Ein Leserbrief aus dem Enz- und Metter-Boten vom 17. August 1907 belegt die Denkweise der damaligen Zeit: „Zur Wespenplage. Infolge der trockenen Witterung gibt es dieses Jahr sehr viele Wespen, welche an Obst und Trauben großen Schaden anrichten. Es wäre deshalb jetzt, vor Beginn der allgemeinen Reise, die beste Zeit, mit der Unschädlichmachung der Wespen zu beginnen. Wie es in früheren Jahren der Fall war. Vielleicht würde sich die Gemeinde wieder bereit erklären, für Wespennester (Waben) einen gewissen Betrag zu zahlen, damit die Vertilgung rascher gefördert würde.“

Die Stadt Bietigheim ließ sich nicht lange bitten und nahm diese Anregung sofort auf. Bereits am 22. August 1907 erschien eine Anzeige der Stadt unter dem Titel „Bekanntmachung betreffend die Vertilgung von Wespen und Hornissen. Pro abgeliefertes Hornissennest wurde eine Prämie von 50 Pfennigen ausbezahlt, für jedes Wespennest gab  es 30 Pfennige. Die Nester konnten jeweils dienstags und freitags zwischen 18 und 19 Uhr am ehemaligen Steigerturm abgeliefert werden. Die Bietigheimer stürzten sich regelrecht auf die Insekten. Bis Oktober, dem Ende der „Jagdsaison“, bezahlte die Stadtkasse stattliche 84 Mark und 80 Pfennige Ablieferungsprämie aus.

Der Erfolg dieser Aktion war eher dürftig. Auch 1909 stellte man fest, dass die „Wespenplage“ heuer stark auftritt. Besonders die Pflaumen, Aprikosen und Birnbäume mussten, so die damalige Sichtweise, unter den ungebetenen Gästen leiden. Also wurden seitens der Stadt am 26. August 1909 wieder Prämien ausgesetzt. Die Prämienhöhe blieb unverändert: 30 Pfennige pro Wespennest, und 50 Pfennige pro Hornissennest.

Auch die warme Witterung des Jahres 1911 führte im Herbst zu einer „Wespenplage“. „Es sind schon da und dort im Lande höchst gefährliche Fälle vorgekommen, welche durch Wespenstiche im Mund oder Hals beim unvorsichtigen Essen von Obst oder namentlich beim Trinken von süßem Most aus undurchsichtigen Gefäßen verursacht wurden“, hieß es in einem Bericht aus dem Enz- und Metter-Boten, dem Vorläufer der BZ, vom 4. September 1911. „Man kann die Wespen am einfachsten und sichersten in Flaschen wegfangen, die mit Zuckerwasser etwa fünf bis zehn Zentimeter hoch gefüllt sind“ so der Bericht weiter. Natürlich durfte der Hinweis nicht fehlen, dass man am besten die Nester am Abend mit kochendem Wasser übergießen sollte: „so gehen die Tiere samt ihren zahlreichen Larven zugrunde“.

Es half scheinbar alles nichts. Wen wunderts, dass auch im Juni 1916 die altbekannte Belohnung in unveränderter Höhe für Wespen- und Hornissennester wieder vom Bietigheimer Gemeinderat ausgesetzt wurde. In einer Anzeige vom 10. Juli 1916 wurde die Öffentlichkeit nochmals auf die Prämie aufmerksam gemacht.

Das Ausbezahlen von Prämien für abgelieferte Wespen- und Hornissennester war auch in anderen Städten üblich. Am  15. August 1932 verkündete beispielsweise der Besigheimer Gemeinderat eine Belohnung von 20 Pfennigen für jedes abgelieferte Wespennest. 40 Pfennige gab es pro Hornissennest. Der Bietigheimer Gemeinderat führte in diesem Jahr ein neues Prämienmodell ein. In einer Anzeige im Enz- und Metterboten vom 9. September 1932 war zu lesen, dass zwischen 50 bis 80 Pfennige, je nach Größe des Nestes ausbezahlt werden.

Marbach verkündete am 10. September 1932 wiederum ein anderes Prämienmodell, um die Jagdlust nach den unliebsamen Insekten anzustacheln: 20 Pfennige pro Nest und für ein Liter toter Wespen gab es sogar eine Reichsmark.

Info
Am Sonntag, 14. August, 13 bis 17 Uhr, gibt es im Akademie-Natur-Info-Center Casa Mellifera in Ludwigsburg einen Hornissen-Aktionstag. Alles über Hornissen, aber auch über den Umgang mit Wespen erläutern die Naturpädagogen. Die Veranstaltung ist kostenlos.

www.um.bwl.de