Bietigheim-Bissingen / Yasina Hipp

„Wenn ich OB wäre, dann würde ich in der Stadt…“ unter diesem Motto startete am Samstagmorgen das Gespräch zwischen rund 25 Jugendlichen und Bietigheims Oberbürgermeister Jürgen Kessing. Gleichzeitig war die Veranstaltung auch der Auftakt für den Bietigheimer Tag, seit 98 Jahren organisiert von der Evangelischen Kirche und der SPD. Für das Jahr 2019 war der Leitspruch an diesem Wochenende „Demokratie leben – jetzt erst recht!“.

Treffen im Rathaussaal

Diese Gelegenheit nutzten die Jugendlichen im Rahmen ihres Konfirmationsunterrichtes. Im Rathaussaal, wo sonst die wichtigen kommunalen Entscheidungen getroffen werden, empfingen Bernhard Ritter von der Evangelischen Kirche und Thomas Reusch-Frey als SPD-Vertreter den OB und die Jugendlichen. Zwei besondere Gäste waren Sophie Gburek und Nishara Gardiner. Die beiden Zwölftklässlerinnen vom Ellental-Gymnasium präsentierten ihre Erlebnisse aus dem Projekt „Schule als Staat“, das im Jahr 2017 stattgefunden hatte.

„Die Konfirmanden haben auch noch einige Punkte zusammengetragen, die ihnen an der Stadt gut gefallen“, so Ritter. An erster Stelle stand das rege Vereinsleben der Stadt. Dazu gehöre insgesamt das große Angebot an kulturellen Veranstaltungen, das eben auch die jungen Leute anspreche. Ebenso wie die schöne Altstadt, der Bürgerpark und die Sauberkeit der Stadt.

OB Kessing nahm die positive Rückmeldung zur Kenntnis und wappnete sich dann für die zunächst noch zurückhaltenden Wortmeldungen der jungen Gäste. Der 14-jährige Ruben, von der Waldschule Bietigheim machte den ersten Schritt: „Ich fände es gut, wenn es mehr Vertrauenslehrer an den Schulen geben würde.“ Zum Thema Schule und Lehren kamen nach diesem Eisbrecher dann einige Anregungen. Ein Schulfach zum Umgang mit Computern solle eingeführt werden und die Lehrer sollten im Umgang mit den neuen Techniken geschult werden. OB Kessing ordnete die Meldungen in den Gesamtzusammenhang ein: „Wir als Kommune sind in Sachen Bildung und Schule nur für die Bereitstellung der Hardware, also zum Beispiel der Gebäude zuständig. Die Software, also die Lehrer, ist Aufgabe des Landes.“ Somit seien ihm weitestgehend die Hände gebunden.

Der nächste Block an Fragen war zum Thema Verkehr, zu ÖPNV, der Parkplatzsituation, Fußgängerüberwegen und Radwegen. „Wir sind in einem permanenten Konflikt, wem wir auf der Straße den Vorrang geben, sodass es zu keinen großen Behinderungen kommt“, so der Schultes. An dieser Stelle konnten auch Sophie Gburek und Nishara Gardiner aus ihren Erfahrungen vom Projekt „Schule als Staat“ berichten. „Wir haben bei diesem Mini-Projekt schon gemerkt, wie lange eine Entscheidungsfindung und deren Umsetzung dauern kann, dann kann man sich zirka vorstellen, wie lange das im realen Leben dauert“, so Nishara Gardiner. Abschließend kamen noch Fragen zu Vandalismus, Bürgerbeteiligung und zur Idee von öffentlichen Schließfächern.

Probleme decken sich oft

„Ich finde solche Treffen mit jungen Menschen immer spannend und sehe dann, dass sich deren Probleme oft mit denen der Erwachsenen decken“, so Kessing, „ich bin dafür, das im nächsten Jahr fortzusetzen.“ Mit seinen Antworten weckte der OB das Bewusstsein der Jugendlichen für Vorgänge und Prozesse, die ihnen gar nicht bekannt waren. Er zeigte, dass die Arbeit einer Kommune komplex ist und viel Geduld verlangt. „Wir finden, dass er gut reagiert hat auf unsere Fragen. Manchmal ist er ein kleines bisschen vom Thema abgeschweift“, sagten die 13-jährige Madeleine und die 14-jährige Antonia vom Ellental-Gymnasium, „wir sind jetzt mal gespannt, ob sich etwas verändert.“