Auftritt Musikalische Leckerbissen im Speisesaal der Dürr AG

Die Dürr Bigband gab ein Konzert im Firmengebäude.
Die Dürr Bigband gab ein Konzert im Firmengebäude. © Foto: Martin Kalb
Bietigheim-Bissingen / Dietmar Bastian 01.12.2018

Kraftvolle Bigbandklänge in einem großzügigen Ambiente, ein Aufgebot namhafter, erstklassiger Jazzmusiker, mitreißend musizierte Ohrwürmer aus der goldenen Zeit des Swing & Jazz – dies erwartete die gut 300 Zuhörer, die sich am Donnerstagabend zum Dürr-Campus in der Carl-Benz-Straße aufgemacht hatten.

Die Reihe „Dürr Big Band meets Friends“ hat eine mittlerweile langjährige Tradition. Bindeglied zwischen der Bigband und den Vollblutjazzern um den Münchener Max Greger jr. ist der Profisaxofonist und Dürr-Bandleader Jürgen Bothner, der immer wieder mit Greger auftritt und die knapp 20-köpfige Formation inzwischen zu einem hohen Niveau geführt hat. Bothner moderierte auch gewandt und locker das Programm des ersten Teils, in dem die Band, die durch neue Betriebsangehörige jünger wirkt, aufhorchen ließ: Eine solche Präzision und ein derart stilsicherer Klang – das hat seinen Preis! Geprobt wird wöchentlich zwei Stunden, jeweils montags.

Ein Kraftakt für die Betriebsjazzer dieses weltweit agierenden Unternehmens, von denen viele auch selbst oft zwischen den unterschiedlichen Standorten unterwegs sind. Bothner lobte ausdrücklich die Unternehmenskultur der Dürr AG, die sich den Luxus einer betriebseigenen Bigband leistet und sich das Angebot für musizierbegeistere Mitarbeiter durchaus etwas kosten lässt.

Verjüngt hat sich die Dürr-Band nicht nur optisch, auch das Repertoire umfasst inzwischen – neben den „Klassikern“ – auch Stücke aus den 70er- und 80er-Jahren. Im ersten Teil gab es eine Stunde lang kurzweiligen Bigbandsound von Henry Mancini, Stevie Wonder, Count Basie, Tony Bennett und Bert Kaempfert. Das begeisterte Publikum forderte eine Zugabe. Klar, es wurde „In the Mood“ von Glenn Miller, „ein Titel, den Jazzmusiker hassen, das Publikum aber liebt“, so Jürgen Bothner.

Nach der Pause folgte dann das Max Greger jr. Quintett – allesamt ausgebuffte und raffinierte Könner an ihren Instrumenten: der begnadete, virtuose Jazzpianist Max Greger jr. (Sohn des berühmten, 2015 verstorbenen Vaters Max Greger sen.), der Saxofonist und Bandleader Jürgen Bothner, der Solotrompeter der Big Band des hessischen Rundfunks Axel Schlosser (als „special guest“), der furios spielende Kontrabassist Joel Locher und der vom Publikum besonders gefeierte Schlagzeuger Meinhard „Obi“ Jenne. Die fünf Ausnahmejazzer hatten mehrfach Stücke von Duke Ellington sowie Count Basie im Programm.

Schlafwandlerische Sicherheit

In Jazzmanier (dialogisches call & response) wechselten sich halsbrecherische, luftige Solopassagen und gewitztes Tuttispiel ab. Besonders bei den schnelleren Titeln kam Bewegung in die Sitzreihen. Manchen Konzertbesuchern fiel es augenscheinlich schwer, still zu sitzen.

Selten hört man so tollen, mit schlafwandlerischer Sicherheit gespielten Jazz, jenes Genre, das ganz von der auf das Bewegungsgefühl bezogenen Rhythmik (Swing, Groove) lebt. Selten erlebt man eine so intensive und gleichzeitig spielerische musikalische Interaktion. Selten beobachtet man bei fünf Musikern eine so einheitliche Phrasierung und Intonation.

„Jeder Abend hat ein Ende, auch dieser“, sagte Jürgen Bothner nach zweieinhalb Stunden. Als Dank für den Applaus gab es (kurz vor dem 1. Advent) „Santa Claus is coming to town“.

Die Veranstalter, die mit dem Abend auch die BZ-Aktion Menschen in Not unterstützen, konnten mehr als zufrieden sein. Das vom Alter gut durchgemischte Publikum ging nach knapp drei Stunden dankbar und zufrieden nach Hause.

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