Bietigheim-Bissingen / Uwe Mollenkopf

Wenige Monate, nachdem sie 2010 die Leitung des Gerlinger Stadtmuseums übernommen hatte, holte sich Dr. Catharina Raible Tipps bei ihrer Kollegin Regina Ille-Kopp, der Leiterin des Stadtmuseums Hornmoldhaus in Bietigheim-Bissingen. Nun kommt sie selbst nach Bietigheim, um die Nachfolge von Ille-Kopp anzutreten, die vor Kurzem in den Ruhestand verabschiedet wurde.

Noch bis Mai wird Catharina Raible in Gerlingen tätig sein, wo sie eine Zwei-Drittel-Stelle hat. Doch im Rahmen einer 20-Prozent-Stelle ist sie seit April bereits in Bietigheim aktiv. Sie führe derzeit viele Gespräche, um ihre neuen Kollegen kennen zu lernen, erzählt die 43-Jährige, schaue, was die wichtigen Themen sind, und mache sich mit der hiesigen Sammlung vertraut. Wichtig sei eine enge Verzahnung mit Archiv und Verwaltung. Auch in die Stadtgeschichte wird sich die neue Museumsleiterin einarbeiten – doch die ist für sie keineswegs Neuland. Noch vor ihrem Studium der Kunstgeschichte, Archäologie und Betriebswirtschaft in Tübingen, Aix-en-Provence und Bonn stieß Catharina Raible bei einer Japanreise auf einen der bekanntesten Bietigheimer: Sie habe dort erfahren, dass der Japanarzt Erwin von Bälz für die Japaner eine große Bedeutung hat, und sich anschließend die Ausstellung über ihn im Hornmoldhaus angesehen.

Über König Friedrich promoviert

Auch Sebastian Hornmold, der  das Gebäude, in dem heute das Stadtmuseum untergebracht ist, in den Jahren 1535/36 erbauen ließ, war der neuen Museumsleiterin schon lange vor ihrer Bewerbung um die Stelle ein Begriff. Der Grund: Die Kunsthistorikerin hat eine Zeitlang Führungen durch das Landesmuseum im Alten Schloss über den württembergischen Herzog Christoph und seine Zeit angeboten, und Hornmold war unter dem Herrscher erster Kirchenratsdirektor in Württemberg, spielte also eine wichtige Rolle im Zuge der Reformation. Ein landesgeschichtliches Thema war es denn auch, über das Raible promoviert hat: über Schloss Ludwigsburg zur Zeit von König Friedrich befasste sich ihre Arbeit. Anschließend war sie für die Staatlichen Schlösser und Gärten tätig, bevor sie die Stelle der Museumsleiterin in Gerlingen übernahm.

An Bietigheim reize sie besonders die mittelalterliche Stadtgeschichte, woraus sich viele spannende Themen ergäben, erzählt Raible. Darüber hinaus biete eine Stadt von der Größe Bietigheim-Bissingens ein breites Themenspektrum für mögliche Ausstellungen – bis hin zur Geschichte der vielen Vereine und der Geschichte der Zuwanderung. Sie freue sich besonders auf den Kontakt mit Leihgebern und „die Nähe zu den Bürgern“.

Die nächsten Ausstellungen im Hornmoldhaus sind bereits vorbereitet (siehe Infokasten), ihre erste eigene Ausstellung will Catharina Raible im Herbst präsentieren. Bis Juni will sie eine Entscheidung darüber treffen, was das Thema sein wird.

Exponat steht im Mittelpunkt

Vorgaben, was die Besucherzahlen anbelangt, habe sie von der Stadt keine bekommen, so die neue Leiterin. Rund 20 000 Gäste kommen jedes Jahr ins Stadtmuseum. Wichtig sei es, bei Ausstellungen unterschiedliche Themenbereiche abzudecken, kunsthistorische ebenso wie gesellschaftliche.

Mit Blick auf den Einsatz moderner digitaler Medien will Catharina Raible einen Mittelweg gehen. „Ich finde es wichtig, dass man sich da öffnet“, sagt sie. Andererseits dürfe man nicht zum „Skaven der Technik“ werden, und deren Einsatz dürfe auch nicht zur Spielerei werden. Das Exponat müsse im Museum im Mittelpunkt stehen, so die Auffassung der neuen Leiterin.

Die nächsten Ausstellungen

Japans Puppen – Spielwaren, Kostbarkeiten, Symbole – heißt eine Ausstellung im Stadtmuseum Hornmoldhaus, die am 5. Mai beginnt und bis 15. September dauert. Im Zentrum stehen japanische Puppen, Ningyō genannt, die dort kultische Bedeutung haben. Die Stadt Bietigheim-Bissingen hat als Gastgeschenk zum 55-jährigen Bestehen der Partnerschaft mit Kusatsu 2018 ein japanisches Hina-Puppenset sowie eine große Daruma-Pappmaché-Figur überreicht bekommen.

Um Opferschicksale in der NS-Tötungsanstalt Grafeneck dreht sich eine weitere Ausstellung, die vom 19. Mai bis zum 28. Juli zu sehen ist. um