Pläne Neue Enzbrücke im Visier

Bietigheim-Bissingen / Uwe Mollenkopf 14.06.2018

Mühlwiesenbrücke, Auwiesenbrücke, alte Enzbrücke, Viadukt und Co. – zahlreiche Brücken führen in Bietigheim-Bissingen über die Enz. Nun könnte eine weitere hinzukommen.  Der Gemeinderat beschließt in seiner Sitzung am kommenden Dienstag über die Vergabe der Planungen für eine neue Verbindungsbrücke über die Enz für Fußgänger und Radfahrer zwischen der Bietigheimer Innenstadt und dem Stadtteil Sand.

Wie der Erste Bürgermeister Joachim Kölz den Stadträten in einer Vorlage mitteilt, ist ein solches Bauwerk bereits im Zusammenhang mit den Planungen für das Mühlwiesenzentrum erörtert worden. Die Verwaltung erhofft sich davon, dass künftig mehr Bewohner des Stadtteils Sand ihre Einkäufe zu Fuß oder mit dem Rad erledigen können. Das werde auch zur Verringerung der Autofahrten im Stadtgebiet beitragen.

Darüber hinaus könne mit einer neuen Verbindung eine Verbesserung des Radwegenetzes erreicht werden, meinen die städtischen Planer. Sowohl der Radweg entlang der Heilbronner Straße (B 27) als auch entlang der Groß­ingersheimer Straße sei nicht optimal. Beide werden im Zweirichtungsverkehr betrieben und befinden sich an Hauptstraßen. „An den Knotenpunkten und Grundstückszufahrten an der Großingersheimer Straße sowie an der Heilbronner Straße in der Kammgarnspinnerei kommt es wegen unzureichender Sichtfelder häufig zu Konflikten“, heißt es in der Vorlage. Zudem sei der Radweg an der Großingersheimer Straße bei der Untersuchung der Radschulwege der Ellentalgymnasien von den Schülern als gefährlich eingestuft worden.

Kostenschätzung: 1,5 Millionen

Parallel zu den Brückenplanungen solle die Verwaltung daher eine Führung des Fuß- und Radverkehrs auf beiden Uferseiten der Enz, einerseits in Richtung Altstadt, andererseits bis zum Rand des Bietigheimer Forsts, in Alternativen prüfen und planen, schlägt die Stadtverwaltung vor.

Was die Brücke selbst betrifft, so hat dazu das Ingenieurbüro Schlaich, Bergermann und Partner (SBP) aus Stuttgart bereits 2015 eine Machbarkeitsstudie erstellt. Diese sieht ein Bauwerk mit drei Metern Breite vor. Das Büro hat die Kosten damals grob auf 1,5 Millionen Euro geschätzt. Kosten für Unvorhergesehenes, Preissteigerungen und Grunderwerb sind darin allerdings noch nicht enthalten.

Ebenso müssen die Kosten für die Weiterführung der Wege auf beiden Seiten der Brücke erst noch ermittelt werden.

Die Verwaltung empfiehlt den Stadträten nun, die Entwurfsplanung für die Brücke an das Büro Schlaich, Bergermann und Partner zu vergeben sowie ein Umweltgutachten in Auftrag zu geben, um so in die Planungen einzusteigen. Die Kosten dafür werden auf 75 000 Euro beziffert.

Bietigheim-Bissingen müsste die Kosten für die Brücke aber wohl nicht allein tragen. Verschiedene Fördertöpfe könnten angezapft werden. Wie aus der Vorlage hervorgeht, hat die Verwaltung eine grundsätzliche Förderzusage im Rahmen des Landes-Gemeinde-Verkehrsfinanzierungsgesetzes von 50 Prozent der förderfähigen Kosten erhalten. Darüber hinaus seien die Brücke und die geänderte Radwegführung in das Projekt „Qualifizierung Enztalradweg“ des Landschaftsparks Region Stuttgart aufgenommen worden, sodass der Stadt auch noch eine Übernahme von 50 Prozent der verbleibenden Kosten winkt.

Ein Antrag kann allerdings erst gestellt werden, wenn die Entwurfsplanung fertig ist und belastbare Zahlen vorliegen. Über den Einstieg muss der Gemeinderat am Dienstag entscheiden.

GAL wünscht sich breiteren Enzsteg

Brückenpläne gibt es auch in der GAL-Fraktion im Gemeinderat. Wie GAL-Stadtrat Albrecht Kurz in der jüngsten Sitzung des Technischen Ausschusses erklärte, sei der Enzsteg beim „Eberhards“ zu schmal für die vielen Fußgänger und Radfahrer, die dort Tag für Tag unterwegs sind. Da man an den Steg sowieso ran müsse, um das Geländer zu erhöhen, stelle sich die Frage, ob dieser nicht gleich auch verbreitert werden könne, so Kurz.

Wenig Hoffnung auf eine Realisierung machte ihm allerdings Claus-Dieter Jaisle, der Leiter des Hoch- und Tiefbauamts. Wenn beim Pferdemarktfeuerwerk die Menschen dicht an dicht auf der Brücke stehen, verfüge diese bei der Tragfähigkeit noch über eine Reserve von 15 Prozent. Würde sie verbreitert, würde das „auf keinen Fall tragen“. Einen Neubau bezifferte Jaisle grob geschätzt auf rund eine Million Euro. Kurz erklärte, er wolle diese Einschätzung erst einmal wirken lassen. um

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