Reformationsjubiläum Luther zwischen Wein und Schweinebraten

Die Veranstalter bei der Ausgabe der Suppe.
Die Veranstalter bei der Ausgabe der Suppe. © Foto: Werner Kuhnle
Bietigheim-Bissingen / Julia Schweizer 04.02.2017

Ein ungewöhnlicher Duft zieht durch die Martin-Luther-Kirche, man hört das Geklapper von Geschirr und Servierwagen, die über die Fliesen rollen. Hin zu den langen Tischreihen, an denen die rund 80 Gäste schon den ersten Gang verspeist haben: Fenchelcremesuppe „Hildegardis“, ein Rezept aus dem elften Jahrhundert. Und nicht nur durch das Essen sollen sich die Besucher in eine andere Zeit zurückversetzt fühlen, denn zwischen den mittelalterlich geprägten Gängen präsentieren der Schauspieler Rüdiger Erk und Pfarrerin Eva-Maria Freudenreich Luthers Tischreden. Der Abend ist eine der drei großen Veranstaltungen, mit denen sich die Evangelische Kirchengemeinde Bissingen am Programm zum Reformationsjubiläum beteiligt.

„Wir haben uns überlegt, was wir anbieten können“, erklärt Pfarrerin Steffi Gauger den Hintergrund. Irgendjemand habe die Idee gehabt, die dann im Ökumeneausschuss für gut befunden worden sei. Denn alleine wäre der Abend vermutlich auch gar nicht zu stemmen gewesen. Und so wurde die Frauengruppe „Die Katharinas“, die schon den ganzen Mittwoch über vorgekocht hat, wie Sandra Hellwig erklärt, von Gläubigen anderer Gemeinden unterstützt, etwa von einem Metzger, der bei den Baptisten ist. „Das Küchenteam ist wirklich toll“, schwärmt Gauger, während einige Männer als Zwischengang Teller mit Bauernbrotscheiben mit Schmalz, Bohnen- und Zwiebelmus servieren, dazu gibt es selbst gekelterten Gewürzwein.

Ebenso wichtig wie das Essen und die kurzen schauspielerischen Einlagen ist für die Veranstalter, dass die Gäste miteinander ins Gespräch kommen. Das Haus Luthers sei sehr gastfreundlich gewesen, weiß Gauger, oft sei dann bei Tische philosophiert worden. Mehrere Bände umfassen die Tischreden, sagt Erk, der für den Abend einzelne davon zu einem kleinen Stück zusammengefasst hat. „Für mich ist es interessant, sich mit literarischen Themen zu beschäftigen. Das finde ich sehr bereichernd“, sagt er. Und auch für Gauger brachte die Beschäftigung manches Neues: „Luther hat eigentlich eine gute Ehe geführt. Aber sein Frauenbild in den Texten ist schon sehr speziell“, sagt sie. Bei anderen Beiträgen wiederum sei auch heute noch viel Modernes dabei.

Doch nicht nur diese Mischung kommt an, immer wieder sorgen einige der Formulierungen für Heiterkeit an den Tischen. Auch die Kombination mit dem Essen ist gefragt, nicht alle Anmeldungen konnten berücksichtigt werden. Doch vielleicht gibt es eine zweite Chance: „Wir haben überlegt, dass wir einen solchen Abend im Herbst nochmals machen“, sagt Gauger. Und dann könnte es wieder nach Gerichten wie Fenchelsuppe, Schweinebraten oder Sauerkraut duften.

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