Im Sinne der kommunalen Gemeinschaft gestaltete Oberbürgermeister Jürgen Kessing in Zusammenarbeit mit dem Sängerkranz Bietigheim und den Sternsingern von Sankt Laurentius am Sonntagmorgen die Neujahrsmatinée in der übervollen Kelter. Dabei galt das das Sängerkranz-Motto „Auf jede Stimme kommt es an“ auch und gerade für das Stadtoberhaupt, welches wiedergewählt werden möchte, um „in ständigen Dialog“ mit den Bürgern „gemeinsam am Haus der Stadt zu bauen“.

Zum Auftakt erklang von den Stimmen des Sängerkranzes die zur Europahymne gewordene „Ode an die Freude“ aus Ludwig van Beethovens neunter Sinfonie, doch der Oberbürgermeister von Bietigheim-Bissingen wollte sich von „Boris in Großbritannien“, „Macron in Frankreich“ und schon gar nicht von „unserem Freund in Amerika“ die Freude an der Neujahrsmatineé verderben lassen. Er freute sich, zu Beginn des neuen Jahres feststellen zu können, dass die Stadt „gut da steht“.

Übereinkünfte braucht es

„Übereinkünfte brauche es, um Bietigheim-Bissingen weiter zu entwickeln“, sagte Jürgen Kessing in seiner Ansprache.

Die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen, den Wirtschaftsverbänden, den Vereinen, der Bürgerschaft, dem Gemeinderat und der Stadtverwaltung zähle zu den Stärken der Stadt. Dass Bietigheim-Bissingen so gut da steht, liegt Kessings Meinung nach auch am ehrenamtlichen Engagement seiner Bewohner. Er sieht im Ehrenamt „gelebte Demokratie“.

Zum Lachen brachte der OB die Gäste mit dem Wilhelm-Busch-Zitat „Willst du nicht zu früh ins Grab, lehne jedes Amt gleich ab“. Dem Zyniker Busch stellte er den Glücksforscher Karlheinz Ruckriegel gegenüber, der herausgefunden haben möchte, dass Ehrenamtliche glücklicher sind als andere Menschen. Ehrenamt schaffe nämlich Sinn, ermögliche Kontakte und erhöhe das Selbstvertrauen.

Der Trend im Gegensatz zu früher: Jüngere Leute engagieren sich über Internetplattformen für Projekte. Fördervereine, erklärte der OB, fänden „mehr Zuwachs als der klassische Gesangverein“. Kessing verwies aber, um einen Seitenhieb auf den Gestalter seiner musikalischen Umrahmung zu vermeiden, sogleich auf den Jugendchor. In der Hoffnung, dass ihm die Bürgerschaft erneut den Auftrag zu einer weiteren Amtszeit als Oberbürgermeister erteilt, stellte Jürgen Kessing das Arbeitsprogramm für das kommende Jahr vor:   Für den Ausbau der Kindertageseinrichtungen sind rund 8,5 Millionen Euro im neuen Haushaltsplan eingestellt,  im Schulbauprogramm sollen 2020 etwa 4,8 Millionen Euro verplant und verbaut werden, und über 21 Millionen Euro wollen die Stadt und die Bietigheimer Wohnbau in den Wohnungsbau stecken. 14,5 Millionen Euro werden in die Strom-, Wasser-, Gas-, Fernwärmw- und Abwasserversorgung sowie in die Bäder und Eishallen investiert und 15 Millionen sind für die Straßen- und Gebäudeunterhaltung vorgesehen.

Alles in allem sieht sich der OB in einer Stadt, wo es sich „gut arbeiten und lernen, gut wohnen und einkaufen, gut Freizeit genießen und alt werden lässt“. „Damit können wir punkten“, nannte er Bietigheim-Bissingen einen „beliebten Zuzugsort“.

Sängerkranz punktet

Punkten konnte bei der Neujahrsmatineé auch der Bietigheimer Sängerkranz, aus dem der erste Vorsitzende, Karl-Heinz Menrath als Moderator hervor trat. Nach einem historischen Chorlied von Johannes Brahms gab es einen Auszug aus dem Konzert zum 160. Geburtstag des Vereins, der unter der Leitung von Tobias Merkle mit Reinhard Mey „Über den Wolken“ flog und mit Drafi Deutschers „Marmor, Stein und Eisen bricht“ zeigte, dass er auch Gassenhauer drauf hat. Die Nationalhymne leiteten die Sänger mit dem Gefangenenchor aus Verdis Oper „Nabucco“ ein. Das „Gloria“ beendete die Neujahrsmatinee.