Der 30-jährigen Städtepartnerschaft zwischen Bietigheim-Bissingen und dem südungarischen Szekszárd gaben Bietigheims Oberbürgermeister Jürgen Kessing und Szekszárd Bürgermeister Rezsö Ács am Samstagabend im Kronenzentrum eine neue Perspektive. Sie unterzeichneten eine Bekräftigungsurkunde, die besagt, dass der freundschaftliche Austausch weiterhin gefördert und an die Jugend vermittelt wird.

Bestes Beispiel für den Fortbestand der Partnerschaft war die musikalische Teilnahme der Musikschule mit ihrem Blockflötenorchester unter der Leitung von Anette Bachmann. Kompositionen wie „Im Weigartl“ von Franz Xaver Frenzel oder die „Bietigheimer Charaktere“ von Dietrich Schnabel zeichneten den regen Austausch der Stadtverwaltungen, der Vereine, der Schulen, der Kirchen und der Privatleute von Bietigheim-Bissingen und Szekszárd nach. Oberbürgermeister Jürgen Kessing sah im Kronenzentrum viele Gesichter von Ungarndeutschen aus dem Komitat Tolna, die nach dem Zweiten Weltkrieg nach Baden-Württemberg vertrieben wurden, hier in Lagern landeten und dann auf die Kommunen verteilt wurden. Vor allem die Bissinger kannten noch den Mitbegründer der Städtepartnerschaft, Adam Leicht. Auch die Anwesenheit des Generalkonsuls, Dr. János György Berényi, unterstrich das Interesse an der Fortführung der freundschaftlichen Beziehungen Bietigheim-Bissingens zu Szegszárd.

Rückblick auf drei Jahrzehnte Freundschaft: Das gab OB Kessing Anlass, auf die Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde durch Oberbürgermeister a.D., Manfred List, und Bürgermeister János Kovács am 27. Mai 1989 in Bietigheim-Bissingen zurückzublicken. „Immer stabiler, verlässlicher und enger“ ist die Städtepartnerschaft aus Kessings Sicht geworden. „Wir haben Vertrauen aufgebaut und konstruktive Dialoge entwickelt“, sagte der Oberbürgermeister im Kronenzentrum. Der gute Wein aus Szekszárd, wo unter anderem die dalmatinische Rebe Kadarka wächst, habe bei der europäischen Verständigung und bei der Entwicklung der Wirtschafts- und Verwaltungsstrukturen sicherlich auch eine Rolle gespielt, bezeichnete der Gastgeber diese Städtepartnerschaft als „goldrichtig“. Szekszárd, so Kessing zur aktuellen Lage, habe sich „bisher stark zu Europa bekannt“. Die Europäische Union könne Nachbarländer, die sich nicht an den gemeinsamen Lasten und Leistungen beteiligen wollen, auf Dauer nicht tragen.

Szekszárd setzt auf Tourismus

Aus dem Gedanken heraus, dass „die Sehnsucht der ersten Generation nach ihrem Ungarnland bis zum Tode geblieben ist“, betonte Bürgermeister Raszö Ács unter anderem die Wichtigkeit des Nationalstolzes. Ein „uniformiertes Weltbild“ in den Vordergrund zu stellen, hielten die Ungarn allerdings „nicht für einen richtigen Weg“. Dabei stellte er die Opern von Richard Wagner denen von Erkel Ferenc und Dichter wie Schiller und Goethe Petöfi Sándor oder Jókai Mór gegenüber. „Unsere gemeinsame Verantwortung ist die Muttersprache, unseren Kulturschatz und unsere Traditionen zu bewahren“. Die Zeit der Erweiterung der Europäischen Union sei wahrscheinlich noch zu kurz gewesen, um einander richtig kennenzulernen und akzeptieren zu können. Darin, sagte Ács, sehe er die Aufgabe für die Zukunft. Gerade dazu könne eine Städtepartnerschaft beitragen.

Ein weiteres Ziel für den Bürgermeister sei die Stärkung des Tourismus. Deswegen brachten er und seine Delegation einen neuen Image-Film mit, der im Kronenzentrum gezeigt wurde. Ein Hafen für Touristenschiffe, ein neues Ausflugszentrum und ein Abenteuerpark sind bereits geplant. Unternehmen aus der Partnerstadt, die sich im Industriepark ansiedeln wollen, seien in Szekzárd herzlich willkommen.