Bauarbeiten Preissteigerung sorgt für Unmut

Der Neubau an der Bietigheimer Hillerschule wird wesentlich teurer als gedacht.
Der Neubau an der Bietigheimer Hillerschule wird wesentlich teurer als gedacht. © Foto: Martin Kalb
Bietigheim-Bissingen / Uwe Mollenkopf 19.07.2018

Der Neubau an der Hillerschule als Ersatz für die abgerissene marode Gymnastikhalle und mit weiteren Flächen für die Ganztagsbetreuung im 2. Obergeschoss steht bisher unter keinem guten Stern. Es gibt Verzögerungen, von der Stadt mit dem Wechsel des Tragwerkplaners begründet, und nun auch noch höhere Kosten. Der Gemeinderat hatte am Dienstag über die Vergabe der Erd- und Rohbauarbeiten an die Firma Grötz aus Nürtingen zum Preis von 2,9 Millionen Euro zu entscheiden, ein Betrag, der um 29 Prozent über der Kostenschätzung vom August 2017 liegt. Im Gremium hagelte es deshalb Kritik in Richtung Verwaltung. So weit wie die FDP, die die Ausschreibung aufheben wollte, wollte die Mehrheit am Ende dann aber doch nicht gehen.

Es herrsche „tiefe Verärgerung über die Planung“, erklärte Stadtrat Günter Krähling für die SPD. Wenn es so weitergehe, werde die Erweiterung, die bei der Haushaltseinbringung 2017 noch mit 7,15 Millionen Euro beziffert war, eher 7,8 Millionen Euro kosten. Die Verwaltung solle darauf achten, dass 7,5 Millionen Euro nicht überschritten würden, forderte Krähling. Die SPD-Fraktion werde der Vergabe aber „notgedrungen zustimmen“.

Wiesbauer sieht ein Debakel

CDU-Fraktionschef Thomas Wiesbauer sprach angesichts der Preiserhöhung von fast 30 Prozent von einem „Debakel“. Er werde zudem häufig danach gefragt, wann es mit der Hillerschule weitergehe. „Mit gutem Gewissen kann man dem nicht zustimmen“, so Wiesbauer. Die CDU forderte eine Erklärung.

Der Erste Bürgermeister Joachim Kölz hatte, wie er sagte, „schon mit solchen Reaktionen gerechnet“. „Wir sind auch nicht erfreut“, erklärte er. Es sei eben auch die klassische Art des Baus, sagte Kölz: Es gebe einen Wettbewerb, den gewinne ein Architekt und dann werde ein Planer beauftragt. „Das war auch ihr Beschluss“, richtete er das Wort an die Gemeinderäte. Wie es mit einem Generalplaner funktioniere, werde die Verwaltung und das Gremium bei anderen Projekten sehen. Doch generell laufe eine solche Planung ja nicht immer aus dem Ruder. Die Ausschreibung sei jetzt mit 29 Prozent extrem hoch, räumte Kölz ein. Doch: „Wir wollten keinen weiteren Zeitverlust.“ Es habe bei den Gewerken wenige Angebote gegeben, und diese lagen im oberen Segment.

Weitere Ausschreibungen laufen bereits, berichtete Kölz. Beispielsweise für die technische Gebäudeausstattung. Da liege die Verwaltung im Kostenrahmen. Allerdings gebe es noch keine finalen Berechnungen. Damit seien dann rund 60 Prozent der Gewerke vergeben.

Götz Noller (FDP) hatte schon zu Beginn gewarnt, dass die Ausschreibung der Rohbauarbeiten zu spät vonstattengehe. Diese hätten schon im März beginnen müssen. Eigentlich sollten vor Baubeginn 80 Prozent der Ausschreibungen vergeben sein, erklärte er und warnte: „Die Kosten werden weiter nach oben galoppieren. Ich erwarte Baukosten von zehn Millionen Euro.“ Auch die Begründung der Kostensteigerung aufgrund des hohen Stahlpreises sei nicht zufriedenstellend, so Noller. Er bemängelte zudem, dass die Stadt bei einer Bauverzögerung von sechs Monaten liege und fragte sich, wie sie den Fertigstellungstermin (September 2019) noch einhalten wolle. Die FDP stimmte deshalb der Vergabe nicht zu und forderte neue Ausschreibungen.

Nicht nur Stahlpreise schuld

Kölz erwiderte, dass der Grund für die Erhöhung nicht nur die Stahlkosten seien. Unter anderem seien die Elektro- und Einlegearbeiten um 40 000 Euro teurer, die Sanitärarbeiten sowie Schachtarbeiten um 60 000 Euro. Er habe fast schon Mitleid mit Kölz, sagte Axel Westram (CDU), denn eigentlich sollte der Architekt hier sitzen, die Fragen beantworten und das Ganze detailliert erläutern.

Oberbürgermeister Jürgen Kessing erklärte, es dränge sich der Verdacht auf, dass die Kostenschätzung nicht richtig gewesen sei und die Räte eine Prüfung beziehungsweise einen Baukontrolleur wollten. Wiesbauer hielt das für einen guten Vorschlag und verlangte, dass die Planer im Gremium erscheinen sollten.

Bei der Abstimmung über den FDP-Antrag, die Ausschreibung aufzuheben, war entscheidend, dass das den Neubau noch weiter verzögert hätte. Jürgen Weller (CDU) sagte: „Wenn wir jetzt die Arbeiten nicht vergeben, tun wir den Schülern, den Lehrern und der Schule keinen Gefallen.“ Auf die Frage von Andreas Unkel (FW), wie lange die Arbeiten verzögert werden würden, wenn man neu ausschreibe, wurden innerhalb der Gemeinderäte Stimmen laut, die von rund einem Jahr sprachen. Vor diesem Hintergrund blieb die FDP mit ihrem Antrag ohne weitere Unterstützung. Eine deutliche Mehrheit mit zwei Gegenstimmen (der FDP) und einer Enthaltung beschloss schließlich die Vergabe an die Nürtinger Firma.

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