Bereits zum 18. Mal veranstalteten die Stadt Bietigheim-Bissingen in Zusammenarbeit mit den Fördervereinen der Waldschule Bissingen, der Gustav-Schönleber-
Schule, den Freundeskreisen der Schule im Sand und der Realschule im Aurain, der Otto-Rombach-Bücherei sowie der BZ das Literaturprojekt „Deutsch geht gut“. Von Mittwoch bis Freitag waren vier Autoren an Bietigheim-Bissinger Schulen zu Besuch in die Klassenstufen acht bis zehn mit dem Ziel, bei den Jugendlichen die Neugier an der deutschen Sprache zu wecken. In einer öffentlichen Lesung am Mittwochabend in der Otto-Rombach-Bibliothek durften Interessierte den vier Erzählern zuhören.

Die Lesung eröffnete Jad Turjman. Geboren 1989 im Damaskus, musste er vor sechs Jahren aus Syrien flüchten. Nach seiner Flucht landete der Syrer in Österreich, wo er nach vielen Jahren Pause das Schreiben wieder aufnahm. „Mit dem Schreiben wollte ich mir Gehör verschaffen“, erzählt Turjman. „Mein Traumatherapeut riet mir außerdem, meine Erlebnisse aufzuschreiben.“ Jad Turjman las aus seinem Buch „Wenn der Jasmin auswandert“ vor.

Eine Szene daraus beschreibt den Moment, als er im Wohnzimmer seines Hauses in Syrien seiner ganzen Familie verkündete, dass er für den Krieg ins Militär einberufen wurde. „Meine Familie und meine Freundin Sarah wussten, was das bedeutete.“ Turjman beschreibt im Buch, wie sich die Augen seiner Freundin mit Tränen füllten. Verzweiflung, Angst und Schmerz zeigten sich darin. „Sie wusste, dass auf uns eine Zeit der Veränderung zukommen würde.“ Die Jasminblüten, die ihn so sehr an seine Heimat erinnerten, legte er ihr täglich auf ihren Bürotisch, um sie mit dem unvergleichlichen Duft zu empfangen.

Die einzige Frau im Vierergespann war Aygen-Sibel Çelik. In Istanbul geboren und in Frankfurt aufgewachsen, schreibt die Türkin Kinder- und Jugendromane. In der Lesung präsentierte sie einen kurzen Ausschnitt aus ihrem Buch „Fußball, Gott und echte Freunde“. Die Geschichte, geschrieben aus der Sicht eines allwissenden, ja fast göttlichen Erzählers, beschreibt ein Erlebnis dreier Freunde: Christopher, David und Kerim. Sie gehören unterschiedlichen Religionen an – dem Christentum, dem Judentum und dem Islam – und sind beste Freunde. Alle drei lieben es, Fußball zu spielen. Bei einem Turnier, müssen die Mannschaften der jeweiligen Religionen gegeneinander antreten. Toll finden die Jungs das nicht. Plötzlich schaltet sich während des Turniers über die Lautsprecher ein Kommentator ein, der aber nirgends zu sehen ist. Ist es Gott? Çelik beschreibt leicht, locker und gekonnt, wie Religionen miteinander interagieren und wie sie funktionieren. Und wer die wenigsten Vorurteile hat: Kinder.

Leben im Balkankrieg

Eine Ausnahme bildete Boris Stijelja, kein Autor, sondern ein Comedian mit kroatisch-serbischen Wurzeln. Er las nicht vor, vielmehr machte er Stand-up-Comedy und erzählte sowohl etwas fürs Herz als auch für die Lachmuskeln. Seit 15 Jahren lebt er in Mannheim. Seine Kindheit verbrachte er aber mit seiner kroatischen Mutter und seiner Oma in Kroatien. Stijeljas Vater, ein Serbe, arbeitete als Gastarbeiter in Deutschland. „Da ich meinen Papa kaum sah, schenkte er mir alles, was ich haben wollte“, erzählt der Comedian. Das Kinderzimmer voll mit Spielzeug lebte er mitten im Balkankrieg. „Die Alarmsirenen waren immer so schrecklich.“

Scherzend erzählt er, wie alle Kinder hofften, dass der Alarm zwischen 12 und 14 Uhr schlug. „Da kochten alle Mamas gerade immer und mussten dann die Kochtöpfe mit in den Bunker nehmen – ein Buffet vom Feinsten“. Nach seiner Schauspielausbildung in Zagreb verschlug es den Künstler dann nach Mannheim.

Auch Adnan Maral machte bei dem Literaturprojekt mit. Er stellte sein aktuelles Buch „Süperopa“ vor. Mit nur zwei Jahren kam der gebürtige Türke nach Frankfurt und ist heute als Schauspieler bekannt aus Serien wie „Türkisch für Anfänger“. In seinem bereits fünften Buch geht es um einen türkischen Mann namens Kenan. Er zieht zu seinem Sohn, nachdem seine Frau gestorben ist. Und die beiden kommen überhaupt nicht miteinander klar. Kenan wird zum „Süperopa“, als er in einem Labor, in dem er als Hausmeister arbeitet, mit Viren infiziert wird. Diese Viren machen ihn extrem stark. Und damit tut er viel Gutes.

Nach den Autorenlesungen finden zehn Wochen lang Schreibwerkstätten an den beteiligten Schulen statt. Die Schüler der Realschule im Aurain, der Realschule Bissingen, der Waldschule, der Gustav-Schönleber-Schule und der Schule im Sand, dürfen freiwillig daran teilnehmen.