Marktplatz Literatur und Politik beim Arkadenfest

Beim Arkadenfest des Sängerkranz auf dem Marktplatz gab es auch ein Bürgergespräch mit Oberbürgermeister Jürgen Kessing (rechts), moderiert vom Vorsitzenden Karl-Heinz Menrath (links) und einen Vortrag des Mundartdichters Rolf Gerlach (Mitte).
Beim Arkadenfest des Sängerkranz auf dem Marktplatz gab es auch ein Bürgergespräch mit Oberbürgermeister Jürgen Kessing (rechts), moderiert vom Vorsitzenden Karl-Heinz Menrath (links) und einen Vortrag des Mundartdichters Rolf Gerlach (Mitte). © Foto: MARTIN KALB
Zum 44 / Günther Jungnickl 27.08.2018

Zum 44. Mal lud der Sängerkranz Bietigheim am Wochenende zu seinem Arkadenfest ein. Ehrengast war diesmal am Festsonntag der Pleidelsheimer Mundartdichter Rolf  Gerlach. „Ich bin ein literarischer Spätzünder“, bekannte der Ehrengast, „denn mit den Gedichten habe ich erst angefangen, als ich schon 50 Jahre alt war“. Und dann war es für Rolf Gerlach eher ein Zufall denn seine Berufung, zumal er aus rein privaten Gründen zur Feder gegriffen hatte. Aber umso schneller begriff er, dass er gerade dafür ein Talent hatte und bis heute sind daraus nicht weniger als acht Bücher entstanden mit Titeln wie „Scho bassiert“ (1994), „Nix für oguat“ (2003) oder „D‘r Lehmbolla“ (2014). Für sein Engagement um den schwäbischen Dialekt bekam er bereits im Jahr 2005 das Bundesverdienstkreuz verliehen, auf das er besonders stolz ist.

Zum diesjährigen Arkadenfest hatte der 80-Jährige  seine gleichaltrige Frau Gisela (Nickname „Gigi“) mitgebracht, die auch den Band acht mitgestaltet hat, der in diesem Jahr herausgegeben wurde und durch Karikaturen seines Leib- und Magenzeichners Peter Ruge den rechten Pfiff bekommen hat. „Em Paradies“ ist sein Titel und ist überwiegend seinem zweiten Hobby, dem Kochen nämlich mit Geschichten wie „Schwäbischen Köstlichkeiten“, dem „Rostbrâta“ und natürlich dem Nationalgetränk der Schwaben („Onser Wei“)  gewidmet. Denn zum Dichten, gesteht der Mundartliterat dem Vereinsvorsitzenden Karl-Heinz Menrath im Zwiegespräch, gehöre auch immer ein ordentliches Glas Wein dazu.

Menrath ist zwar nur ein Reingeschmeckter, dessen  Gehversuche auf Schwäbisch immer noch verbesserungsbedürftig sind, doch die beiden Profis  verstehen sich prächtig. Zumal sich beide glänzend ergänzen, der Interviewer Menrath dem Dichter Zeit immer genug gibt dazwischen „Kostproben seines Schaffens“ anzubringen und somit die mittägliche Stunde zu einer durchaus vergnüglichen zu machen.

Und so bringt Gerlach die Reminizens an „Mei Babba“ ebenso an wie die ans „Bäsle Ruth“ oder die Aufklärungsgeschichte aus den 90er Jahren namens „D‘r Rossbolla“. Ob er denn dazu ein schwäbisches Reimlexikon brauche, will Menrath wissen. Das braucht der ehemalige Lehrer mitnichten, denn „die schwäbischen Wörter habe ich im Kopf“ und wenn‘s gut läuft, „habe ich sie auch sofort parat und benötige nicht einmal eine Korrektur“. Aber auch Gegenbeispiele gebe es und dann wandere „eine Seite nach der anderen auch schon mal im Papierkorb“.

Wenn eines missfällt an diesem Mittag unter den Arkaden, dann ist es der enorme Lärmpegel, der zuweilen entsteht. Darunter hatte schon kurz zuvor Oberbürgermeister Jürgen Kessing leiden müssen, als er zu seinem zwölften kommunalpolitischen Bericht rund ums Rathaus ansetzte. Dabei ging es darum, wie voll wider alle demoskopischen Voraussagen die Bietigheimer Kindergärten sind und wie teuer im Zeichen des gegenwärtigen Baubooms Schulbauten werden können bis hin zu allgegenwärtigen Verkehrsproblemen.

Natürlich ließ Kessing auch sein Engagement als Präsident des Deutschen Leichtathletikverbandes und die gerade in Berlin beendete Europameisterschaft, für die er extra Urlaub genommen habe. Auch die Stadt Bietigheim profitiere davon, meinte er, denn jedes Mal werde mit seiner Namensnennung die Stadt Bietigheim verbunden. „Wo liegt denn das?“ werde er dann jeweils gefragt. Seine Antwort: „Unser bekanntester Vorort ist Stuttgart.“ Auf jeden Fall sei auch dieses Arkadenfest wieder ein voller Erfolg gewesen, lobt trotz allem Vereinsvorsitzender Menrath. Denn nur beim Aufbau des Festes am Samstag hätten sich die etwa 50 Helfer nasse Füße geholt, schon am recht kühlen Samstagabend seien die etwa 250 überdachten Sitzplätze vollständig belegt gewesen. Sodass an den beiden Tagen rund 1500 bis 2000 Gäste verzeichnet werden konnten.

Drei Chöre

Neben den Erlösen aus den Sängerkranz-Konzerten sind die des Arkadenfestes neben den Mitgliedsbeiträgen die einzigen finanziellen Einkünfte des Vereins. Und der unterhält immerhin drei Chöre: Den großen gemischten Chor mit etwa 60 Mitgliedern und den Weinliederchor „Trällinger“ (Dirigent Tobias Merkle) sowie die „Singing Kids“ (Dirigentin Larissa Schwarzenberger).

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