Der Projektname steht bereits seit mindestens vier Jahren: Neckarenztalleitung. Gemeint ist damit die Verlegung von Röhren durch den Landkreis Ludwigsburg und den Enzkreis, durch die in zwei Jahren Erdgas strömen soll. Doch trotz der inzwischen langen Planungsphase wird mit dem Bau der etwa 30 Kilometer langen Pipeline voraussichtlich erst in einem Jahr begonnen.

Bauträger ist der Fernleitungsnetzbetreiber „terranets bw“, ein eigenständiges Unternehmen der Energie Baden-Württemberg (EnBW) mit Sitz in Stuttgart. Pressesprecherin Rebecca Penno teilte auf Anfrage mit, dass die Planungen nun aber endgültig abgeschlossen seien. „terranets bw“ werde die Bauanträge noch im Oktober bei den zuständigen Genehmigungsbehörden einreichen. Da die Neckarenztalleitung durch zwei Regierungsbezirke führt, sind sowohl das Regierungspräsidium Stuttgart als auch das in Karlsruhe zuständig.

„Ein Jahr Zeit bis die Genehmigung kommt, das ist ein Richtwert“, sagt die Sprecherin. Wenn es gut läuft, rückt der Bagger im Herbst 2020 an, um einen zwei Meter tiefen Graben zu schaufeln, in den die Erdgasleitung mit ihren 50 Zentimetern Durchmesser gelegt wird. Auf 80 bar Druckbelastung sind die Röhren ausgelegt. Wo genau der Verlauf der Hochdruckleitung sein wird, steht inzwischen fest. Betroffen sind die Gemarkungen von Wiernsheim (Enzkreis), Eberdingen, Vaihingen, Markgröningen, Oberriexingen, Sachsenheim, Bietigheim-Bissingen und Löchgau.

Die beiden Regierungspräsidien haben in einem ersten Planungs- und Genehmigungsschritt einen Korridor von 600 Metern für den Trassenverlauf ausgemacht. Inzwischen ist dieser nach weiteren Detailplanungen sowie Absprachen mit den betroffenen Städten und Gemeinden auf einen sogenannten Regelarbeitsstreifen mit einer Breite zwischen 19 und 30 Metern geschrumpft. Das entspricht einer Fläche von mehr als 70 Hektar, auf denen Bauarbeiten stattfinden und der Boden aufgerissen werden muss.

Im Frühjahr hatte die „terranets bw“ im Landkreis vier Informationsabende für die Bürgerschaft veranstaltet, die das Unternehmen Dialogmärkte nannte. „Die jeweils dreistündigen Veranstaltungen sind für uns sehr nützlich gewesen“, resümiert Sprecherin Penno. Das „regionale Wissen“ der Menschen vor Ort habe zu zahlreichen Planänderungen geführt, sagt sie und nennt als Beispiel einen landwirtschaftlichen Weg, unter den Röhren verlegt werden sollen und der aber auch als wichtiger Radweg dient. „Wir haben erfahren, dass dort viele Schüler zwischen ihrem Wohnort und ihrer Schule unterwegs sind. Hier wurde nun so geplant, dass der Weg superschnell wieder genutzt werden kann.“ An manchen Stellen bleibe der Weg höchstens drei Stunden gesperrt. Offene Stellen würden mit Stahlplatten überbrückt.

Im Hinblick auf Energiewende

„Mithilfe dieser neuen Leitung können wir die Versorgungssicherheit insbesondere im Raum Ludwigsburg und dem Enzkreis langfristig deutlich erhöhen. Dies ist vor allem im Hinblick auf die Energiewende von besonderer Bedeutung“, sagt Christoph Kröhnert, Projektleiter Neckarenztalleitung. „terranets bw“ reagiere mit der Neckarenztalleitung auf die Bedarfe der angeschlossenen Stadtwerke. Diese meldeten seit Jahren einen kontinuierlich steigenden Bedarf an Gastransportleistung. „Im Vergleich zu 2012 ist die Nachfrage unserer Stadtwerke um 30 Prozent gestiegen“, so Kröhnert. Die neue Gashochdruckleitung soll im Westen des Kreises Ludwigsburg einen Ringschluss zwischen der Kraichgauleitung bei Heilbronn und der Schwabenleitung bei Pforzheim schaffen. Nach dem Gasversorger soll die Infrastruktur zunehmend für Gas genutzt werden, das aus regenerativen Quellen erzeugt wird.

Überschrift Infokasten einzeilig


Anlauf steht hier Text für einen dreispaltigen Infokasten. bz