Seit 30 Jahren besteht die Partnerschaft zwischen Szekszárd in Südungarn und Bietigheim-Bissingen – und sie soll auch mindestens noch ebenso lange erfolgreich fortgesetzt werden. So heißt es in einer Mitteilung der Stadtverwaltung zur Begegnung zwischen Vertretern beider Städte in Ungarn. Eine Delegation des Bietigheim-Bissinger Gemeinderats, unterstützt von Vertretern der Schulen und Vereine, sowie OB Jürgen Kessing, waren zur Bekräftigung der Partnerschaft am vergangenen Wochenende nach Ungarn gefahren.

Bürgermeister knapp bestätigt

Dort waren allerdings die Kommunalwahlen noch nicht ganz abgeschlossen, die im Oktober stattfanden. Bei diesen Wahlen wurde der bisherige Bürgermeister Reszö Ács mit knapper Mehrheit im Amt bestätigt, seine Fraktion Fidesz, die bisher mit großer Mehrheit die Kommunalpolitik im Gemeinderat bestimmte, konnte jedoch keine Mehrheit mehr erringen. Ein neuer Verein, der die bisherigen diversen Oppositionsparteien vereinigte und unter dem Namen „Es lebe Szekszard“ angetreten war, hat acht der 15 Sitze im Gemeinderat gewonnen. Es gab danach Einsprüche gegen das Wahlgeschehen, denen für zwei Wahlbezirke der Stadt stattgegeben wurde. So musste am Sonntag, 10. November, nachgewählt werden, und die Einsetzung des neuen Gemeinderats verzögert sich. Bei der Nachwahl wurden die bisher gewählten Kandidaten des neuen Vereins mit deutlicher Mehrheit bestätigt, sodass die Mehrheitsverhältnisse zugunsten des Vereins „Es lebe Szekszard“ mit acht Sitzen und sieben Sitzen für Fidesz – inklusive des Bürgermeisters – Bestand haben. Der neue Gemeinderat soll nun im Laufe der nächsten Wochen eingesetzt werden.

Aufgrund der offenen kommunalpolitischen Situation wurde kein offizieller Festakt zur Bekräftigung der Städtepartnerschaft durchgeführt. Gleichwohl erklärte Bürgermeister Reszö Ács seine Bereitschaft und das Festhalten an den guten Beziehungen. Im nächsten Jahr kann dies auch mit einem Festakt besiegelt werden.

Umso erfolgreicher verliefen die Gespräche der Delegationsteilnehmer mit verschiedenen Vereinen und Institutionen, die die Städtepartnerschaft tragen. Josef Theiss von der Katholischen Kirche Zum Guten Hirten in Bissingen überbrachte eine Spende der Kirchengemeinde in Höhe von 3000 Euro für die Katholische Kirchengemeinde in Szekszárd, die zur Renovierung der Johannes- und Paulus-Kapelle verwendet werden soll, und vereinbarte weitere Besuchsprogramme. Die Vertreter der Gymnasien, Matthias Helmle und Rudolf Hartmann, konnten in Gesprächen mit der Leiterin des Garay Gymnasiums ebenfalls eine Fortsetzung des Schüleraustauschs vorbereiten. Auch Jürgen Ruof von der Handballabteilung des TSV Bietigheim und Hedwig Palatinus von der Behinderten- und Rehabilitationsgemeinschaft freuten sich über die lebendigen freundschaftlichen Bande zu den ungarischen Vereinen.

Die Vertreter der Stadtverwaltung warben für eine Beteiligung von Jugendlichen aus Szekszárd an einem internationalen Workshop 2020 in Bietigheim-Bissingen, der sich in Planung befindet und stießen ebenfalls auf offene Ohren. Auch die Kontakte zur Deutschen Minderheitenselbstverwaltung in Szekszárd, die eine Deutsche Schule und einen Deutschen Kindergarten in der Stadt betreiben, wurden weiter vertieft.

Spenden für Bedürftige

Einen persönlichen Dank stattete OB Jürgen Kessing dem Inhaber des Transportunternehmens SióTrans, Zoltán Horváth, ab, welches sich seit vielen Jahren großzügig dazu bereit erklärt, die Spendensammlung von Bürgern aus Bietigheim-Bissingen zum Selbstkostenpreis nach Szekszárd zu fahren. Auch in diesem Jahr verließ ein 7,5-Tonner erst vor wenigen Tagen die Enzstadt, randvoll gefüllt mit rund 400 Kartons Kleidung, Schuhen, Haushaltsartikeln, Bettwäsche, Handtüchern, Spielsachen, Büchern, Brillen sowie Betten und Matratzen für das dortige Krankenhaus, teilt die Stadtverwaltung von Bietigheim-Bissingen mit. Die Spenden werden vom Großfamilienpflegeverein im Auftrag der Stadt Szekszárd an bedürftige Familien verteilt.

Info Die Städtepartnerschaft zwischen Szekszárd und Bietigheim-Bissingen wurde im Jahr 1989, nach Aufnahme erster persönlicher Beziehungen zwischen früheren Bewohnern der dortigen Region, die in Bietigheim-Bissingen eine neue Heimat gefunden haben, und den dortigen Ungarndeutschen im Jahr zuvor. Ein dichtes Netz von persönlichen Verbindungen ist seither entstanden, zwischen Schülern, Senioren, Verbänden, Sportlern und Freizeitgruppen beider Städte. Im März 2019 begingen Vertreter des Gemeinderats von Bietigheim-Bissingen mit einer Delegation aus Szekszárd das Jubiläum im Kronenzentrum.