Bietigheim-Bissingen Lebensläufer in allen Lagen

Dieter Baumann hatte Spaß - das galt auch fürs Publikum.
Dieter Baumann hatte Spaß - das galt auch fürs Publikum. © Foto: Martin Kalb
SUSANNE YVETTE WALTER 31.12.2015
Einmal vom Läufer zum Kabarettisten und wieder zurück: So könnte man Dieter Baumanns sportives Geplauder im Bietigheimer Kulturkeller umschreiben. Der Abend war Teil des Programms zum Silvesterlauf.

Dieter Baumann, einst professioneller Läufer, heute Läufer und Kabarettist, hält mit der olympischen Flagge bewaffnet Einzug im Bietigheimer Kulturkeller. Dort nimmt er am Dienstagabend spielerisch alle Hürden und springt mit seiner Sicht auf das olympische Dorf direkt in jedermanns Lachzentrum. Und das kam schon vorab an, denn bei seinem Gastspiel "Die Götter und Olympia" war der Kleinkunstkeller voll.

Die Götter im sportlichen Olymp sind die Funktionäre. Das lernt man schnell. Jeder Sportler bekommt bei seinem Einzug ins olympische Dorf fünf Kondome gratis, denn die Götter sind ja durchaus interessiert daran, dass ihre olympische Familie auf Erden sich wohlfühlt. Das nimmt man schmunzelnd so hin, aber dass Anstecknadeln am Hut dem Sportler so viel bedeuten wie dem Funktionär die Medaille, das kann der Außenstehende nur schwer nachvollziehen.

Die größte schwäbische Plaudertasche aus dem olympischen Dorf war als Läufer einst wirklich dabei. Baumann baut eine Brücke auf humorigen Pfeilern zwischen uns und den heiligen Hallen von Olympia, und macht Schluss mit der Götteranbetung.

Beklatscht werden will er selbst nur in homöopathischen Dosen - auch wenn er seine überzeugende Bühnenpräsenz sichtbar genießt. Viel wichtiger als die Bestzeitler einmal mehr zu loben, ist ihm der Kontakt zum Publikum. So kurz vor dem Silvesterlauf gibt es da auch viel Gesprächsstoff. "Ich glaube, ich hatte noch nie ein Programm, in dem ich so viele gefragt habe", grinst der Kabarett-Sportler in Bestform und nimmt Tuchfühlung mit erfahrenen Läufern aus dem Publikum auf, und mit Petra, die jeden Meter mit dem Auto fährt.

Baumann führt vor, dass der Sinn des Lebens nicht immer im neuen Aufstellen von Bestzeiten bestehen kann und stellt stattdessen das Miteinander an die erste Stelle. Wer ihn darauf gebracht hat? Seine Oma natürlich, die ihn, als er gefeiert heimkehrt, begrüßt: "Bua, jetz schaffsch aber mol was gscheits!"

Die Show ist voll von hintergründigem Fachwissen, das Baumann allerdings niemals peinlich in den Vordergrund spielt. Vielleicht erwartet er manchmal ein wenig zu viel in seinem sportlichen Universum. Und doch schafft Dieter Baumann noch vor der Pause den Sprung von Olympia in den Hausfrauen-Sport. Natürlich beginnt er beim Nordic Walking, traditionelle Frauendomäne - immer vier nebeneinander oder zumindest zwei, so dass kaum einer mehr vorbei kann, beobachtet Baumann. "Ich hätte ersticken können, bevor die mich hintendran wahrgenommen hätten." Da hilft nur Jazztanz und Aerobic à la Baumann - eine kesse Sohle legt er noch mit links aufs Parkett, ohne sich zum Affen zu machen.

Der Beifall rauscht wie bei der Eröffnung der olympischen Spiele. Zum Bedauern unseres Helden finden sie nicht in Deutschlands Norden statt. Die Götter sind trotzdem nicht weit weg an seinem Abend in Bietigheim.