Gericht Mann filmt sich bei sexuellem Übergriff

Ludwigsburg / Heike Rommel 14.09.2018

Die Strafabteilung des Ludwigsburger Amtsgerichts hat einen 48-jährigen Mann aus dem Landkreis zu einem Jahr und sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass sich der Mann bei einem Trinkgelage in seiner Wohnung über eine widerstandslose 40-Jährige her gemacht und dabei mit dem Handy gefilmt hat. Das Video wurde verbreitet. „Schuldig im Sinne der Anklage“, befand die Strafrichterin. Sie war nach der Beweisaufnahme überzeugt, dass der Mann in der Nacht vom 8. auf den 9. September 2016 die Lage der schlafenden oder bewusstlosen Frau ausgenutzt hat. Ob diese K.O.-Tropfen in ihr Glas bekommen oder ob sie zu viel Alkohol getrunken hatte, war vor Gericht zweitrangig.

Feier nach Kneipenbesuch

Die Frau war in einer örtlichen Kneipe auf eine kleine Feier in die Wohnung des Angeklagten eingeladen worden, wo sich zwei weitere männliche Gäste befanden. Es wurde die ganze Nacht durch getrunken. Die 40-Jährige schlief ein.

In den frühen Morgenstunden, das ergab die Beweisaufnahme vor Gericht, fasste der Angeklagte die nackt da liegende Frau am ganzen Körper an und versuchte schließlich, in sie einzudringen, was ihm aber nicht gelang. Gleichzeitig filmte er seinen sexuellen Übergriff mit dem Handy.

Dem Gericht lagen Bilder und Videos als Beweismittel vor. Als das Opfer zu sich kam, wusste es nicht, was passiert war und sie war allein in der Wohnung. Die Frau kleidete sich an und ging. Ihre Nichte, von der sie als Zeugin und Nebenklägerin sagte, diese hätte immer nur Geld von ihr gefordert, suchte sie nach der Tat bei der Arbeit auf. Als die 40-Jährige ihrer Nichte kein Geld mehr geben wollte, soll dieses gesagt haben, „ich möchte dir etwas zeigen“.

Video weiter geleitet

„Ich war geschockt“, schilderte die 40-Jährige, wie ihr ein Sex-Video vorgeführt wurde. Dieses war sogar an ihre eigene Nichte weiter geleitet worden. Sie bat den Angeklagten, die Aufnahmen auf seinem Mobiltelefon zu löschen, was dieser aber nicht tat. Er schickte sie immer weiter. Aus der Aussage, dass der Angeklagte vor Gericht behauptete, er habe einmal eine Beziehung zu der 40-Jährigen gehabt – was diese nicht bestätigte – konnte die Straf­richterin ein Motiv herleiten: Dieser hätte sich vielleicht eine Beziehung zu der Frau „gewünscht“. „Die Beweisalage ist erdrückend“, forderte Erster Staatsanwalt Dr. Andreas Henrich. In seinem Plädoyer forderte er zwei Jahre und sechs Monate Haft für den nicht geständigen Angeklagten.

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