Unterricht Noch viel zu tun bei der Digitalisierung

Die Stadt hat eine Erhebung zur Digitalisierung an den Schulen gemacht.  Foto: dpa
Die Stadt hat eine Erhebung zur Digitalisierung an den Schulen gemacht. Foto: dpa © Foto: dpa
Bietigheim-Bissingen / Rena Weiss, Uwe Mollenkopf 29.06.2018

Ein interaktives Whiteboard oder ein großes Touch-Display. So könnte das Klassenzimmer der Zukunft aussehen. In der Praxis sind interaktive Präsentationsflächen an den Schulen in Bietigheim-Bissingen aber noch Mangelware. Es überwiegen einfache Präsentationsflächen und Beamer, teilweise gibt es Dokumentenkameras. Das geht aus dem Bericht der Stadtverwaltung zum Stand der Digitalisierung an den Schulen hervor, der jüngst im Schulbeirat vorgestellt wurde.

Wie Inga Mollerus, die Leiterin des Amts für Bildung, Jugend und Betreuung, bereits in der vorletzten Sitzung des Gremiums angekündigt hatte, ist es das Ziel der Stadtverwaltung, die Schulen digital auf den gleichen Stand zu bringen. Dazu wurde eine Erhebung gemacht, deren Inhalt Mollerus jetzt im Beirat vorstellte.„Was wir geahnt hatten, hat sich bewahrheitet: Die Situation an den Schulen ist sehr unterschiedlich“, fasste die Amtsleiterin das Ergebnis zusammen.

Verkabelung nicht schlecht

Mit Blick auf die Internetverbindung wird laut der Multimediaempfehlung des Landes Baden-Württemberg bei Grundschulen eine Geschwindigkeit von 16 Mbit pro Sekunde angestrebt, in der Sekundarstufe von 1 Gbit für Cloudanwendungen. Als wünschenswert werden
10 Gbit angesehen. Derzeit vorhanden ist in Bietigheim-Bissingen eine Geschwindigkeit von 50 bis 100 Mbit.

Bei der Verkabelung gibt das Land eine Vollverkabelung der Schulhäuser als Ziel vor. Die Verkabelung sei  an den meisten Schulen nicht schlecht, allerdings gebe es einzelne Stellen, die nicht so gut seien,  erläuterte Mollerus das Untersuchungsergebnis.

Auch vom Ziel, W-Lan-Zugangspunkte in allen Unterrichtsräumen zu haben, ist man noch weit weg. Das hänge aber vom jeweiligen Sanierungsstand der Schule ab, so Inga Mollerus. Das Gleiche gelte auch für die Endgeräte, wie Tablets, weil die nur mit W-Lan genutzt werden können. Das Land empfiehlt drei pro Unterrichtsraum an Grund- und Sekundarschulen, für letztere außerdem mindestens einen Klassensatz Tablets.

Bei den Unterrichtsräumen tat sich die Hillerschule hervor: Hier gibt es interaktives Whiteboard und interaktives Touch-Display. Computerräume sind gut vorhanden. Woran es aber fehle, seien Arbeitsplätze für die Lehrer. „Früher hat man eben angenommen, dass Lehrer zu Hause arbeiten“, sagte Bürgermeister Joachim Kölz. Er erklärte, dass die Stadt im Vergleich zu den Nachbarorten nicht schlecht ausgestattet sei. „Doch im Vergleich innerhalb der Stadt gibt es starke Unterschiede.“ Die Stadtverwaltung gründet jetzt eine Projektgruppe, die die Themen aufarbeitet.

Enttäuscht vom Land

Ein entscheidendes Thema bei der Digitalisierung ist das Geld. Die Multimedia-Richtlinien des Landes seien eben nur Empfehlungen, die aber so nicht veröffentlicht seien, sagte Kölz. Denn wenn es verbindliche Vorgaben gebe, müsse auch Geld fließen. Er zeigte sich enttäuscht vom Vorgehen des Landes.

Christos Chatzigeorgiou, Gesamtelternbeiratsvorsitzender, wollte wissen, wo die Stadt denn hinwolle. Kölz erwiderte, die Verwaltung könne als Träger nur die technischen Voraussetzungen schaffen. Allerdings wolle die Stadt eine einheitliche Ausstattung je Schulart erreichen.

Rektorin Jsolde Steigelmann sagte, der Gedanke sei, dass jeder Schüler ein Endgerät habe. Doch die  Datenschutzregel mache Probleme. „Bei den Tablet-Klassen muss nun theoretisch jedes Tablet personalisiert werden.“ Auch die Cloud müsse angepasst werden, denn eigentlich dürfe sie nicht als Speichermedium, auf das alle zugreifen können, genutzt werden.

Apropos Cloud: Eigentlich wollte die Stadt in der Sitzung die Schulplattform „Ella“ vorstellen, doch das entfiel, weil diese noch nicht funktioniert.

Hanspeter Diehl, der Rektor der Realschule Bissingen, sah die digitale Entwicklung dennoch positiv: „Wir sind auf einem guten Weg.“ Er plädierte allerdings dafür, dass die Schulen individuell ihren Weg gehen sollten. Wie die weiteren Wortmeldungen zeigten, waren indes nicht alle davon begeistert, die Schulen technisch weiter auszubauen.

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