg“, sagt Schulleiter Lutz Kretschmer. Mehr Polizeipräsenz in den Abendstunden könnte helfen.

„Wir haben erst mal überlegt, eine bessere Beleuchtung zu machen“, erklärte Inga Mollerus. So lasse sich der Täter eben schneller identifizieren und die Hemmschwelle sei größer. Allerdings brächte das nicht den gewünschten Erfolg. Nun eben überlege die Stadtverwaltung, eine Videoüberwachung anzubringen. Denn die Variante die Schulgelände komplett einzuzäunen, wie es beispielsweise in Amerika oft der Fall ist, sei bei vielen Bietigheimer Schulen nicht möglich. „Wir wollen die Schulen nicht mit einem möglichst hohen Zaun versehen“, sagt Bürgermeister Kölz. Denn dadurch würde die Stadt eben auch Spielmöglichkeiten nehmen. Zudem befürchtet Kölz eine Verdrängung an andere Standorte. Auch Sicherheitsdienste hätten an anderen Schulen in der Region nicht den erwünschten Effekt gehabt. Das berichten, laut Stadtverwaltung, sowohl die Schulen selbst als auch einige Sicherheitsdienste.

Sicherheitsdienst engagieren

Anders sieht das Volker Müller, SPD-Gemeinderat. Er empfiehlt, Präsenz zu zeigen, und sagte: Die Schulhöfe seien fast einladend, sich dort zu versammeln und Schaden anzurichten. Der Schulleiter der Realschule Bissingen, Hanspeter Diehl, hält den Ansatz, den Ordnungsdienst auszuweiten, ebenfalls für sinnvoll, merkte jedoch noch eine weitere Maßnahme an: „Eine Beschilderung mit den Regeln, wann und wie die Schulhöfe genutzt werden dürfen, sollte nun umgesetzt werden.“ Die Stadt und die Schulen können nicht etwas ahnden, dass so nicht als unrecht kundgetan werde – zumindest, was die Zeiten und das Betreten anbelange. Mollerus erklärte daraufhin, dass Texte für eine derartige Beschilderung bereits an die Schulen geschickt wurden und nun auch eine Firma damit beauftragt wurde.

Das Auswerten der Videos, sollte die Überwachung kommen, könnte für die Verwaltung jedoch ein Problem darstellen. Denn mit der neuen Datenschutzverordnung müsse ganz genau geklärt werden, wer die Videos auswerten dürfe.

Eine weitere Frage galt den Schadensverursachern und ob bekannt sei, aus welchen Beweggründen diese handeln. Kölz erklärte, dass wenn sie ausfindig gemacht werden, die üblichen Gründe zu Vandalismus führen: Alkohol, Drogen, Gruppenzwang oder auch jugendlicher Leichtsinn. Gesamtelternbeiratsvorsitzender Christos Chatzigeorgiou fragte indes, ob es eine Überwachung dann gleich an allen Schulen geben werde. Hier erklärte Kölz, dass der Schwerpunkt zunächst auf den Schulen mit den größten Schäden liegen werde. Bis die Videoüberwachung in Bietigheim-Bissingen tatsächlich kommt, ist es noch ein weiter Weg.

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