Mit einem Pappkarton aus dem Mülleimer machten die beiden Bietigheim-Bissinger Baran Rüzgar und Matthias Medrow bei einem FC-Arsenal-Spiel in London auf sich aufmerksam. Auf dem Schild stand: „Bernd, unser Bietigheimer, bitte schenk uns Dein Trikot!“ Und tatsächlich, der Torhüter reagierte und schenkte den beiden sein Trikot.

Eigentlich wollten der 21-jährige Rüzgar und der 20-jährige Medrow ihren London-Urlaub nur mit einem Arsenalspiel kombinieren und hatten sich nicht ausgemalt, den Bietigheimer Profifußballer dabei zu treffen. „Ein Spiel wollten wir uns auf jeden Fall anschauen“, sagt Rüzgar, der aus Bietigheim-Buch kommt. Es sind sogar zwei geworden. Beim ersten allerdings saßen sie ganz oben auf der Tribüne – keine Chance für eine Interaktion mit Bernd Leno. „Beim zweiten waren wir in der siebten Reihe. Wir dachten uns, wenn wir schon so nah sind, warum versuchen wir es dann nicht?“ Und so entstand die Idee: Einen Stift hatten die beiden dabei, doch woher sollte das Plakat kommen, dass für die nötige Aufmerksamkeit sorgen sollte? Die beiden sind kurzerhand um das gesamte Stadion gelaufen und haben in den Papiermülltonnen nach einem Stück Pappe gesucht. Mit Erfolg – ein Karton war schnell aufgerissen und beschriftet.

Zunächst nur Daumen hoch

Als die Mannschaft mit Leno dann zum Aufwärmen aufs Spielfeld kam, war den beiden klar, so einfach wird es nicht. Denn ihre Sitzplätze waren genau auf der gegenüberliegenden Seite. Mit etwas Glück und unachtsamem Security-Dienst schafften sie es, die Seite zu wechseln. „Eigentlich klappt das nicht, weil am Eingang immer Wächter sind“, erklärt Rüzgar, „zufälligerweise war an dem Tag keiner dort.“ Die beiden Hobby-Fußballer nutzten die Chance und riefen nach ihrem Profi-Vorbild. Andere Fans stimmten in den Sprechgesang mit ein und tatsächlich bemerkte Leno die Besucher aus seiner Heimatstadt. „Er hat dann die Hand mit Daumen hochgestreckt“, erinnert sich Baran Rüzgar.

Das Spiel verfolgten sie von ihren Plätzen aus. „Das Spiel hat richtig gut geklappt. Hätte er zwei, drei Tore kassiert, wäre er nicht gut drauf gewesen.“ Tatsächlich aber gewann der FC Arsenal 5:1 gegen Bournemouth. Bernd Leno war also in Bestlaune und die beiden Bietigheimer suchten sich nach dem Spiel den Weg zum Katakombeneingang, der zur Kabine führt. „Alle Spieler sind gleich gegangen“, nur Leno ließ sich Zeit. „Er hatte den Blick immer wieder auf uns gerichtet und wir haben gehofft er sieht uns“, erinnert sich der Student Rüzgar noch genauso begeistert, wie am Spieltag. Doch Bernd Leno kam nicht zu den beiden, rief ihnen aber zu: „Eine Minute“. „Er ist dann reingegangen und wir sind ausgeflippt. Wir haben uns so gefreut.“ Der Arsenal-Spieler hielt Wort und kam zurück. „Seine erste Frage war, ob wir wirklich aus Bietigheim kommen“, sagt Rüzgar.

Leno nahm sich viel Zeit für die zwei aus seiner Heimatstadt, redete mit ihnen, wie könnte es anders sein, über Fußball. Dabei stellten sie fest, dass sie alle drei bereits denselben Jugendtrainer hatten. Um sie herum erstaunte Gesichter, der englischen Fans, die kein Wort verstanden, erinnert sich der Fußball-Fan. Der Höhepunkt war das Überreichen Lenos Trikot und die Fotos mit dem Fußballer. „Danach kamen alle Fans und wollten Fotos mit dem Trikot.“ Nun haben Baran Rüzgar und Matthias Medrow sozusagen geteiltes Sorgerecht für das begehrte Trikot. Die beiden Studenten wechseln jedes Semester ab. So hängt es mit den Tickets in einem Bilderrahmen an der Wand. „Das Trikot ist eigentlich Nebensache, der Moment war besonders.“

Für Rüzgar und Medow ist es deswegen besonders, weil Bernd Leno einer von ihnen ist. Leno stammt aus Bietigheim-Bissingen, begann mit sechs Jahren beim SV Germania Bietigheim mit dem Fußballspielen und wechselte 2003 in die Jugendabteilung des VfB Stuttgart. 2011 unterschrieb er dort einen Profivertrag. Zur Saison 2018/19 wechselte der 27-Jährige von Leverkusen nach London. „Nächstes Mal bekommen wir vielleicht Özils Trikot“, sagt Rüzgar scherzhaft. Der spielt ebenfalls bei Arsenal.