Das Jahr 2020 beginnt in Bietigheim-Bissingen mit einer Offerte der Stadt und des städtischen Busunternehmens Spillmann: Am 1. Januar ist das Busfahren umsonst, wie Oberbürgermeister Jürgen Kessing in der letzten Sitzung des Gemeinderats in diesem Jahr am Dienstag ankündigte. Der Grund: Die Bürger sollen an diesem Tag die neuen ÖPNV-Strukturen, die ab dem kommenden Jahr gelten und für die das Gremium einstimmig grünes Licht gab, ausgiebig testen können.

Wie berichtet mündete die europaweite Ausschreibung für das sogenannte Linienbündel 5 im Verkehrsraum Bietigheim in eine Direktvergabe an Spillmann, weil es sonst keine Bewerbungen gab. Die Vergabe sei von zentraler Bedeutung, um den Verkehr in der Stadt zu verringern, sagte Bürgermeister Joachim Kölz. Denn: Damit seien auch deutliche Taktverbesserungen verbunden. So wird es einen 15-Minuten-Takt geben, mit dem eine reibungslose Anbindung an die S-Bahn in Richtung Stuttgart erfolgen soll, die dann ebenfalls im 15-Minuten-Takt verkehrt. Außerdem wird das Fahrplanangebot auf vielen Strecken ausgeweitet. „Wir schaffen auch die Ringlinie ab“, erklärte Kölz. Die Verbindungen sollen direkter werden.

Wie Kölz weiter erläuterte, umfasst der innerstädtische Busverkehr in Bietigheim-Bissingen jetzt insgesamt rund 1,67 Millionen Fahrplankilometer. Durch die neue Taktung und den neuen Linienplan seien darin jährliche Zubestellungen in Höhe von rund 211 000 Fahrplankilometern enthalten. Finanziert werden die Kosten zum einen durch den Landkreis, der beim Basisangebot 3,67 Euro pro Fahrplankilometer beisteuert, zum anderen durch die Stadt, die 0,32 Euro pro Kilometer dazugibt. Das Zusatzangebot tragen Kreis und Stadt zu gleichen Teilen.

Kosten: 922 000 Euro

Im Ergebnis entstehen für die Stadt unter dem Strich Kosten von knapp 922 000 Euro. Bislang lagen diese laut Kölz bei  800 000 Euro, ein Betrag, der sich aus 550 000 Euro für Fahrleistungen und 250 000 Euro für den Verlustausgleich bei Spillmann zusammensetzt.

Weitere Kosten von 124 000 Euro im ersten Jahr kommen nach Aussage des Bürgermeisters durch die Einführung des 3-Euro-Stadttickets ab 1. April auf die Stadt zu. Vom VVS habe man dafür schon eine Zusage, sagte Oberbürgermeister Jürgen Kessing in der Sitzung.

Albrecht Kurz (GAL) sah durch die Maßnahmen alte Forderungen seiner Fraktion nach Taktverbesserungen und einem verbilligten Ticket erfüllt. Die GAL habe das schon in den 1980er-Jahren gefordert. Der 15-Minuten-Takt bringe mehr Verbindungen, die Wartezeiten würden verkürzt, was ein großer Vorteil sei. Kurz lobte auch die bessere Anbindung des Gebiets Laiern und die Verbesserung der Verbindung zwischen Bietigheim und Bissingen – auch wenn es noch nicht optimal sei. Wünschenswert sei eine Ausweitung, zum Beispiel ins Gebiet Ahlesbrunnen und auf die Lug, ebenso die Einrichtung von Busspuren. Er wies auf laufende Verhandlungen mit Löchgau hin. Kurz war sich allerdings bewusst, dass sich für eine Busspur auf der B 27 keine Mehrheit im Gremium finden werde.

GAL hat weitere Wünsche

Der GAL-Stadtrat äußerte die Befürchtung, dass der Busverkehr trotz der Veränderungen nicht so angenommen werde, „wie wir es uns wünschen“. Nötig wäre an weiteren Stellschrauben zu drehen, um den motorisierten Individualverkehr etwas einzuschränken. So hatte die GAL Parkgebühren gefordert, war damit aber nicht durchgekommen.

Thomas Reusch-Frey (SPD) sagte, der Busverkehr sei bei Spillmann in guten Händen. Man sei auch bereit, die Mehrkosten des neuen Konzepts zu tragen. Der SPD-Sprecher erkundigte sich in diesem Zusammenhang nach dem Lärmaktionsplan, der Temporeduzierungen vorsieht. Seien diese im neuen Fahrplan schon berücksichtigt, wollte Reusch-Frey wissen. In seiner Antwort erklärte OB Kessing, der Lärmaktionsplan liege immer noch zur Prüfung beim Regierungspräsidium. Wenn er in Kraft trete, müsse der Fahrplan von Spillmann angepasst werden.

Aus Sicht von Thomas Wiesbauer, Fraktionschef der CDU, ist das neue ÖPNV-Konzept ein gutes Angebot. Es sei ein erster Baustein, um den Verkehr in der Stadt zu verflüssigen.