Bei der offiziellen Bewerbervorstellung zur OB-Wahl in Bietigheim-Bissingen haben sich Amtsinhaber Jürgen Kessing (SPD) und Herausforderer Stephan Muck (FW) ein Duell um die Gunst der Wähler geliefert. Wahlleiter Joachim Kölz begrüßte in dem zu drei Viertel gefüllten großen Saal im Kronenzentrum am Montagabend die Bürger. „Ich freue mich, dass es doch so gut gefüllt ist“, sagte Kölz und erläuterte dann ein paar Formalien zur Wahl insgesamt und zum Programm des Abends. Er ging auch auf den dritten Bewerber, Günther Kirchknopf, ein, der nicht neben Kessing und Muck auf der Bühne Platz nahm, weil er seine Kandidatur zurückgezogen hatte. Weil er dies allerdings zu spät getan habe, so Kölz, bleibe er auf den Wahlzetteln stehen.

Die Vorstellungsrunde

Zu Beginn hatte jeder Bewerber 20 Minuten Zeit, sich vorzustellen und seine Ideen zu skizzieren. Kessing machte den Anfang, er hatte seine Bewerbung als Erster eingereicht. Gewohnt gekonnt zeigte sich der Oberbürgermeister als guter Redner, auch wenn er wohl kaum vom vorformulierten Redemanuskript abwich. Kessing stellte die gute finanzielle und wirtschaftliche Situation der Stadt dar. Nach 16 Jahren sei aber immer noch etwas zu tun.

Seine Art bezeichnete als Politik der ruhigen Hand, was nicht gleichbedeutend mit Stillstand sei. Als OB müsse man Ahnung haben und dürfe sich angesichts eines Haushalts von gut 130 Millionen und Verantwortlicher für die städtischen Unternehmen eben nicht nur auf Geschäftsführer und Abteilungsleiter verlassen. „Lassen Sie uns das nicht aufs Spiel setzen“, sagte er zum Erfolg der Stadt. Kessing ging auch auf Mucks Kritik, sein Ehrenamt als Präsident des Deutschen Leichtathletikverbands koste zu viel Zeit, ein. Er habe in den zweieinhalb Jahren bislang keinen wichtigen Termin versäumt und delegiere viel an die Vizepräsidenten.

Der Herausforderer bemühte in seiner Rede das Bild vom jungen Fußballer, der für seinen Heimatverein im Bundesliga-Spitzenspiel auflaufen dürfe. So fühle er sich im Wahlkampf. Ab und an verhaspelte er sich in seiner Rede, die er dennoch über weite Strecken lebhaft vortrug. Mit 50 Jahren sei er im besten Alter OB zu werden. Ein Winzer als OB sei schon deshalb gut, weil OB-Amt und Weinbau seit 1550 eng verbunden seien in Bietigheim. Seither trage der OB nämlich jährlich ins Weinkataster ein.

Muck erklärte, er kenne sich aus im Haushalt, und nannte die genaue Summe des städtischen Zahlenwerks zum Beweis. Er wolle erreichen, dass die Verwaltung an einem Strang ziehe. Als Unternehmer habe außerdem Erfahrung auf vielen Bereichen und in der Mitarbeiterführung. Zum Hallenbad Bissingen erklärte er erneut, dass er sich auf dem Standort den Neubau einer Gemeindehalle vorstellen könne. Es müsse nicht alles in Bietigheim stattfinden. Kessing hatte dargestellt, dass man nicht für jeden Stadtteil ein eigenes Bad bereitstellen könne, aber als Gesamtstadt mehr anbiete als die meisten anderen Kommunen.

Die Fragerunde

Für Aufregung sorgte gleich zu Beginn der auf 45 Minuten festgelegten Fragerunde der Bürger Kirchknopf. Der Ex-Kandidat ergriff das Wort und erntete zunächst Gelächter. „Auch ein Rücktritt vom Rücktritt ist möglich“, erklärte er und bekam dafür wütende Rufe aus dem Publikum. Danach folgte eine Reihe ernsthafter Fragen. Beide Kandidaten machten dabei eine gute Figur und ernteten einige Male Applaus für ihre Antworten. Kessing punktete mit Detailwissen, etwa beim Windrad-Standort oder zur Ortsumfahrung – „das würde einen dreistelligen Millionenbetrag kosten“.

Der Amtsinhaber konnte sich aber Spitzen gegen Muck und teilweise auch gegen die Fragesteller nicht verkneifen. Sinngemäß erklärte er auf Kritik an seinem DLV-Amt, dass es das Problem von Muck sei, wenn er das nicht vereinbaren könnte. Ihm selbst gelinge es. Auf eine Frage zu mehr Jugendbeteiligung sagte Kessing, dass zunächst die Eltern für ihre Kinder mitentscheiden würden, und fügte sinngemäß die Gegenfrage an den Fragenden an, ob er denn seine Eltern etwa schon als Säugling wegen politischer Mitbestimmung seine Eltern drangsaliert habe. Ernster war es Kessing aber mit der Ankündigung, künftig für Jugendliche eigene Gesprächsangebote zu planen.

Auch Muck wusste zu überzeugen. Unter anderem gab es Applaus für seinen Vorschlag endlich die Umfahrung anzugehen. Das dauere zwar und am Ende müssten die Bürger mitentscheiden, aber das hätte man schon vor etlichen Jahren angehen sollen. Er musste sich wegen der DLV-Kritik auch den Vorwurf gefallen lassen, das Ehrenamt nicht genug zu würdigen, was er entschieden zurückwies.

Das Schlusswort

Drei Minuten hatten beiden Kandidaten am Ende, um nochmal für sich zu werben. Beide warben dafür zur Wahl zu gehen und für ein eindeutiges Ergebnis zu sorgen. Muck sagte, ein Ziel sei ihm schon damit geglückt, das zur Kandidatenvorstellung deutlich mehr Menschen gekommen seien als vor acht Jahren.