Windkraft Mehr Schub für Windenergie

Bündnis für erneuerbare Energien: Simone Peter, Bundesvorsitzende der Grünen (Mitte), und Catherine Kern (Grünen-Kandidatin für den Bundestag, rechts) treffen wpd-Vorstand Hartmut Brösamle (links) zum Gespräch.
Bündnis für erneuerbare Energien: Simone Peter, Bundesvorsitzende der Grünen (Mitte), und Catherine Kern (Grünen-Kandidatin für den Bundestag, rechts) treffen wpd-Vorstand Hartmut Brösamle (links) zum Gespräch. © Foto: Helmut Pangerl
Christiane Rebhan 19.08.2017

Knallgrün und mit einem ebenso grünen Fahrrad auf dem Dach parkt das Wahlkampfmobil von Simone Peter an der Rommelmühle in Bissingen. Hinten rechts steckt das Ladekabel aus der Stromtankstelle im Auto. Die Bundesvorsitzende der Grünen fährt zwar BMW, aber Hybrid.

Damit reiht sie sich ein in die E-Autos und Hybridfahrzeuge, die täglich in Bissingen an den Ladestationen hängen. Simone Peter ist am Freitag zum Gespräch in der Niederlassung der wpd-AG mit Catherine Kern, der Grünen-Bundestagskandidatin für den Wahlkreis Ne­ckar-Zaber, und Hartmut Brösamle, dem Vorstand des Windenergie-Unternehmens gekommen.

Durchschnittlich 100 neue Windenergieanlagen errichtet wpd im Jahr, doch Deutschland sei bedauerlicherweise nicht mehr der wichtigste Markt, sagt Hartmut Brösamle. Grund sei eine Änderungen im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). „Dadurch sind Arbeitsplätze in Deutschland bedroht“, sagt der wpd-Vorstand. Sein Unternehmen beschäftigt im Land rund 1500 Mitarbeiter.

Um die Arbeitsplätze zu sichern und die Chance auf die Energiewende nach der Bundestagswahl voranzutreiben, brauche es wieder mehr Akteursvielfalt bei den Ausschreibungen. Wenn Windenergieanlagen gebaut werden in Deutschland, wird nicht der Bau eines Windrads ausgeschrieben, sondern es erfolgt eine Versteigerung von Megawatt. Pro Jahr sind seit diesem Jahr 2800 Megawatt auf dem Markt. Das Unternehmen, dessen Anlage diese Strommenge am günstigsten produzieren kann, erhält den Zuschlag.

Bevorzugt werden bei diesem Vorgang Bürgerenergiegesellschaften, wie die in Ingersheim. Sie benötigen – anders als kommerzielle Anbieter – keine vorhandenen Emissionsschutzgenehmigung. Manche dieser Windenergieanlagen würden dann nie realisiert, somit bleibe man hinter den Vorgaben beim Ausbau des Anteils der Erneuerbaren Energien zurück. Dieser beträgt aktuell etwa 35 Prozent des Stromverbrauchs in Deutschland. „Durch diese Vergaben zerstören wird den Wettbewerb und bringen unsere deutschen Firmen in Bedrängnis“, sagt Simone Peter. „So wie es jetzt läuft, wird die Bundesregierung ihre Klimaziele krachend verfehlen“, ist sich die Grünen-Vorsitzende sicher.

Ursprünglich hatte sich der Bund das Ziel gesetzt, dass der Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch spätestens 2030 mindestens 50 Prozent betragen solle. Die Deckelung beim Ausbau der Erneuerbaren sei schnell aufzuheben, um die in Paris vereinbarten Klimaschutzziele zu erreichen, so die gemeinsame Forderung von Peter und Brösamle. „Sonst verlagert sich das Geschäft weiter nach Asien, wie es bei der Photovoltaik bereits geschehen ist“, befürchtet der wpd-Vorstand, dessen Unternehmen der größte Planer von Windparks im Land ist. „Das wäre der Genickbruch für unsere heimischen Firmen“, sagt Peter. Die Grünen-Politikerin findet, die Große Koalition bremse die Energiewende aus. „Uns fehlt eine starke politische Lobby“, schließt Hartmut Brösamle.

Info Der nächste Wahlkampftermin der Grünen-Kandidatin Catherine Kern ist am Montag, 4. September, ab 16 Uhr in Bietigheim bei der Firma Bär.