Bietigheim-Bissingen Eule Baldur ist ein Freund fürs Leben

Die Flügelspannweite von Eule Baldur beträgt 1,40 Meter. Baldur gehört dem Bietigheimer Falkner Falk Baumgärtner, der mit ihm waldpädagogische Vorträge in Kindergarten und Schulen hält.
Die Flügelspannweite von Eule Baldur beträgt 1,40 Meter. Baldur gehört dem Bietigheimer Falkner Falk Baumgärtner, der mit ihm waldpädagogische Vorträge in Kindergarten und Schulen hält. © Foto: Martin Kalb
Bietigheim-Bissingen / Rena Weiss 22.06.2018

Mit großen gelben Augen fixiert die Eule Baldur ihren Besitzer Falk Baumgärtner. Der Bietigheimer ist Falkner und geht mit dem 50 Zentimeter großen Baldur in Kindergärten, Schulen oder verschiedene Märkte, um, wie er sagt, den Menschen dieses Tier näherzubringen. „Was man nicht kennt, kann man auch nicht schützen“, sagt er.

Baldur ist ein Uhu. „Ich werde häufig gefragt, ob er nun ein Uhu oder eine Eule ist“, sagt Falk Baumgärtner. Die Antwort überrasche viele, denn Baldur ist beides. „Der europäische Uhu ist die größte Eulenart in Deutschland“, erklärt der 22-Jährige. Es macht ihm sichtlich Spaß auf seinen Uhu oder die Beizjagd (das Jagen mit einem Greifvogel) angesprochen zu werden. Mit Baldur geht er nicht auf die Jagd, aber mit Adlern oder Habichten befreundeter Falkner.

Auch, wenn es kritische Fragen sind, sei Baumgärtner gesprächsbereit. „Solange die Menschen respektvoll sind, bin ich immer für ein Gespräch bereit“, sagt Baumgärtner. Oft seien es Natur- oder Tierschützer, die ihn beispielsweise als Tierquäler beschimpfen. Das könne er nicht nachvollziehen, denn die Greifvögel hätten es bei den Falknern besser, als in der freuen Natur. „Um ein Greifvogel halten zu dürfen, muss man sehr strenge Regeln einhalten. Die immer wieder kontrolliert werden“, betont er. Das sei bei einem Hund, der in einer kleinen Wohnung leben müsse und nur ein Mal am Tag raus darf, nicht so. Den Vergleich zu einem Haustier zieht Baumgärtner jedoch nur, wenn es um den Lebensraum und die staatlichen Kontrollen geht. Denn er sagt ganz klar: „Ein Greifvogel ist kein Haustier.“

Das Grüne Abitur

Deswegen benötige es auch einer guten Ausbildung. „Um einen Falknerschein zu erwerben, braucht es einen Jagdschein“, erklärt der 22-Jährige. Einen Jagdschein könne man beispielsweise in einem Intensivkurs über drei Wochen erlangen. „Der Kurs geht dann montags bis sonntags von 7 bis manchmal 22 Uhr“, sagt Falk Baumgärtner und ergänzt, dass es nötig sei, schon vorher die Unterlagen zu büffeln. „Danach gibt es eine schriftliche, eine praktische und fünf mündliche Prüfungen“, erinnert sich der Falkner. Erst dann könne man einen Falknerkurs belegen, der eine Woche lang geht – mit ähnlichen Zeiten. Abgeschlossen wird die Prüfung mit einer mündlichen und praktischen Prüfung. „Das Ganze könne schon seine 3500 Euro kosten“, sagt Baumgärtner, der mit 16 Jahren seine Jagd- und Falknerscheine gemacht hat. „Man nennt es nicht umsonst das Grüne Abitur.“ Das berechtigt einen beispielsweise dazu auf die Beizjagd zu gehen oder auch einen Greifvogel halten zu dürfen.

Vogel als Waffe

Einen Jagdschein benötige es deswegen, weil Jagdvögel als Waffe zählen, erzählt Baumgärtner. Mit Habicht und Adler könne er Kaninchen, Füchse und sogar Rehwild in seinem Revier jagen.

Einen eigenen Vogel hatte er aber bis Dezember 2017 nicht. Erst letztes Jahr stieß er auf eine Züchterin und Baldur. „Nach den Prüfungen habe ich erst mal begonnen, Kontakte aufzubauen“, sagt er, „aus denen sind Freunde fürs Leben geworden.“ Baldur, sein ersten eigenen Greifvogel, lebt bei seinen Eltern in Bietigheim. „Hier hat er einen Spitzturm und einen See im Garten“, erzählt der Falkner, „die Nachbarn sind total begeistert von ihm“. Doch wo genau Baldur lebt, wolle er nicht erzählen. „Es gab schon Fälle, da sind Menschen über Zäune geklettert und haben die Vögel losgebunden“, sagt Baumgärtner. Grund dafür sei die sogenannte Anbinderhaltung der Tiere, also dass sie angebunden leben. „Bei mir haben sie es besser, als in der Natur. Hier sind sie geschützt, werden, wenn nötig, medizinisch versorgt und auch genährt“, betont der 22-Jährige.

Jeden Tag trainiert er bis zu vier Stunden mit Baldur. Das Training beinhaltet auch das Füttern und Wiegen des Vogels, aber eben auch das Fliegen. Gewogen werden muss Baldur, weil bereits zehn Gramm entscheiden können, ob er heute fliegt oder nicht. „Im Moment fliegt er noch mit Schnur, weil er mit seinen sechs Monaten noch zu jung ist“, sagt Baumgärtner, „aber wenn er älter ist, wird er frei fliegen.“ Und dann, betont er, werde Baldur schnell zeigen, ob er es bei ihm gut hat oder nicht: „Ohne Vertrauen geht es nicht und das muss man aufbauen. Wenn Baldur aber nicht bleiben will, dann fliegt er eben weg.“

Falkner sei er eben wegen seines Namens geworden, scherzt Falk Baumgärtner. Tatsächlich ist er fasziniert von Greifvögeln: „Es gibt kein freieres Geschöpf, als dieses.“ Allerdings fügt er hinzu, dass es drei Dinge benötigt, um Falkner zu werden: Professionalität, Charakter und Leidenschaft. „Und einen verständnisvollen Chef“, sagt der Vaihinger Straßenmeisterei-Mitarbeiter.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel