Lehrer, Eltern, Eisenmann

Andreas Lukesch  macht sich bei Lehrern und Eltern und Ministerinnen unbeliebt.
Andreas Lukesch macht sich bei Lehrern und Eltern und Ministerinnen unbeliebt. © Foto: Andreas Lukesch
Andreas Lukesch 13.01.2018

Wieder einmal kommt alles zusammen. Während sich der städtische Haushalt noch unter der Last der Schulsanierungen beugt, muss die Stadt auch noch das „Es-gibt-noch-Jugendliche,-die-lesen-auf-Papier-gedruckte-Bücher-oder-tun-zumindest-so“-Projekt „Deutsch geht gut“ übernehmen. Und als ob das nicht schon genug der Herausforderung wäre, kommt auch noch die baden-württembergische Oberlehrerin, Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann, nach Bietigheim-Bissingen, um sich ein Lagebild ausgerechnet in einer Gemeinschaftsschule zu machen. Sie haben richtig gelesen: Gemeinschaftsschule. Ein Wort, das einer CDU-Politikerin so geschmeidig runtergeht wie schimmliger Lebertran. Ja gut, das ist ein politisches Signal. Eisenmann will schließlich beim anschließenden Klassentreffen mit Pädagogen im Kronenzentrum nicht schon wieder wegen dieser Schulform zerpflückt werden, wo ihr doch erst im Herbst vorgeworfen wurde, sie benachteilige das SPD-Lieblingsprojekt. So eine Kultusministerin hat aber auch kein schönes Leben. Nicht nur, dass man lobende Worte für die Gemeinschaftsschule finden muss, man hat es ständig mit den schwierigsten Menschen überhaupt zu tun: Lehrern und Eltern (oft auch Journalisten, was die Sache nicht besser macht). Es ist doch so: Während Lehrer die Tatsache, nie aus der Schule herausgekommen zu sein, mit dem Habitus einer Wissens­allmacht verdrängen und sich damit in Konkurrenz zu Journalisten befinden, reagieren Eltern bis zu einem gewissen Alter ihrer Brut rein instinktiv. Das heißt, sie beißen – unbewegt von den Interessen der Allgemeinheit – alles weg, was den Fortbestand ihrer Sippe gefährden könnte. Verständlich, auch wenn manche über weite Strecken der kindlichen Entwicklung in erster Linie Lehrer als Bedrohung ansehen. Denn die geben einem, sagen wir mal eher praktisch-handwerklich orientierten Kind mit zurückhaltendem Interesse an intellektuellen Ausreißern aus purer Angriffslust und bewusster Ignoranz des ach so sensiblen Innenlebens jenes Zöglings miese Noten in geisteswissenschaftlichen Fächern. Die Gemeinschaftsschule kennt das nicht. Die nimmt jeden mit, auch wenn er sich noch so dämlich anstellt, führt ihn sogar zum Abitur, sollte man dies irgendwann einmal in der Nachfolge Eisenmanns auch an Gemeinschaftsschulen ablegen können. Bleibt die Frage: Kann die Ministerin an der Gemeinschaftsschule etwas lernen? Wahrscheinlich schon, denn wie gesagt, die nimmt jeden mit – so oder so.

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