Das Format der Bürgerinformationen in Bietigheim-Bissingen hat sich mittlerweile etabliert: Nach einer kurzen Vorstellung der Pläne durch Stadt und Büros können die Bürger an den aufgestellten Stellwänden mit den Planern diskutieren und ihre Wünsche, Anregungen und Kritikpunkte äußern. Das Gesagte wird stichwortartig auf Klebezetteln festgehalten. Nach diesem Muster ging am Mittwochabend auch die jüngste Infoveranstaltung zum Bogenviertel über die Bühne. Es ist inklusive Bähnlestag mittlerweile die vierte.

Nicht jeder Vorschlag seitens der Bürger wird dabei auch in den Planungen berücksichtigt – was zu Frust führen kann. Diesen Sachverhalt sprach Oberbürgermeister Jürgen Kessing in seiner Einführungsrede an, in der er vor einer zu hohen Erwartungshaltung warnte. „Anhören heißt nicht gleich erhören“, sagte Kessing. Er forderte die Teilnehmer auf, nicht böse zu sein, wenn eine Idee keine Berücksichtigung finde. Und: „Am Ende entscheidet der Gemeinderat“, stellte der Oberbürgermeister klar. Zugleich ermutigte er die Bürger aber auch, sich einzubringen: Einige Ideen seien bereits in die Planungen eingeflossen.

Kessing wies zudem darauf hin, dass die aktuellen Pläne immer noch einen Zwischenstand darstellten. Das Bebauungsplanverfahren für das 8,5 Hektar große Bogenviertel, das frühere DLW-Areal, habe begonnen, im Rahmen dieses Verfahrens befinde man sich jetzt in der Phase der frühzeitigen Bürgerbeteiligung.

Was sich in den Plänen gegenüber dem Stand vom November 2018, als das Büro gmp als der Sieger eines zweistufigen städtebaulichen Wettbewerbs gekürt wurde, geändert hat, stellte Architekt Dirk Heller von dem Hamburger Büro vor. Man habe die von der Jury geäußerten Kritikpunkte inzwischen berücksichtigt, so der Planer. So sei der Platz in der Mitte des Gebiets etwa aufgeweitet worden. Im Süden des Areals, gegenüber dem Bahnhof, gibt es jetzt einen kleinen Platz und ein großes, 60 Meter hohes Hochhaus. „Das betont den Eingang“, so Heller. Auch ein Hotel können sich die Planer neben dem Hochhaus vorstellen.

Brücke statt Unterführung

Eine weitere „Hausaufgabe“ für das Büro betraf die Gestaltung der Ringstraße in dem Quartier, die der Jury zu autolastig war. Heller und sein Team haben deshalb nun differenziert: Nur auf der Ostseite, wo sich die Parkhäuser befinden, ist die Straße 6,50 Meter breit, ansonsten hat die Ringstraße nur noch eine Breite von 4,75 Meter. Ganz innen sollen die Wege den Fußgängern und Radfahrern vorbehalten sein, nur in Ausnahmefälle, zum Beispiel für Gehbehinderte, sollen hier Autos fahren. Als Fußgängerverbindung zum Bahnhof ist jetzt eine Brücke statt einer Unterführung vorgesehen.

Den allgemeinen Ausführungen folgten rege Diskussionen vor den Stellwänden, unterteilt nach Stadt-, Freiraum- und Verkehrsplanung. Bald füllten sich diese mit Zetteln, welche die Bürgerwünsche enthielten.

Bezüglich des Verkehrs wurde etwa auf den Konflikt der Planung mit einem etwaigen Ausbau des ZOB hingewiesen, ein Anliegen, das dem Verein „Barrierefreie Stadt Bietigheim-Bissingen“ unter den Nägeln brennt (die BZ berichtete). Auch eine Umleitung der B 27 entlang des Bahnbogens tauchte dort auf, ein alter Wunsch, den sich auch eine neue Wahlliste auf die Fahnen geschrieben hat. Laut Bürgermeister Joachim Kölz allerdings ein unrealistischer Vorschlag. So habe weder der benachbarte „Bigpark“ noch der für die Bundesstraße zuständige Bund ein Interesse an einer solchen Lösung. Letzterer würde nicht für die Verlegung einer funktionierenden Straße zahlen.

Weitere Anregungen waren untere anderem mehr Stellplätze, eine Unterführung für die Stuttgarter Straße oder eine bessere ÖPNV-Taktung. Das Hochhaus stieß auf gegensätzliche Meinungen: In einem Beitrag wurde gelobt, dass es für einen Wiedererkennungswert sorge, in einem anderen Beitrag hieß es, es zerstöre das urbane Flair. Ein Bürger regte den Bau von mehrgeschossigen Holzbauten an, ein anderer hätte lieber einen großen, zentralen Spielplatz, statt mehrerer kleiner.

Wer nicht dabei war, kann die Pläne noch bis 18. April im Bissinger Rathaus oder online einsehen. Nach dieser Phase der frühzeitigen Bürgerbeteiligung beginnt dann die Detailplanung zum Bebauungsplan.