Vorführung Roboter erzeugen Lichtkunst

Drei Roboter machten eine von Joachim Fleischer geplante Licht-Performance bei der Dürr AG in Bissingen Bissingen.
Drei Roboter machten eine von Joachim Fleischer geplante Licht-Performance bei der Dürr AG in Bissingen Bissingen. © Foto: MARTIN KALB
Von Susanne Yvette Walter 13.10.2018

Mensch und Roboter gehen gemeinsam als Künstler ans Werk beim Bietigheimer Maschinenbau-Riesen Dürr in der Carl-Benz-Straße. Der Stuttgarter Künstler Joachim Fleischer, in der Region bekannt für seine Lichtinstallationen, thematisiert in seiner Installation bei Dürr mit dem Titel „Weiße Zeit“ die Beziehung zwischen Mensch und Roboter und schafft dabei ineinander geschichtete Schattenräume. „Weiße Zeit“ läuft dort bis zum 27. Oktober.

Der Dialog Mensch und Maschine ist bei Dürr der Dialog schlechthin. Nun finden sich Mensch und Maschine zum ersten Mal als Künstler auf gemeinsamen Terrain: Unter den Händen des Stuttgarter Künstlers Joachim Fleischer entstand im Foyer des Maschinen- und Anlagen-Unternehmens eine Wechselwirkung zwischen ihm und drei einarmigen Robotern, die weißes Licht auf eine Wand abbilden und konstruierte Räume aus Metallstäben in ineinander geschachtelte Schattenkäfige verwandeln. Und das ist nur ein Beispiel für eine Licht-Projektion innerhalb einer neun Minuten langen Sequenz.

Dürr-Mitarbeiter und viele Neugierige erlebten am Donnerstagabend dieses Schauspiel zum ersten Mal. Eine riesige, gewölbte Holzwand, weiß gestrichen, ein 90 Quadratmeter großes Podest, darauf drei stillstehende Kompaktroboter – dieses Szenenbild fanden die rund 150 Gäste im Dürr-Foyer bei der Uraufführung der maschinellen Performance vor.

Der Betrachter kann kaum nachvollziehen, was für ein technischer Aufwand sich hinter der konturenklaren Installation verbirgt. Der Lackierspezialist im Publikum sieht da schon mehr: An den Roboterarmen sind keine Lackzerstäuber, sondern 575-Watt-Lampen angebracht. Per Mausklick wechselt die Installation von Stillstand zu Dynamik. Die Roboter werfen ihr Licht auf die Wand. Die Bewegung lässt ständig wechselnde Lichtmuster entstehen. Was spielerisch aussieht, ist das Ergebnis anspruchsvoller technischer Arbeit. Joachim Fleischer hat die Robotersteuerungen, von denen die Bewegungen ausgehen, nach seinen Vorstellungen zusammen mit Experten von Dürr programmiert. Seit Wochen arbeitete er im Dürr-Foyer daran. Das machte auch die Mitarbeiter neugierig.

Käfige und Quader

Auch bei der Vernissage ist der Künstler dabei, und jeder spürt seine Faszination für das Medium Licht und für die neue Idee, deren Umsetzung viel Energie auch von Computerfachkräften bei Dürr vorausgesetzt hat. Joachim Fleischer durfte hier in die Montagehallen und mit den Lackierrobotern arbeiten. Dazu erklingt metallisch und doch meditativ Musik von Marius Alsleben. Ganz ruhig scannen die Roboter die Gegenstände: Metallkäfige, Quader aus Glas und ein Netz an einem Stab – wie ein Windgeber. An der Wand erscheinen Bilder, die sich weiterentwickeln aus der Projektion heraus.

In einer Fotoserie in der Städtischen Galerie näherte sich Fleischer bereits dem Thema Mensch und menschenähnliche Maschine  – mit ihren „Gliedmaßen“ und ihren Bewegungen wirken die drei Roboter fast lebendig. Das wirft Fragen auf und genau das wollte der Künstler provozieren.  Unter dem Titel „Weiße Zeit“ klingt auch an, wie sich die Effizienz im Roboterbau auf alle Bereiche des menschlichen Lebens ausbreitet.

Längst hat der Roboter auch die Kunst erreicht. Welche Rolle spielt er darin? Ist er mehr als ein Statist und ein Erfüllungsgehilfe? Mausert er sich gar zum Darsteller und Drahtzieher? Hier ist ein lebendiges Beispiel dafür, wie er die Gestaltung von Zeit und Raum übernimmt.

Als die Idee der Roboterkunst im Rahmen des Projekts „Drehmoment“ der Kulturregion vor einigen Monaten an Dürr herangetragen wurde, musste Dr. Hans Schumacher, Vorstandsmitglied der Dürr Systems AG, nicht lange überlegen: „Es war klar, dass wir den Künstler unterstützen und ihm die Roboter und unser Gebäude zur Verfügung stellen. Sein Werk nutzt die Beweglichkeit und Dynamik der Roboter in beeindruckender Weise.“

Lichtkünstler im Gespräch

Im Nachklang zu der Ausstellung „Drehmoment“ in der Städtischen Galerie findet am Donnerstag, 18. Oktober, um 19 Uhr eine Veranstaltung im Foyer der Dürr AG, Carl-Benz-Straße 34, in Bissingen statt: ein Künstlergespräch mit dem beteiligten Stuttgarter Lichtkünstler Joachim Fleischer. Eine Anmeldung ist nicht nötig, die Veranstaltung ist kostenlos.

Joachim Fleischer realisierte laut einer Mitteilung zahlreiche Kunst-am-Bau-Projekte und Lichtinstallationen im öffentlichen und musealen Raum. Seit 1996 verwendet er Industrieroboter, mit denen er Lampen in nahezu beliebiger Bewegungsvielfalt durch den Raum führen kann. Nun arbeitete er für „Drehmoment“ mit der Bietigheimer Dürr AG zusammen. bz

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