Gericht Motive: Hass, Liebe und Eifersucht

Bietigheim-Bissingen / Bernd Winckler 13.06.2018

Die 24-jährige Frau, die am 23. Januar dieses Jahres in Bietigheim-Bissingen den verheirateten Liebhaber ihrer Freundin mit Messerstichen schwer verletzte, soll dafür nicht mehr als zwei Jahre und zehn Monate hinter Gitter. Diesen Antrag stellte am Dienstag, dem vorletzten Verhandlungstag vor der Heilbronner Schwurgerichtskammer, die Staatsanwältin.

In ihrem Plädoyer würdigte die Anklägerin vor allem das voll umfängliche Geständnis der Angeklagten hinsichtlich der Messerstiche gegen das Opfer und auch hinsichtlich der Bedrohungen gegen die Ehefrau des Opfers sowie ihre öffentliche Entschuldigung im Heilbronner Gerichtssaal. Dabei hatten sich Täterin und Opfer sogar in die Arme genommen (die BZ berichtete).

Stich in die Bauchhöhle

Allerdings betonte die Staatsanwältin auch, dass der Einsatz eines Messers gegen einen Menschen immer eine besondere Gefährlichkeit in Bezug auf das Leben des Betroffenen haben könne. Vor allem der eine Messerstich in die Bauchhöhle des Mannes war besonders gefährlich.

Damit, so die Anklägerin, habe die 24-Jährige den Tatbestand des versuchten Totschlags, verbunden mit gefährlicher Körperverletzung, erfüllt.

 Zum Motiv der Angeklagten stellte die Staatsanwältin am Dienstag fest, dass „Liebe, Hass und Eifersucht“ eine gewisse Rolle bei der Tat gespielt hätten. Das Opfer, ein verheirateter Mann, hatte jahrelang ein intimes Verhältnis mit der Freundin der Angeklagten. Ein Verhältnis, welches allerdings in Schieflage geriet, als seine Ehefrau davon erfuhr.

Anrufe beim Arbeitgeber

Es folgten Telefonanrufe beim Arbeitgeber der Geliebten – und gegenseitige Beleidigungen, bis hin zu Drohungen. Die Angeklagte wollte den Mann dazu bringen, sich scheiden zu lassen, um ihre Freundin zu heiraten.

An jenem Januarabend fuhren dann die Angeklagte und ihre Freundin zur Bietigheimer Wohnung des Mannes. Nach einer Rangelei an der Haustüre stürzten der Mann und dessen anwesende Ehefrau einige Treppenstufen hinter. Danach setzte es die Messerstiche.

Mit zwei Jahren und zehn Monaten Haft wegen versuchten Totschlags, gefährlicher Körperverletzung und Bedrohung könne man den Vorgang verurteilen, meinte die Anklägerin im Gerichtssaal.

Damit sind sogar die beiden Verteidiger einverstanden, denen es ebenfalls wichtig ist, dass eine Strafe nicht über dieses Maß hinaus verhängt werde. Das Urteil soll an diesem Mittwoch verkündet werden.

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