Bereits im Mai teilte der Trägerverein des Hospizes Bietigheim-Bissingen mit, dass er von der Gartenstraße 40/1 in Bietigheim-Buch in das Haus Lindenhain ziehen wird (die BZ berichtete). Auch der Gemeinderat stimmte dem Umzug zu. Doch was passiert dann mit den Räumen in der Gartenstraße? Rudolf Bayer und Thomas Reusch-Frey haben die Antwort darauf.

Die Vorsitzenden des Stiftungsrats für die Diakoniestation Bietigheim-Bissingen wurden vom Stiftungsrat beauftragt, das Gebäude zu kaufen, um es dann zu einer altersgerechten Wohngemeinschaft umzubauen. Noch gibt es im Landkreis Ludwigsburg keine solche ambulant betreute Wohngemeinschaft, so die Bestandserhebung von 2018 des Kommunalverbands für Jugend und Soziales Baden-Württemberg (KVJS). Allerdings werde Ende des Jahres ein Gebäude in Kirchheim gebaut, in dem eine Pflege-WG für demente Menschen eingerichtet wird. Auch im Kirbachtal sei man auf der Suche nach einem geeigneten Bauplatz für eine Pflege-WG. „Wir hoffen, damit ein Signal zu setzen, wie man mit Menschen im Alter auch umgehen kann“, erklärt Bayer das neue Projekt in Bietigheim-Bissingen. Es soll dabei eine attraktive Alternative zum Pflegeheim sein. Ziel sei es, so selbstbestimmt wie möglich dort zu wohnen.

Rund 600 000 Euro werden der Erwerb des Grundstücks und der Umbau kosten, so die beiden Vorsitzenden. „Allein aus Eigenmitteln schaffen wir das aber nicht“, erklärt Rudolf Bayer die finanzielle Situation der Stiftung. Doch durch diese Wohngemeinschaft seien sie einen Schritt weiter in ihrem Ziel eines sozialen Zentrums in der Gartenstraße in „einem zunehmend alternden Stadtteil“, so Bayer. Bislang gebe es noch keinen Termin, wann genau das Hospiz umziehen werde, und deswegen wolle die Stiftung die Zeit nutzen, um Spenden zu generieren. „Wir sind sicher, dass wir diese Idee verwirklichen können“, ergänzt er und sagt, dass in zwei Jahren die Bewohner einziehen sollen. „Innerhalb eines halben Jahres nach dem Hospiz-Umzug werden wir beginnen.“

Acht Zimmer

Ein Glücksfall sei dabei, dass bereits sechs Zimmer des Hospizes ohne Umbau genutzt werden können. Insgesamt werden es acht mit rund 50 bis 60 Quadratmetern Wohnfläche. Doch die Bewohner werden nicht alleine dort leben. Im Schichtdienst werden vier bis fünf Betreuer 24 Stunden, sieben Tage die Woche, ebenfalls dort sein. Diese allerdings werden nicht zur Pflege der Bewohner eingesetzt, erklärt Thomas Reusch-Frey, sondern zur Organisation des Tagesablaufs und zur Betreuung der Wohngemeinschaft. Kurzum, alles, was nicht die körperliche Verfassung betreffe. „Wir können hier gegen die Vereinsamung im Alter arbeiten“, sagt Bayer. Dazu gehöre auch, die Individualität im Alter aufrechtzuerhalten.

Was aber unterscheidet dieses Konzept vom betreuten Wohnen? Im betreuten Wohnen leben die Menschen alleine, und nur bei Bedarf gibt es beispielsweise Pflegedienst oder Essen wird vorbeigebracht. In der ambulant betreuten Wohngemeinschaft habe zwar jeder Bewohner sein eigenes Zimmer, doch gibt es eben wie in einer WG üblich Gemeinschaftsräume. Zudem könne der eigene Pflegedienst bei einem Umzug in die WG mitgebracht werden oder der der Diakoniestation gebucht werden. „Das ist eine Einrichtung, in der man sozial aufgefangen wird“, fasst es Reusch-Frey zusammen.

Die Stadt Bietigheim-Bissingen, die ihre Unterstützung zugesagt habe, erklärte gegenüber der Stiftung, dass gemeinschaftliches Leben im Alter nachgefragt sei. Das bestätigt auch der KVJS in seiner Bestandserhebung. In den letzten Jahren haben derartige Wohngemeinschaften in Baden-Württemberg kontinuierlich zugenommen. Zudem werden bei der „Fachstelle ambulant unterstützte Wohnformen Baden-Württemberg“ oft Informationen darüber eingeholt. In Baden-Württemberg gibt es 367 ambulant betreute Wohngemeinschaften (Stand 2018). 2017 waren es 301 und 2015 sind es nur 179 der bis dahin neuen Wohnart gewesen.

Gerhard Raff hilft Bietigheimer Stiftung


Am Donnerstag, 10. Oktober, wird um 19.30 Uhr im katholischen Gemeindehaus Zum Guten Hirten in Bissingen der Historiker Dr. Gerhard Raff einen Vortrag über das Thema „Württembergische Geschichte – Erkenntnisse und Einsichten eines Eigensinnigen“ halten. Es werde ein schwäbischer Abend, an dem Gerhard Raff das Beste aus dem Schatz der württembergische Geschichte präsentieren wird, so die Stiftung. Unterbrochen wird der Abend durch eine kleine Pause, in der Gerhard Raff seine Bücher signiert. Dazu gibt es schwäbische Brezeln, Wein und nicht alkoholische Getränke.

Mit dieser Veranstaltung sammelt die Stiftung für die Diakoniestation Bietigheim-Bissingen Spenden für ihr neues Projekt, die Einrichtung einer ambulant betreuten Wohngruppe in Bietigheim-Buch. Dafür wird Raff alle Einnahmen des Abend spenden, teilt die Stiftung mit. rwe