Seit dem Gründungsjahr 1988 ist Harald Bosch Fan der Bietigheim Steelers, seit 2013 einer von zwei Fanbeauftragten. Im Interview nimmt der 57-jährige Bietigheimer Stellung zu Gewalt in der Szene und den verhängten Stadionverboten.

Gibt es bei den Steelers ein Gewaltproblem?

Harald Bosch: Nein. Das darf man nicht pauschalisieren. Die Zahl der Vorfälle war in den vergangenen Jahren auf einem ähnlichen Niveau. Wir distanzieren uns von Gewalt, egal in welcher Sportart.

Halten Sie die 47 Stadionverbote bis 2021/22 nach der Randale in Heilbronn für gerechtfertigt?

Die Entscheidungsgewalt liegt bei der Polizei, der Staatsanwaltschaft und DEL2. Gerade über die Kollektivstrafe wird unter den Fans aber sehr intensiv diskutiert. Da kann jeder seine eigene Meinung haben. Ich war selbst in Heilbronn nicht vor Ort und habe darum auch nur Informationen vom Hörensagen. Die Aussagen mir gegenüber waren, dass jetzt auch Unbeteiligte bestraft wurden, die nicht direkt bei dem Vorfall dabei waren. Da stehen zurzeit noch viele Dinge im Raum.

Waren Sie als langjähriger Anhänger selbst schon mal in eine tätliche Auseinandersetzung verwickelt?

Wir waren ja früher auch keine Waisenknaben, aber bei uns war irgendwann eine Grenze erreicht. Wir haben uns auf das Verbale beschränkt. Jeder ist letztlich selbst für das verantwortlich, was er tut – und muss dann auch die Konsequenzen tragen.

Einige der sanktionierten Fans zählen zu den Stimmungsmachern in der Kurve. Ist die Atmosphäre bei den Spielen nun schlechter?

Mein Kollege Heiko John und ich haben am Sonntag gegen Freiburg organisiert, dass wieder Stimmung in die Arena kommt. Es haben sich ein paar sehr junge Fans gefunden, die diesen Part übernehmen. Wir hatten nur in einem Heimspiel eine Totengräberstimmung. Die ganze Geschichte hat in der Fan-Szene einen sehr tiefen Graben gerissen. Das hat uns weh getan.