Bietigheim-Bissingen Schüler lernen, wie sie Gewalt vermeiden

BZ 28.12.2015
Polizistin Ilona Gerstung zeigte Schülern an der Realschule im Aurain Möglichkeiten auf, wie man Gewalt in Auseinandersetzungen vermeidet.

Immer öfter macht es Schlagzeilen, wenn junge Menschen in der Region Erfahrungen mit Gewalt und Jugendkriminalität als Opfer oder Täter machen. Doch welche Möglichkeiten gibt es, eine konfliktgeladene Situation zu entschärfen und zu erkennen, wie Gewalt verhindert werden kann? Mit dieser Frage setzte sich Polizistin Ilona Gerstung vom Polizeirevier Bietigheim-Bissingen an der Realschule im Aurain auseinander. Sie berichtete vor Schülern aus ihrer beruflichen Erfahrung heraus und zeigte Lösungsmöglichkeiten, Gewalt unter Jugendlichen zu vermeiden.

Alle siebten und achten Klassen der Realschule bekamen einen etwa zweistündigen Workshop geboten, der zwei Ziele zum Inhalt hatte: Zum einen wurde thematisiert, wie man sich in einer schwierigen Situation verhalten sollte, zum anderen wurde das weitere Vorgehen nach einer Gewalterfahrung in den Mittelpunkt gerückt.

Zu Beginn des Kurses schlüpfte die Polizistin in die Rolle eines jugendlichen Gewalttäters und provozierte in einem kurzen szenischen Spiel einzelne Schüler. Deren Verhalten darauf wurde analysiert. Ein Ergebnis: Wird eine Distanz von etwa einer Armlänge von einem möglichen Angreifer verletzt, sollte man unbedingt cool bleiben, Beleidigungen nicht erwidern, Blickkontakt vermeiden, nicht auf den Boden schauen und das sogenannte "Magnetfeld" des Täters meiden. Auch kann es helfen, so die Polizistin, Passanten zur Hilfe anzuhalten und diese lautstark und konkret einzufordern. "Eine Beleidigung", so Gerstung, "ist niemals persönlich gegen einen selbst oder etwa die eigene Mutter gerichtet", da der Täter das Opfer in den meisten Fällen nicht kennt. Sie diene einfach dem Zweck, durch die Reaktion des Angegriffenen eine scheinbare Rechtfertigung für den Einsatz von Gewaltmitteln zu erhalten.

Wenn es jedoch trotz all dieser guten Ratschläge zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung gekommen ist, sollte man unbedingt die Eltern oder Lehrer informieren und Anzeige erstatten. So lernten die Schüler zum Abschluss des Workshops, dass Gewalt niemals verheimlicht werden darf.