Bietigheim-Bissingen Neues Universum der Kunst

Sebastian Speckmanns (li.) schwarz-weiße am Computer collagierte Fantasielandschaft trifft auf Christian Brandls (re.) leblose, künstliche Welt, in der der Mensch wie an einem falschen Platz scheint.
Sebastian Speckmanns (li.) schwarz-weiße am Computer collagierte Fantasielandschaft trifft auf Christian Brandls (re.) leblose, künstliche Welt, in der der Mensch wie an einem falschen Platz scheint. © Foto: Martin Kalb
Bietigheim-Bissingen / GABRIELE SZCZEGULSKI 24.01.2015
Schwarz-weiß trifft auf starke Farbigkeit: Die Ausstellung "Suspense" in der Städtischen Galerie Bietigheim-Bissingen vereinigt die Werke von Christian Brandl und Sebastian Speckmann. Sie bauen eine gemeinsame Spannung auf.

Der eine gestaltet eine fast mystische, geheimnisvolle Schwarz-Weiß-Welt, der andere eine bunte, künstliche, aber leblose Filmkulisse: Sebastian Speckmann und Christian Brandl arbeiten mit ganz unterschiedlichen künstlerischen Mitteln. In der Städtischen Galerie Bietigheim-Bissingen gelingt es, dass sich eine vielfältige Welt voller Geschichten auftut, die den Kunstsaal zum Theater macht. "Suspense" (Spannung), so der Titel der neuen Ausstellung. Da es beiden Künstlern gelingt, in ihren Werken einiges an Spannung aufzubauen, steht man unter der Wirkung der Arbeiten beider Künstler wie unter Strom. Hier stellen zwei Künstler aus, denen durchaus eine Bedeutung in der zeitgenössischen Kunst zukommt.

Gemein haben Brandl und Speckmann, dass sie in Leipzig studiert haben, aus Erfurt und Umgebung stammen und von der sogenannten Leipziger Schule des Neo Rauch beeinflusst sind. Gleich im Erdgeschoss prallen die beiden Welten der Künstler aufeinander.

Sebastian Speckmann, Gewinner des Linolschnittpreises 2008 der Stadt Bietigheim-Bissingen, der, abgesehen von seinen Digitalcollagen, mit Holz- und Linolschnitt arbeitet, schöpft aus einem riesigen Fundus an Bildern der 1930er- und 1940er-Jahre. Ebenso aus der Jugendbuchreihe "Das neue Universum", die von 1880 bis 2002 jährlich mit Themen aus Wissen, Forschung, Abenteuer und Unterhaltung erschien. Aus diesen Fotos, bearbeitet und willkürlich zusammengestellt, entsteht Speckmann neues Universum, geschnitten aus Holz oder Linoleum. Aus einer schwarzen Fläche entstehen Landschaften. Durch die Machart zaubert er magische Momente, denen man sich kaum entziehen kann. Meist sind seine Universen menschenleer, aber emotional aufgeladen. Sie haben eine Ästhetik, die an die von Leni Riefenstahl erinnert.

Dem kleinteiligen Universum gegenüber stehen die großformatigen, bunten Gemälde von Christian Brandl. Vergleiche kommen bei seinen Bildern auf: zum Maler Edward Hopper, denn auch in Brandls Bildern ist der Mensch ein einsamer, ausgestoßener, fehl am Platz, in der falschen Kleidung in den Bergen oder an der See. Brandls starke Farbkontraste scheinen trotzdem matt, gebrochen und gedämpft. "Ich versuche rauszubekommen, wie viel Natur nötig ist, um eine Idee von Natur zu vermitteln", sagt Brandl. Denn naturalistische Natur, wie seine Bilder oberflächlich den Anschein haben, sieht anders aus. Er erschafft eine Plastikwelt. Immer werden Bildschnitte durch Barrikaden erzeugt: ein Zaun, eine Mauer, eine Hecke. Dahinter steht der Mensch. Man kann die Bilder zeitlich nicht verorten, aber sie weisen sehr in Richtung 1950er-Jahre, die Figuren stehen in einer Art Filmkulisse, lachen nie, schauen nie den Betrachter an. Brandls Bilder sind leise, es geht ihm, so sagt er, um das "Davor und Danach", der Geschichte hinter dem Gemälde. Dafür lässt Brandl viel Freiraum in seinen penibel strukturierten Werken, denen immer genaue Maßstäbe zugrunde liegen.

In der Kommunikation mit Sebastian Speckmanns Arbeiten entsteht ein neues Universum der Kunst, eine unheimliche, beunruhigende Atmosphäre, die eine Nähe zu Filmen von Alfred Hitchcock oder David Lynch aufweist. Insgesamt herrscht in der Galerie eine Szenerie, die an Filmkulissen erinnert und auch daran, dass jeder seine Welt selbst gestalten muss. Eine Ausstellung, die deutlich die derzeitige Ausrichtung der Kunst zeigt, zwischen harter Realität und zauberhafter Selbstgestaltung.

Rahmenprogramm zur Ausstellung "Suspense"

Dauer Die Ausstellung "Suspense" in der Städtischen Galerie Bietigheim-Bissingen mit Werken von Christian Brandl und Sebastian Speckmann dauert bis 12. April.

Führungen: 29. Januar, 18.30 Uhr, 8. Februar, 11.30 Uhr, 26. Februar, 18.30 Uhr, 8. März, 11.30 Uhr, 22. März, 11.30 Uhr, 12. April, 11.30 Uhr. Familienführungen am 22. Februar, 11.30 Uhr, und am 10. April, 16.30 Uhr. Eine Führung für Lehrkräfte findet am 2. Februar, 17 Uhr, statt.

Wandelkonzert Führung mit Konzert von Schülern der Musikschule Bietigheim-Bissingen am Donnerstag, 26. März, 18.30 Uhr.

Kinder- Workshops "Psst, nicht wegschauen", Samstag, 7. Februar, 14.30 bis 17.30 Uhr.

"Gruselstimmung in der Galerie", Samstag, 11. April, 14.30 bis 17.30 Uhr. Beide Workshops für Kinder von acht bis zwölf Jahren.

SWP

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