Seit der großen Vogelschau, die sich von Freitag bis Sonntag im Bissinger Pflanzencenter Förstner-Sienast abspielte, sehen viele Vogelfans die bunt-schillernde Welt der Exoten und auch die der heimischen Eulen und Greifvögel etwas realistischer. Die Artenschutzvereinigung der Vogelliebhaber Bietigheim-Bissingen gab in Zusammenarbeit mit der Falknerei Bielriet (Franken) und der im Moment proppenvollen schweizerischen Auffangstation für Papageien und Sittiche (APS) in Matzingen (Kanton Thurgau) realistische Einblicke in die Lebensanforderungen von Vögeln aller Art.

Wie aus dem Eintrag eines Schülers ins Gästebuch der Vogelliebhaber hervorgeht, konnte dieser kaum genug davon bekommen, was Vogelexperte Alex Kroll über die so zahlreich in Zelten ausgestellten Vogelarten berichtete. Der australische Nationalvogel, „lachender Hans“ genannt, hatte bei der Simulation des menschlichen Gelächters in der Tat fast genauso gut lachen wie in den heimischen Wäldern, denn er war kommod untergebracht und für die Schau besonders schön heraus geputzt. Dass ein prachtvoller Ararauna als ehemals blau-gelber Urwaldbewohner eine mindestens drei Meter hohe Voliere plus Freigehege braucht, machte Kroll mehr als deutlich. „Viel, viel Platz“, am Besten in Absprache mit den Nachbarn, lautet Krolls oberste Maxime für die Papageienhaltung. In der Enge wird nach Informationen des Experten schnell deutlich, dass auch in der Vogelwelt nicht alles schillert, was bunt ist, denn ohne Sonnenlicht verblasst das Gefieder.

An den Erfahrungen der Auffangstation in Matzingen gemessen, bedenken manche Vogelhalter nicht einmal, wie alt ein Papagei werden kann, und sterben vor diesem. Vor „Tierquälerei“ warnte Alex Kroll auch bei den kleineren Vögeln wie Sittichen oder Finken, deren Käfige so naturgetreu wie möglich eingerichtet werden sollten. Stubenvögel sollten keinesfalls alleine gehalten werden, lebten sie normalerweise doch in Schwärmen, wie zum Beispiel die sich jetzt in Freiheit wieder fleißig vermehrenden Alexandersittiche.

In 85 Volieren konnte der 155 Mitglieder starke Verein nach Auskunft des ersten Vorsitzenden, Heinz Schrempf, natürlich nicht die ganze Vogelwelt zeigen, legte aber auch ein besonderes Augenmerk auf die heimischen, weniger farbenprächtigen Exemplare: Das Motto: „Jeder Vogel ist ein schöner Vogel.“

Jagd auf Attrappe

Roland Blum und Ute Kugler von der Falknerei Bieltiet in Wolpertshausen-Cröffelbach bei Schwäbisch Hall waren als Greifvogelexperten vor Ort. Bei ihnen durften die Kinder Eulen anfassen und Greifvögel auf den Handschuh nehmen. Sogar der Rotmilan „Pontio“, gemeinhin ein schwer zu bändigender Zugvogel, war mit von der Partie. In abenteuerlichem Flug jagte der Sakerfalke „Horus“ einer Jagdattrappe von Federspiel hinterher, während sich ein Rotschwanzbussard an einer Hasenattrappe versuchte und zwei Wüstenbussarde „von Faust zu Faust“ flogen, wie der Falkner sagt. Wann er zum Beispiel einen Wanderfalken in den Freiflug entlässt, müssen Falkner wie Ute Kugler „aus dem Bauch heraus entscheiden“. „Es sind und bleiben Wildvögel“, erklärte die Expertin. Eine Zusammenarbeit von Mensch und Vogel ohne Vertrauen und Respekt sei kaum möglich.

Wenig Respekt im Sinne von viel Mut bewiesen die kleinen Besucher abseits der Vogelschau im so genannten „Gruselkabinett“ des Diplom-Biologen Uwe Dost bei allem, was kreucht und fleucht. Während die zehnjährige Jana die Königspython Susanne gar nicht mehr von ihrem Hals lassen wollte, wühlten sich andere Kinder durch ein „Madengewurschtel“, um dem Madenkönig seinen Schatz zu entreißen.

Wie er Kunstwerke aus seltenen Holzarten macht, zeigte der Forstwirt und Holzfäller Dieter Strauss aus dem fränkischen Schillingsfürst, wo ihm die extensive Landwirtschaft den Titel „Mittelfränkischer Wiesenmeister“ der bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft und des BUND in Bayern eingebracht hat. Auf seinen Wiesen wachsen 55 Blumensorten, die vom Aussterben bedroht sind.