Es ist fast auf den Tag genau ein Jahr her, da machte ein junger Lehrer der Realschule im Aurain eine böse Entdeckung, erinnert sich Schulleiter Claus Stöckle. „Es war wirklich eine böse Überraschung.“ Ein Rohrbruch setzte am ersten Wochenende des Jahres 2019 mehrere Räume, einen Aufzug und das Treppenhaus der Realschule unter Wasser. 25 000 Liter Wasser sind in der Nacht vom 4. auf den 5. Januar 2019 im zweiten Obergeschoss ausgelaufen. Die Schule weiß die Menge deswegen so genau, weil der Hausmeister zufälligerweise noch am Freitag den Wasserzähler abgelesen hatte und am Samstag wurde der Rohrbruch entdeckt. Der komplette naturwissenschaftliche Bereich bis hinab ins Erdgeschoss wurde in Mitleidenschaft gezogen. Doch wie ist der Stand heute?

„Leider sind alle drei Räume (Bio, Physik, Chemie) samt Nebenräumen das ganze Jahr 2019 nicht benutzbar gewesen“, fasst Stöckle das vergangene Jahr zusammen, „für den Fachunterricht wirklich keine gute Sache.“ Die Schüler mussten manches entbehren. „In Bio konnten wir das Allermeiste in einem Ausweichraum kompensieren. In Physik und Chemie konnten wir lediglich ins alte Sheddachgebäude, das bei der Renovierung abgerissen werden soll, ausweichen.“ Schülerversuche waren dort eher die Ausnahme. Unterricht fiel aber keiner aus, versichert Claus Stöckle.

Im April gab die Stadt bekannt, dass sie für die Schadensbehebung 650 000 Euro im Haushalt bereithalten werde. Darin enthalten sind jedoch nicht nur die Sanierung der betroffenen Räume und die Erneuerung der Einrichtung im naturwissenschaftlichen Bereich, sondern auch neue Elektro-, Gas- und Wasseranschlüsse. Letztere waren rund 35 Jahre alt und hätten so oder so bald erneuert werden müssen. Allein für die Fachraumeinrichtung fallen laut Stadtverwaltung rund 260 000 Euro an. „Zu allem Übel verzögert sich in den Nebenräumen jetzt auch noch die Anlieferung der Möbel“, sagt Stöckle zur eigentlich geplanten Fertigstellung im Herbst 2019. Nun teilt die Stadtverwaltung auf BZ-Anfrage mit, dass die beschädigten Klassenzimmer wohl ab Ende Januar und die Fachräume ab März wieder genutzt werden können.

„Bei der sehr aufwendigen Schadensbeseitigung sowie Umgestaltung fallen Kosten von voraussichtlich circa 600 000 Euro an“, sagt Ina Klein vom Presseamt der Stadt. Der gesamte, in Teilen schadstoffbehaftete Estrich, musste ausgebaut und entsprechend entsorgt werden. Außerdem wurden mehrere Unterrichtsräume nahezu vollständig entkernt und anschließend wieder neu ausgebaut. Seitens der Hausratsversicherung werde nur ein minimaler Betrag erstattet, da die Versicherung nur das Inventar abdeckt. Die Stadt geht von einer Erstattung in Höhe von 10 000 bis 15 000 Euro aus. „Vermutlich wird man solche Schäden nie grundsätzlich ausschließen können. Die Stadt hat jedenfalls in puncto Versicherung für die Zukunft reagiert“, erklärt Claus Stöckle, ob ein solcher Fall erneut vorkommen könnte. Der Ausschuss für Verwaltung und Finanzen hatte kurz nach dem Wasserschaden beschlossen, für einen jährlichen Beitrag von rund 23 700 Euro die bestehende Gebäudeversicherung um die Gefahr „Leitungswasser“ zu erweitern.