Nahversorgung Laden im Buch schließt Lücke

Von links: Natalia Schlecht, die ehemalige Besitzerin des Lebensmittelladens im Buch, die weiterhin morgens mithilft, und die beiden neuen Inhaber Ekaterina Smirnova und Sergey Shants aus Kirchheim.
Von links: Natalia Schlecht, die ehemalige Besitzerin des Lebensmittelladens im Buch, die weiterhin morgens mithilft, und die beiden neuen Inhaber Ekaterina Smirnova und Sergey Shants aus Kirchheim. © Foto: Susanne Yvette Walter
Bietigheim-Bissingen / Susanne Yvette Walter 03.08.2018

Weil der Stadtteil Bietigheim-Buch nicht gerade mit Discountern gesegnet ist und viele Menschen, die dort leben, auf kurze Wege zum Einkaufen angewiesen sind, spielt der kleine russische „Supermarkt“ in der Sucystraße 9 eine wichtige Rolle im Buch. Unter neuen Inhabern verändern sich das Sortiment des Ladens und der Name: Aus „Natascha“ wird „Shants“, benannt nach dem Nachnamen des neuen Inhabers Sergey Shants.

Über Jahre hinweg führte Natalia Schlecht den kleinen Lebensmittelladen Natascha in Bietigheim-Buch – mit mehr oder weniger Erfolg (die BZ berichtete). „Für die Menschen, die hier um die Ecke leben, vor allem für die älteren, ist der Laden sehr wichtig“, sagt Natalia Schlecht. „Sie haben oft kein Auto, und es ist mühselig für sie, Lebensmittel, die sie täglich brauchen, mit dem Bus nach Hause zu schaffen. Der Laden schließt für sie eine Versorgungslücke“, erklärt die Ukrainerin Schlecht weiter. Weil die Russen gerne aus einer Natalia eine Natascha machen, wie sie erzählt, hieß das Geschäft jahrelang Natascha. Das hat sich nun geändert, denn seit Mitte Juni führen hier Sergey Shants und Ekaterina Smirnova Regie, während Natalia Schlecht nur noch am frühen Vormittag im Laden steht für die, die morgens hier schon zum Beispiel ihre Frühstücksbrötchen holen.

Keine Geschenkartikel mehr

Die Russin gibt den Laden weitgehend ab, weil sie in Rente geht, erzählt sie. Er bleibt weiterhin in osteuropäischer Hand. Sergey Shants und Ekaterina Smirnova aus Russland sprechen aber auch so gut Deutsch, dass sie einen deutschsprachigen Kundenkreis problemlos bedienen können, sagt beispielsweise Friedrich Fuhr, ein Stammkunde. Auch Sergey Shants sei ein ehemaliger Stammkunde gewesen. Das neue Inhaberpaar hofft, mit einem noch ausgefeilteren Angebot an Waren noch mehr Kunden zu erreichen. „Bisher gab es hier auch Geschenkartikel aus Russland. Dieses Angebot verkleinern wir zugunsten eines noch größeren Angebots an Lebensmitteln“, betont Shants. Zusätzlich bieten sie hier neben Grundnahrungsmitteln wie Mehl, Eier und Milchprodukte sowie eine Auswahl an frischem Obst und Gemüse auch Getränke aller Art an.

Wert legen die neuen Inhaber auch darauf, dass ihre Produkte möglichst kurze Wege haben. „Das Wasser kommt aus der Region und Brötchen beziehen wir über den Bäcker Blatter“, zählt Sergey Shants auf. Außerdem führt der Laden russische Leckereien, die man nicht überall bekomme wie Gebäck oder Fisch. Besonders beliebt seien Sproten, kleine heringsartige Seefische, die selten größer als 20 Zentimeter werden. „Frische Karpfen und Forellen gibt es bei uns jeden Mittwoch auf Bestellung“, macht Sergey Shants Appetit.

Doch die Entscheidung, hier im Buch den Lebensmittelladen zu übernehmen, hat für Sergey Shants auch eine Schattenseite. „Ich habe rund 25 000 Euro in die Renovierung gesteckt. Die Beleuchtung musste erneuert werden und vieles mehr“, sagt Shants, „wir haben hier in der Umgebung das einzige Lebensmittelgeschäft. Deshalb habe ich die Stadtverwaltung um einen Zuschuss gebeten, der aber abgelehnt wurde“, lässt er wissen. Auch in die Werbung musste Shants investieren, denn ohne die, ist er überzeugt, könne sich der Kundenkreis kaum erweitern. Dass ihn die Stadtverwaltung wohl nicht unterstützt bei seinem Vorhaben, ist Sergey Shants bitter aufgestoßen. Dennoch stützt er sich auf die strategisch günstige Lage seines Geschäfts, das Ekaterina Smirnova hauptsächlich führen soll. Denn Sergey Shants hat noch ein zweites Geschäft in Bietigheim-Bissingen, das sich auf Autoglas und Autopflege spezialisiert hat.

Die Nahversorgung in den einzelnen Stadtteilen

Gegen den Cap-Markt und einen russischen Lebensmittelladen im Buchzentrum wird sich das „Shants“ durchsetzen müssen. Zwar ist er im Osten des Stadtteils Buch ohne Konkurrenz, doch auch Natalia Schlecht hatte zu kämpfen, wie sie der BZ noch im März erzählte. 20 bis 30 regelmäßige Kunden zählte Schlecht vor fast einem halben Jahr – zu wenige für eine schwarze Null.

Rund 10 000 Einwohner hat der Stadtteil Buch und ist damit nach Bietigheim (rund 16 000 Einwohner) und Bissingen (12 000 Einwohner) der drittgrößte Stadtteil. Dennoch gilt er nach Einschätzung eines von der Stadt beauftragten Stadt- und Regionalentwicklungsbüros als „städtebauliches Sorgenkind“. Denn wie in vielen anderen Städten auch, weichen viele Leute zum Einkaufen auf größere Supermarkt-Ketten aus.

Zu wenige Kunden war auch der Grund für das Ende von Sylvias Dorfladen in Metterzimmern. Mehr als acht Jahre lang kämpfte Inhaberin Sylvia Steinbrück um ihren Laden, doch es half nichts. Im April dieses Jahres musste sie das Geschäft endgültig schließen. Zum Vergleich: In Metterzimmern leben rund 1600 Menschen.

In Bissingen hingegen klagen die Händler auf dem Wochenmarkt über einen Kundenschwund. Der Nachbar Untermberg (1100 Einwohner) klagt ebenfalls über mangelnde Nahversorgung. Dabei würde es auch Platz für eine Supermarkt-Kette an den jeweiligen Ortsausgängen geben, wie Anwohner beim BZ-Mobil-Besuch sagten. rwe

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel