Kokeshi, Daruma und Dairi-Bina und jede Menge andere Ningyo (kurz: Puppen) sind ab Sonntag, 5. Mai, im Bietigheimer Stadtmuseum Hornmoldhaus zu sehen. Es benötigt jedoch keinen Übersetzer für die neue Kabinettausstellung „Japans Puppen – Spielwaren, Kostbarkeiten, Symbole“. Mit Übersetzungen, Herkunft und die Geschichte dazu hat Volontärin Andrea Kaufmann die Ausstellung konzipiert.

Die Idee dazu entstand bereits am 17. Juni, als das älteste städtepartnerschaftliche Bündnis Baden–Württembergs zwischen dem japanischen Badeort Kusatsu und Bietigheim-Bissingen zum 55. Mal gefeiert wurde. Zu diesem Anlass erhielt die Stadt ein wertvolles, mehrteiliges Puppenset, das ein fester Bestandteil des japanischen Mädchenfestes Hina-Matsuri darstellt. Diese Festivität ist international als „Girl’s Day“ bekannt. Zusammen mit weiteren Leihgaben und Puppen der Museumssammlung des Stadtmuseums Hornmoldhaus bildet dieses Objekt-Ensemble den Kernbestand der Ausstellung „Japans Puppen – Kostbarkeiten, Spielwaren, Symbole“.

„Die Puppen bekommen Sake und Süßigkeiten geopfert, um für die Töchter Schönheit, ein gutes Leben und eine gute Ehe zu erbitten“, erklärt Kaufmann. Als Pendant gibt es am 5. Mai – passend zum Eröffnungstag der Ausstellung – Kodomo no Hi, das Knabenfest oder heute auch Kinderfest. Zu diesem Tag werden traditionell japanische Militärhelme, wie sie Samurai getragen haben, oder Kriegerfiguren aufgestellt. „Diese Figuren sind mit Mut und Stärke verbunden“, sagt Andrea Kaufmann.

Generell sollen die meisten Ningyo der Ausstellung in irgendeiner Weise Glück bringen. Ningyo ist das japanische Wort für Puppe und setzt sich aus Nin (Mensch) und gyo (Form) zusammen. „Es wird mit ‚in Form eines Menschen’ übersetzt“, weiß die Volontärin, „es werden im Japanischen auch Teddybären Manga-Figuren als Ningyo bezeichnet.“ Eines dieser Puppen ist Daruma (gesprochen Daluma), einer der wohl beliebtesten Glücksbringer in Japan. Er ist eine Art Stehaufmännchen. „Wenn man ihn schubst, richtet er sich wieder auf.“ Das liegt an einem Gewicht, das er in sich trägt. Typisch für Daruma ist, dass er keine Augen hat, denn damit er Glück bringt, müsse der Besitzer noch etwas tun. „Man wünscht sich etwas und wenn der Wunsch erfüllt wird, darf man eine Pupille aufmalen.“ Dann hat man einen weiteren Wunsch. Sind beide erfüllt, wird die Puppe verbrannt und sich ein neuer Daruma geholt. Die Figur stelle den buddhistischen Mönch Bodhidharma dar. Es gibt verschiedene Geschichten zu diesem Mönch. Auch die verschiedenen Farben der Daruma spielen eine Rolle, das und mehr erfahren die Besucher der Hornmoldhaus-Ausstellung.

Offizielle Eröffnung der neuen Ausstellung


Am Sonntag, 5. Mai, ab 11 Uhr eröffnet Oberbürgermeister Jürgen Kessing die neue Kabinettausstellung „Japans Puppen – Spielwaren, Kostbarkeiten, Symbole“ im Erdgeschoss des Stadtmuseums Hornmoldhaus. Neben einer Rede des Oberbürgermeisters wird auch Volontärin Andrea Kaufmann sprechen. Sie hat die Ausstellung konzipiert. Musikalisch gestalten Julius von Witzleben, Schüler der Städtischen Musikschule Bietigheim unter der Leitung von Stefan Barthel die Eröffnung. Der Eintritt ist frei. bz