Im Frühjahr wurde das zweistufige Wettbewerbsverfahren für eine Neubebauung einer rund 8 Hektar großen Fläche des ehemaligen DLW-Areals in Bietigheim-Bissingen gestartet, jetzt steht das Ergebnis fest. Das Preisgericht hat das Hamburger Büro „gmp international“ zum Sieger gekürt. Der Siegerentwurf sowie die weiteren fünf Wettbewerbsentwürfe, darunter zwei gleichrangig auf dem zweiten und dritten Platz, wurden am Mittwoch in den Marktplatz Arkaden präsentiert.

Wie Andrea Schwarz, die Leiterin des Stadtplanungsamtes, sagte, seien alle sechs Entwürfe von hoher Qualität. Der Siegerentwurf setzt nach den Worten von Architekt Dirk Heller auf eine Abschirmung vor Lärm von B 27 und Gleisen durch eine Riegelbebauung, hinter der Punkthäuser vorgesehen sind. Erstere sei für Gewerbe gedacht, die Punkthäuser für „besonderes Wohnen“. Das konventionelle Wohnen spielt sich in der Mitte des Areals ab. Auch Studentenwohnungen sind geplant. Ein Vorzug seines Entwurfs sei, dass das Gelände in Phasen entwickelt werden könne, sagte Heller. Er schlug vor, am ehemaligen DLW-Verwaltungsgebäude, das erhalten werden soll, zu beginnen.

Das Preisgericht hob in seiner Bewertung hervor, dass sich die Arbeit durch die Vielfalt der angebotenen Raumtypen für Wohnen, Arbeiten, Gewerbe und notwendiger Infrastruktur auszeichne, „ohne seine stadträumlichen Qualitäten zu verlieren“. Auch die vorgesehenen Innenhöfe fanden Anklang. Das vorgeschlagene Erschließungs- und Mobilitätskonzept sieht eine Ringstraße im Quartier vor, mit Anbindung im Süden an die Stuttgarter Straße. Die Ringstraße überzeugte gegenüber Erschließungskonzepten anderer Büros im Osten entlang der Bahnlinie. Dadurch werde mit nur einer Straße alles erschlossen, sagte Bürgermeister Joachim Kölz. Es bestehe zudem die Option einer Anbindung im Norden und in Richtung Poststräßle.

Das Parkkonzept sieht auch zwei oberirdische Parkhäuser vor. Die „Quartiersgaragen“ seien „richtig positioniert“, befand die Jury, zusammen mit den darüber hinaus vorgeschlagenen Tiefgaragen sei das Parkangebot für den jetzt  prognostizierten Bedarf ausreichend. Sollte sich der Bedarf verringern, könnten die Parkhäuser umgenutzt werden.

Noch zu „autolastig“

Allerdings gab Andrea Schwarz dem Siegerbüro noch einige Hausaufgaben zum Nacharbeiten auf den Weg. Auf Kritik sei in der Jury die gestalterische Ausprägung der Ringstraße als klassische 6,50 Meter breite Straße mit beidseitigen Parkstreifen gestoßen. Die Straße solle „nicht so stark autolastig“ sein, sagte die Planungsamtschefin. Weiterhin fand das Gremium eine Fußgängerbrücke zum Bahnhof besser, der Entwurf sieht eine Unterführung vor.

Im Süden wünscht man sich einen markanteren Anfang, einen „Schlag auf die Pauke“, wie es Schwarz ausdrückte. Und: Die zentrale grüne Erschließungsachse mit dem Quartiersplatz wirke zu schmal.

Für Architekt Dirk Heller sind solche Überarbeitungswünsche „ganz normale Prozesse“. Viele planerische Entscheidungen, wie etwa die Frage ob Brücke oder Unterführung, könnten so oder so getroffen werden, sagte er auf Anfrage. Die Jury-Anmerkungen würden nun in den Entwurf eingearbeitet.

Der weitere Fahrplan fürs Bogenviertel


Der Gemeinderat von Bietigheim-Bissingen werde sich nun in einer seiner nächsten Sitzungen mit der Aufstellung eines Bebauungsplans auf der Grundlage der Arbeit des Siegerentwurfs von „gmp international“ beschäftigen, kündigte Oberbürgermeister Jürgen Kessing an. Ab 2020 solle mit dem Abbruch und der anschließenden Neubebauung begonnen werden.

Eine Mischung von Gewerbe und Wohnen im Verhältnis 50:50 ist im neuen Bogenviertel vorgesehen, mit einer Abweichung von plus/minus 10 Prozent. Rund 1500 Bürger sollen hier einmal eine Heimat finden. Zu den Rahmenbedingungen gehöre eine Reduzierung des Verkehrs dort um 30 Prozent, sagte Kessing, was angesichts der Bahnhofsnähe keine unlösbare Aufgabe sein könne. Angestrebt werde eine Beteiligung mit dem Bauprojekt an der Internationalen Bauausstellung (IBA) 2027 in Stuttgart.

25 Büros hatten sich an dem europaweiten Wettbewerb beteiligt, in dem die Stadt Bietigheim-Bissingen gemeinsam mit der Unternehmensgruppe Oswa aus Ingersheim Lösungen für die künftige Bebauung des früheren DLW-Geländes gesucht hat. In der ersten Phase waren im Frühjahr sechs Büros ausgewählt worden, am 7. November bestimmte die Jury den Siegerentwurf des Büros „gmp international“ aus Hamburg. Dieses arbeitete mit dem Landschaftsarchitekturbüro WES und den Verkehrsplanern Argus, beide ebenfalls aus Hamburg, zusammen.

Die Ausstellung der Wettbewerbsarbeiten ist in den Marktplatz Arkaden bis 28. November zu sehen. Öffnungszeiten: täglich von 7 bis 21 Uhr, sonntags von 10 bis 18 Uhr. Die Pläne und die Beurteilungen der Jury sind auch online zu finden. Bürgermeister Kölz wies bei der Eröffnung darauf hin, dass sich die Bürger beim Bebauungsplanverfahren auch weiterhin mit Vorschlägen einbringen können. Bis jetzt schon seien viele Ideen in die Entwürfe eingeflossen. Er appellierte: „Bitte nutzen Sie diese Chance auch weiterhin.“ um
www.bogenviertel.de