Bogenviertel Neubürger sollen das Auto meiden

Das ehemalige DLW-Gelände soll als Bogenviertel deutlich mehr Alternativen zum Auto schaffen.
Das ehemalige DLW-Gelände soll als Bogenviertel deutlich mehr Alternativen zum Auto schaffen. © Foto: Werner Kuhnle
Bietigheim-Bissingen / Rena Weiss 09.08.2018

Jeder, der die Möglichkeit bekomme, ein Auto zu haben, werde das Auto auch nutzen. Das war Stephan Mucks persönliche Meinung zum Bogenviertel in der letzten Gemeinderatssitzung vor der Sommerpause. Der Freie-Wähler-Gemeinderat will deswegen bei der Planung des Mischgebiets aus Wohnen und Gewerbe weg von Stellplätzen. In diesem Zusammenhang fällt häufig auch das Wort urban. Doch welche Personengruppe zieht es in ein urbanes Stadtviertel? Die BZ sprach mit Andrea Schwarz, Leiterin des Stadtentwicklungsamts.

Garden-Campus als Vorbild

Auf vier Personengruppen liegt der Schwerpunkt in der Planung des neuen Stadtviertels. Zum einen soll es alle Menschen, die im Ballungsraum Stuttgart keine Wohnung finden und mit der S-Bahn zur Arbeit fahren, ansprechen, sagt Schwarz. Zum anderen „hoffen wir, dass Firmen dort Wohnungen für ihre Mitarbeiter anmieten“, erklärt die Amtsleiterin. Als Vorbild diene der Garden-Campus. Im Stuttgarter Stadtbezirk Vaihingen soll auf dem ehemaligen Eiermann-Campus ein neuer Stadtteil mit Wohnungen für knapp 4000 Menschen sowie Büroraum entstehen. Ein Stadtteil mit eigener Infrastruktur sei also keine neue Idee, versichert Andrea Schwarz.

Die dritte Gruppe seien ältere Bürger, die beispielsweise auf Aufzüge im Wohnhaus angewiesen sind, auf das Auto verzichten wollen oder müssen und kurze Wege zu Fuß oder mit dem öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zurücklegen. „Wir planen mit Oswa ein Gebiet, das Gruppen anziehen soll, die stärker an diese Art von Mobilität denken“, so beschreibt Schwarz die letzte Zielgruppe. Im Bogenviertel soll der Autoverkehr reduziert werden. „Die Bietigheim-Bissinger nutzen überdurchschnittlich stark das Auto“, sagt Andrea Schwarz, „und was wir vonseiten der Stadt tun können, um das zu reduzieren, wollen wir tun.“

Damit spricht sie das Mobilitätskonzept im neu entstehenden Stadtgebiet an. Neben einem guten ÖPNV-Netz sollen die Anwohner motiviert werden, das Fahrrad zu nutzen. „Das Bogenviertel ist sehr flach und gut mit dem Rad zu bewerkstelligen“, sagt die Stadtentwicklerin. Der Vorwurf, Bietigheim-Bissingen sei nicht Kopenhagen, zählt für Schwarz nicht. Denn das Bogenviertel biete eine einmalige Gelegenheit, das Thema Verkehr in der Stadt zumindest in diesem Gebiet ganz neu anzugehen. „Eine Stadt ist immer auch ein lernendes System“, sagt Schwarz, „mit dem Bogenviertel wollen wir die Menschen ansprechen, die sich gerne verändern wollen und in diese Richtung gehen.“ Zusätzlich könne das Gebiet dann als Vorbild für andere Stadtteile dienen.

Das Auto ganz verbieten, könne die Stadt natürlich nicht und es werde Stellplätze geben. Doch wollen die Planer auch mit Carsharing-Angeboten Anreize schaffen. Ein weiterer Punkt sei die Reduzierung von Paketdienst-Sprintern. Auch hier geht der Blick nach Stuttgart. Dort werde laut Schwarz erprobt, Sprinter mit Lastenrädern zu ergänzen. An zentralen Stellen werden die Pakete aus den Sprintern in die Räder umgeladen, um den Autoverkehr zu reduzieren. Bereits beim Bau des Buchzentrums wurden Studien erhoben und es entstand die Idee zentraler Mobilitätspunkte. Da scheiterte damals jedoch an privaten Grundstückseigentümern, so Schwarz.

In Mannheim, Hamburg und Lörrach seien derartige Mobilitätskonzepte zu beobachten, sagt Schwarz. „Natürlich gibt es Mahner, die sagen ‚schaut, dass es auch funktioniert’“, erklärt die Amtsleiterin. Doch, habe sie den Eindruck erhalten, dass die Mehrheit ein solches Konzept befürwortet. Dennoch sei ihr bewusst, dass zu den Bürgerveranstaltungen oft nur die Bürger kommen, die in der Nähe leben und die seien natürlich für eine Verkehrsentlastung.

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