Soft-Air-Waffen Schüsse auf fahrende Autos

Bietigheim-Bissingen / Rena Weiss 21.09.2018

Es war ein Dienstag, gegen 16.30 Uhr, als auf Angela O., die in ihrem Auto unterwegs war geschossen wurde. Sie blickte einem Jungen direkt in die Augen, in seiner Hand eine schwarze Waffe. Glücklicherweise traf er nicht und es handelte sich laut Polizei mutmaßlich um eine Soft-Air-Waffe. Doch das wusste Angela O. zunächst nicht.

„Es war warm, das Fenster war runter gekuppelt“, erinnert sie sich genau. Auf der Strecke vom Schotterwerk Wilhelm Fink zum Autohaus Stadel sah sie kurz vor der Unterführung ein Fahrrad am Straßenrand. „Das war hingeworfen und lag nicht sauber da“, erzählt sie, weil sie das stutzig machte und sie Ausschau hielt, ob ein Unfall passiert sei. „Es ist mir aufgefallen, weil es neongrün mit orange war“, doch könne sie nicht sicher sagen, ob nicht vielleicht auch zwei Fahrräder dort lagen. „Ich bin langsam gefahren und sah zwischen zwei Büschen einen jungen Kerl und daneben noch einer.“ 15 Jahre alt schätzt sie ihn. „Er hat die Hände ausgestreckt, wartet, bis ich auf seiner Höhe bin und drückt ab.“ Fünf bis sechs Meter, schätzt sie, waren zwischen ihr und dem Schützen. „Im ersten Moment dachte ich nur: ‚Der hat gerade auf dich geschossen“, erinnert sich Angela O. sehr genau, „geht’s noch? Spinnt der eigentlich? Emotionslos – keine Miene hat er verzogen.“ Das schockiert sie auch jetzt noch.

Am nächsten Feldweg hielt sie an und rief die Polizei. Dabei habe sie erst realisiert, was passiert war, sagt sie. Dann konnte sie auch nicht mehr weiterfahren und war, wie sie selbst beschreibt, in einem kleinen Schock. „Das kann doch nicht sein, dass da Jugendliche sitzen, mit einer Waffe – eine echte womöglich noch“, dachte sie sich vor zwei Wochen. „Es hat ausgesehen wie eine echte Waffe. Ich habe keinen Unterschied gesehen“, aber, so ergänzt sie, kenne sie sich mit Waffen auch nicht aus. Peter Widenhorn, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Ludwigsburg, jedoch schon. Er erklärt auf BZ-Nachfrage, dass Soft-Air-Waffen als Schusswaffen verstanden werden, die kleine Plastikkugeln durch Federkraft oder komprimierte Gase verschießen.

Waffen und Gesetze

Doch auch hier gibt es Unterschiede, die mit der Bewegungsenergie der Geschosse zusammenhängt. In der Regel beträgt die etwa 0,2 bis 0,5 Joule, so Widenhorn, und damit sind die Waffen vom Waffengesetz mit Ausnahme des Paragrafen 42a befreit. „Liegt die Energie jedoch höher und trägt die Waffe ein ‚F im Fünfeck’-Zeichen, ist diese ab 18 Jahre frei im Erwerb und Besitz“, erklärt Widenhorn weiter. Ohne das Symbol eines Fs in einem Fünfeck und mit einer Bewegungsenergie über 0,5 Joule ist eine solche Waffe sogar waffenbesitzkartenpflichtig. Das F steht für erlaubnisfreie Schusswaffen. Verstößt man gegen das Führungsverbot, ist es eine Ordnungswidrigkeit, die mit Geldbußen bestraft wird. Anders verhält es sich, wenn eine Person durch ein Soft-Air-Geschoss verletzt wird. Hier könnte es sich um Körperverletzung oder gefährliche Körperverletzung handeln.

Zweiter Fall

Zu Hause rief Angela O. die Polizei erneut an und erfuhr, dass sich ein weiterer Fahrer gemeldet hatte. Die Polizei bestätigt: „Am 11. September haben zwei Jugendliche mutmaßlich mit einer Soft-Air-Waffe in zwei Fällen auf vorbeifahrende Autos geschossen. Sie konnten jedoch nicht ermittelt werden.“ Angela O. erinnert sich noch genau an den Jungen, der schoss. „Er hatte dunkle, recht volle Haare. Das Gesicht war etwas rundlich, aber nicht dick“, sagt sie. Hinweise nimmt das Polizeirevier Bietigheim unter Telefon (07142) 40 50 entgegen.

Info Der Paragraf 42a des Waffengesetzes beinhaltet das Verbot des Führens von sogenannten Anscheinswaffen und erfasst damit auch täuschend echte Soft-Air-Waffen. Keine Anscheinswaffen sind dagegen klar kenntliche Spielzeuge oder Gegenstände, die beispielsweise neonfarbene Materialien enthalten und deren Größe die einer entsprechenden Feuerwaffe um 50 Prozent über- oder unterschreiten.

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