Urteil Messerstiche: Milde Strafe für Täterin

Bietigheim-Bissingen / Bernd Winckler 14.06.2018

Der Prozess, den die Schwurgerichtskammer des Heilbronner Landgerichts unter dem Vorsitzenden Roland Kleinschroth gegen die 24-jährige Frau führte, die in Bissingen zum Messer griff, war nicht vergleichbar mit ähnlichen Verfahren, in denen als Tatwaffe jeweils Messer eingesetzt wurden. Vor allem das Motiv dieser Tat hat es dem Gericht nicht leicht gemacht, ein gerechtes Urteil zu finden. Immerhin ging es um ein Verbrechen des versuchten Totschlags. Aber die Umstände sind recht skurril. Die Freundin der Angeklagten hatte mit dem späteren Opfer, einem verheirateten Mann aus Bietigheim-Bisssingen, ein Verhältnis. Und weil der Mann nicht bereit war, seine Ehefrau deswegen zu verlassen, wurde der Plan geschmiedet, ihm eine Messer-Abreibung zu verpassen. So jedenfalls sah es die Staatsanwältin (die BZ berichtete).

Am Abend des 23. Januar dieses Jahres ließ sich die 24-Jährige mit einem Taxi zu der Wohnung des Mannes bringen und versuchte zunächst in Vertretung ihrer Freundin mit ihm zu reden. Wie das Gericht nun im Urteil feststellt, geriet dieses Gespräch aus dem Ruder, und Täterin wie Opfer landeten auf dem Boden. Danach kam das mitgebrachte Küchenmesser zum Einsatz. Die Verletzungen am Rücken, dem Arm und vor allem dem Unterbauch hätten letztlich tödlich sein können, so das Urteil. Der Mann hatte Glück, dass keine schwerwiegenden inneren Organe betroffen waren. Er konnte der Frau nach den drei Stichverletzungen das Messer abnehmen, musste aber dennoch ins Krankenhaus.

Noch nie aufgefallen

„Liebe, Hass und Eifersucht“, hatte die Anklägerin bereits als Motiv genannt. Dem folgte die Schwurgerichtskammer jetzt auch, nachdem die Angeklagte dies in einem Geständnis bestätigte hatte. Man hätte bei einem Verbrechen des versuchten Totschlags in einen zweistelligen Bereich der Strafzumessung gehen können. Doch die Tatumstände und die Hintergründe, wie es überhaupt dazu kam, ließen nicht nur die Staatsanwältin, sondern auch die Richter der Heilbronner Strafkammer Milde walten, zumal die 24-Jährige bislang noch nie strafrechtlich aufgefallen war. Zugutegehalten hat man ihr auch die im Gerichtssaal abgegebene Entschuldigung bei dem Opfer – mit anschließender Umarmung.

Die verhängten zwei Jahre und zehn Monate hatte die Anklägerin beantragt. Auch die Verteidigung blieb mit ihren Anträgen in diesem Bereich. Nach Abzug der bislang erlittenen fünfmonatigen Untersuchungshaft könnte die Angeklagte schon nach Zweidrittel der Gesamtstrafe wieder frei kommen.

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