Eröffnung Leuchtturm der Digitalisierung steht in Bietigheim

Die Schulleiter Stefan Ranzinger (Berufliches Schulzentrum) und Andrea Theile-Stadelmann (Carl-Schaefer-Schule) sowie Landrat Dr. Rainer Haas und Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut (von links) nahmen am Mittwoch die Lernfabrik 4.0 in Betrieb.
Die Schulleiter Stefan Ranzinger (Berufliches Schulzentrum) und Andrea Theile-Stadelmann (Carl-Schaefer-Schule) sowie Landrat Dr. Rainer Haas und Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut (von links) nahmen am Mittwoch die Lernfabrik 4.0 in Betrieb. © Foto: Martin Kalb
Bietigheim-Bissingen / Andreas Lukesch 05.10.2017

Der Start in den digitalen Praxisunterricht 4.0 am Beruflichen Schulzentrum (BSZ) in Bietigheim begann am Mittwoch analog. Bürgermeister Joachim Kölz hatte eigens zu musikalischen Untermalung einer Schülerperformance in seinem Plattenschrank gekramt, dort eine Original-Singleversion aus dem Jahr 1978 des Kraftwerk-Songs „Die Roboter“ hervorgezogen und auf einem mit sichtbaren Kellerlagerungsspuren versehenen Plattenspieler des BSZ abgespielt.

Ein passender Titel, auch wenn der Kontrast zu dem, was dann anschließend in einem nagelneu hergerichteten Schulungsraum von Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut eröffnet wurde, nicht hätte größer sein können. „Das ist die Zukunft“, hatte die Ministerin zuvor bei ihrer Rede vor Politik- und Wirtschaftsvertretern sowie den Mitgliedern des Kreis-Schul-, Kultur- und Europaausschusses die Dimension der Lernfabrik 4.0 umrissen.

Modelle aus dem 3D-Drucker

Künftig werden Schüler und Auszubildende des Beruflichen Schulzentrums und der Carl-Schaefer-Schule in Ludwigsburg, aber auch Erwachsene in der Weiterbildung, in der Lernfabrik 4.0 erfahren, wie die digitale Vernetzung industrieller Entwicklungs- und Produktionprozesse funktioniert. In der Minifabrik zur automatisierten Herstellung komplexer Produkte hat Hersteller Teamtechnik in Freiberg die modernste verfügbare Technik eingebaut.

Neben der Fertigungsstraße mit kollaborierendem Robotersystem und Lasertechnik gehören zur Lernfabrik acht Grundlagenlabore, in denen die Schüler Verfahrens- und Fertigungsschritte erproben und programmieren können. Produziert werden Modellautos, deren Karosserien aus dem 3D-Drucker kommen.

Mit der Lernfabrik profitiere nun auch der Landkreis Ludwigsburg von einem der Leuchtturmprojekte für Digitalisierung und berufliche Bildung, sagte die Ministerin bei der Eröffnung mit rund 130 Gästen. „Es freut mich sehr, dass der Landkreis Ludwigsburg die Initiative ergriffen und dieses beispielhafte Projekt auf den Weg gebracht hat“, so Hoffmeister-Kraut. In der Digitalisierung, auch vierte industrielle Revolution genannt, sah die Wirtschaftsministerin mehr Chancen als Risiken, zumal für einen Hochlohnstandort wie die Region Stuttgart. Baden-Württemberg sei Leitmarkt und Leitanbieter bei Industrie 4.0, ein technischer Fortschritt, der bereits für mehr Arbeitsplätze gesorgt habe.

1,26 Millionen Euro

Die Lernfabriken sind für die Landesregierung nicht nur „Demonstrationszentrum für Industrie 4.0“, sondern auch ein wesentlicher Baustein dafür, dass die digitalisiert Industrie im Land die Fachkräfte bekomme, die sie brauche.

Für Landrat Dr. Rainer Haas unterstreicht die Lernfabrik zudem die hohe Standortqualität des Landkreises Ludwigsburg, und Schulleiter Stefan Ranzinger sieht in ihr eine Leistungsschau der heimischen Industrie. Letzteres bezog sich auch auf die breite finanzielle Unterstützung regionaler Betriebe bei der Finanzierung der 1,26 Millionen Euro teuren „Pionierarbeit“, wie sich Haas ausdrückte.

Info Am Samstag, 7. Oktober, veranstaltet das Berufliche Schulzentrum von 10 bis 15 Uhr einen „Tag der offenen Lernfabrik“.

www.bsz-bietigheim.de

Kosten der Lernfabrik 4.0

Von den 1,26 Millionen Euro, die die Lernfabrik 4.0 gekostet hat, übernimmt der Landkreis 620 000 Euro und das Land eine halbe Million und die Wirtschaft 140 000 Euro. Insgesamt beteiligten sich 16 Unternehmen aus dem Landkreis, darunter mit hohen Beträgen unter anderem Dürr und Trumpf, an den Investitionskosten. Der Landkreis trägt darüber hinaus die laufenden Kosten der Nutzung. Für die Lernfabrik gibt es außerdem neun Kooperationspartner, die teilweise auch Mitglied im Beirat sind, der zur ständigen Begleitung und Weiterentwicklung der Lernfabrik 4.0 gegründet wurde. Insgesamt gibt es mehr als zwei Dutzend Lernfabriken in Baden-Württemberg. bz