BZ-Aktion Lacher zwischen Kuh und Yogakurs

Julia Schweizer 02.12.2016

Bitterkalt war es am Mittwoch vor der Kelter – umso heißer aber innen drin. Denn für die 31. Theateraufführung zugunsten der BZ-Aktion Menschen in Not hatte die Theatergruppe der Sportvereinigung Bissingen einen Bauernhof als Ort für ihren Dreiakter „Ferien mit Lollypopp“ gewählt, auf dem es nicht nur aufgrund der Spielzeit im Hochsommer heiß herging. Denn es gab so manche Verwicklungen und Probleme, mit denen die Familie Sonnenschein so zu kämpfen hat, und die immer wieder für Lacher im Publikum sorgten.

Dabei gab es durchaus einen ernsten Hintergrund für das Stück. Mit 25 Cent für den Liter Milch könne man nicht überleben, zumal man immer investieren müsse, so eine Aussage der Sonnenscheins. Und auch die Gruppe selbst hatte immer wieder zu kämpfen, verriet Regisseurin Monika Daub, nachdem sich die Schauspieler den verdienten Applaus abgeholt hatten. „Viele Genickschläge“ habe man verkraften müssen, auch während der Probenphase gab es einen Abgang. Der Truppe ist es dennoch gelungen, wieder ein aufwändiges Stück auf die Bühne zu bringen – samt lebensgroßer Stoffkuh, die immer wieder einen kleinen akustischen Auftritt hatte.

Zu den Sonnenscheins gehört das Familienoberhaupt namens Rudi (gespielt von Rolf Wahler), dessen Kühe nicht so trächtig werden wollten, wie gewünscht – mögliche Lösungen dafür präsentierte der leicht verrückte Feriengast (Sabine Ströhlein). Sie hält viel davon, mit den Tieren zu sprechen und der Natur zuzuhören („Auch eine Kuh will etwas sagen. Muuuh.“ Und: „Auch Wildkräuter haben eine Seele.“), und geht damit nicht nur Bauersfrau Vrony (Marita Hämmerling) auf die Nerven. Doch zu der Tatsache, dass Rudi Sonnenschein sich beim Landkauf und dem Stallumbau finanziell übernommen hatte, kommt noch, dass er in seiner Steuererklärung nicht immer ganz ehrlich war.

Das alles fällt ihm nun auf die Füße, denn ein neuer Finanzverwalter mit dem passenden Namen Olaf Raffzahn (Eddi Rochus) kommt auf den Hof, um die gemachten Angaben zu überprüfen. Dumm nur, dass Tochter Emma Sonnenschein (Carina Pfersich) ihn für einen Steuerberater hält und offenherzig erzählt, wo ihr Vater überall noch bescheißt. Und als wäre das nicht genug, ist sie vom Tierarzt (Simon Paladey) schwanger, was sie bislang ihrem Vater noch nicht erzählt hat, der ihn für unfähig hält und über seine hohen Rechnungen schimpft. Für viele Lacher sorgte auch Daniela Wamsler in der Rolle der Aktivierungstherapeutin Marie-Luise Steppacher, die ihre Freundin, die Bauersfrau, besuchen kommt. Aktiviert werden muss sie gewiss nicht, ein Redeschwall nach dem anderen ergießt sich auf die Bühne, so sehr, dass ihr „Was wollte ich eigentlich sagen?“ am Ende zum Running Gag wird und das Publikum schon mitsprechen kann.

Die wohl größten Lacher konnte bei der Premiere aber Eddi Rochus für sich verbuchen, gleich nach der ersten Pause, in der die Musikkapelle des Trachtenvereins Bietigheim spielt und viele Helfer mit Wurst- und Käsebroten sowie Getränken durch die Reihen eilen. Denn anders, als man es von einem Finanzbeamten erwartet, will er unbedingt beim Yoga des Feriengasts mitmachen – und hat mit rosa Leggings und einem doch sehr knappen schwarzen Oberteil über dem haarigen Bauch gleich die aus seiner Sicht richtige Kleidung dabei.

Am Ende, wie kann es anders sein, fügt sich dann alles zum Guten. Mit einer guten Idee, die als Cash Cow viele Einnahmen bringt. Und dank einer besonderen Einrichtung in Untermberg – wer wissen will, um welche es sich handelt, kann das bei einer weiteren Aufführung an diesem Abend (19.30 Uhr) erfahren, für die es noch wenige Restkarten gibt.