Die Wahl zum Oberbürgermeister in Bietigheim-Bissingen am 8. März wird doch noch zum Wahlkampf: Neben Amtsinhaber Jürgen Kessing bewirbt sich Stephan Muck, 49-jähriger Stadtrat der Freien Wähler und Wengerter, für das höchste Amt der Stadt. Seine Kandidatur hat er am Mittwoch eingereicht, wie er auf BZ-Nachfrage sagt. Das bestätigt auch die Stadt.

Muck, aufgewachsen in Bietigheim-Bissingen, verheiratet, ist in der Stadt bekannt. Nach seinem Abitur machte er eine Winzerlehre, eröffnete 1995 den „Besa em Städtle“ in der Bietigheimer Altstadt. Zwischenzeitlich zeichnete er zudem für diverse Gastronomie-Betriebe in der Stadt verantwortlich.

Weshalb er sich bewirbt? Immer wieder sei er auch in der Vergangenheit im Bekanntenkreis angesprochen worden, ob er sich das Amt nicht zutrauen würde, sagt Muck, der seit gut 20 Jahren im Gemeinderat, anfangs für die GAL, sitzt. Außerdem betont er: „Ich finde es nicht gut, wenn es keinen Gegenkandidaten gibt.“

Als Protestkandidat will er sich aber keineswegs verstanden wissen. „Das Ziel sind 51 Prozent“, sagt er klipp und klar. Und: „Wenn es klappt, mache ich nicht noch nebenher Weinbau“, setzt er einen Seitenhieb in Richtung Kessing, der auch Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbands ist. Sollte es nicht zum OB-Amt reichen, hofft Muck wenigstens auf ein starkes Ergebnis und „dass Jürgen Kessing das wahrnimmt und etwas von meinem Programm aufnimmt“.

Zentrale Themen seiner Kampagne sind Verkehr sowie Wohn- und Gewerbebau. „Die Verkehrssituation ist verheerend, es wird immer enger hier, die Ortsränder wachsen zusammen“, klagt Muck. „Ich setze vorrangig auf den ÖPNV, weniger auf die Umgehungsstraße“, kündigt er an. Auch der Flächenverbrauch ist ein zentrales Thema. So stehe er einer weiteren Erweiterung des Gewerbeparks Eichwald kritisch gegenüber, bei der Erweiterung Laiern sei er sogar „komplett dagegen“, auch wegen der Verkehrssituation. Um Lösungen zu finden, müsse man „ganz neu denken“.

Laut Muck, seit 2012 Vorsitzender des Bietigheimer Ortsverbands der Freien Wähler, stehen die Freien Wähler hinter seiner Kandidatur. Dass ihm die Verwaltungserfahrung fehlt, sieht er nicht als Problem. In den Themen sei er als Stadtrat drin. Und aus Verwaltungskreisen sei ihm bestätigt worden, dass in der Bietigheimer Verwaltung die entsprechende Expertise vorhanden sei. Muck meint zudem: „Es ist doch gut, wenn auch mal eine andere Sichtweise ins Rathaus einzieht.“

Mit dem CDU-Stadtverband offiziell habe Muck noch nicht gesprochen, sagt der Vorsitzende Michael Jacobi, aber gehört habe man von der Bewerbung bereits. Grundsätzlich sei es begrüßenswert, dass sich ein zweiter Kandidat bewerbe und auch jemand der dies ernsthaft betreibe. Muck habe viel kommunalpolitische Erfahrung, so Jacobi. Man sei nun gespannt, was er als OB vorhabe. Die beiden möglichen Kandidaten mit denen die Partei in den vergangenen Wochen gesprochen habe, hätten sich nun doch gegen eine Kandidatur entschieden. „Wir warten jetzt mal ab, was noch bis zum Bewerbungsschluss passiert“, so Jacobi weiter.

Marcel Hoffmann, Sprecher des Grünen Ortsverbands, hat von der BZ über die Kandidatur Mucks erfahren. Bisher sei die Lage so gewesen, dass die Grünen keine Wahlempfehlung für Kessing aussprechen wollten. Auch einen eigenen Kandidaten aus den Reihen der Grünen gebe es nicht. Nun wolle man sich auch anhören, was Muck vorhabe.

Elmar Schwager, Vorsitzender des -Ortsverbands, erklärt, dass man sich freue, dass es mit Muck nun einen zweiten Kandidaten gebe und die Bürger so eine Wahl hätten. Festlegen auf einen Kandidaten wolle sich der Ortsverband aber nicht, das überlasse man den Bürgern. Kessing selbst will sich laut Sprecherin Anette Hochmuth nicht zum Gegenkandidaten äußern.

Info Stephan Muck startet am Montag, 10. Januar, 19 Uhr, im Kleinkunstkeller in den Wahlkampf. Die Bietigheimer Zeitung veranstaltet am Donnerstag, 13. Februar, 19.30 Uhr, ein Wahlforum im Enzpavillon. Einlass: 18.30 Uhr.

OB-Wahl am 8. März: 34 400 Wahlberechtigte


Laut Anette Hochmuth, Sprecherin der Stadtverwaltung sind 34 400 Menschen bei der Bürgermeisterwahl am 8. März wahlberechtigt. Die Wähler können in 37 Wahllokalen ihre Stimmzettel abgeben. Die Briefwahlstimmzettel werden auf sieben Teams zur Auszählung verteilt. Insgesamt stehen also 44 Wahlbezirke zur Verfügung. Die Bewerbungsfrist für die OB-Wahl endet am Montag, 10. Februar, 18 Uhr. Wer sich bewerben möchte, braucht 50 Unterstützer-Unterschriften. bz