Diese Anteilnahme schmeißt uns sechs mal im Viereck“, sagt Otto Rossbacher, Geschäftsführer der Rockfabrik Ludwigsburg deutlich gerührt. Nachdem der Mietvertrag der Kultdiskothek Rockfabrik in Ludwigsburgs Weststadt nicht verlängert wurde, stehen sowohl der Rofa-Chef, als auch die Disko selbst dauerhaft im Rampenlicht.

Doch nicht nur von Fans und treuen Gästen der Rock-Disko kommt viel Engagement, auch Ludwigsburgs neuer Oberbürgermeister legt sich für die langhaarigen Kuttenträger ins Zeug. Zunächst hatte Matthias Knecht zwischen dem Immobilieneigentümer Max Maier, der eine Vertragsverlängerung abgelehnt hatte, und den Rofa-Chefs vermittelt und so eine potenzielle Ausdehnung der Räumungsfrist ausgehandelt. Dann kam durch seine Verbindungen zu dem Architekturbüro, das gerade diesen Teil des ehemaligen DLW-Areals in Bietigheim für einen privaten Investor plant, nun eine neue Option ins Spiel: das DLW-Gelände östlich des Bogenviertels („Eastside“), das sich zwischen Poststräßle, Geisinger Straße und Dammstraße erstreckt.

„Das Vorzeigeprojekt Rockfabrik wollten wir gerne in Ludwigsburg behalten, aber besser es zieht zehn Kilometer weiter, als dass es für die Region Stuttgart verloren ist“, so OB Knecht im Gespräch. „Das klingt gut“, sagt Rossbacher zu dem Vorschlag. Am heutigen Donnerstagvormittag ist er vor Ort und sieht sich das Gelände an. Die Lage überzeuge den Rofa-Chef schon mal, „weil bahnhofsnah“, denn viele Besucher kämen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Außerdem liege es im Industriegebiet, das auf der Seite der Bahngleise auch ein solches bleiben soll, sodass es keinen Ärger mit Anwohnern geben würde.

Das Objekt, das potenziell in Frage käme, sei das alte Kraftwerk, berichtet Rossbacher. „Gemäuer, die Rofa-affin sind“, beschreibt er. Das sei „nicht verkehrt“, ist doch das Gebäude, in dem die Disko 36 Jahre ihren Sitz hatte auch ein ehemaliges Fabrikgebäude des Kühlschrankherstellers Eisfink.

Die Rofa-Chefs haben bei ihrer Suche nach geeigneten Gebäuden die Stadt an Enz und Metter übrigens nicht zum ersten mal im Blick. Rossbacher habe sich bereits den ehemaligen Stahlbetrieb von Ekatit in der Carl-Benz-Straße angeschaut. Nach eben jenem Stahlhändler hat sich übrigens die Bietigheimer Eishockeyprofimannschaft Steelers benannt. Ekatit war Anfang der 1990er-Jahre ihr Hauptsponsor.

Stahl und Rockmusik

An und für sich habe Rossbacher das Gebäude gefallen, die Kombination von Stahlfabrik und Rockmusik sei nicht abwegig. Jedoch sei das eine „Wahnsinns-Investition“, so der Rofa-Chef. Da müsse man 1,5 Jahre investieren, um etwas daraus zu machen, da weder Heizung noch Lüftung et cetera vorhanden seien.

Ob ein Wegzug der „Rockfabrik Ludwigsburg“ aus Ludwigsburg denn überhaupt denkbar sei? Der erste Standort sei Ludwigsburg, die Barockstadt sei ja sogar Bestandteil des Namens. Und doch zeigt sich Rossbacher aufgeschlossen: „Ich sehe kein Problem darin“, sagt er zum Standort Bietigheim. Es bedürfe natürlich ein wenig Werbung, aber das sei sicherlich zu schaffen. „Rockmusik ist kein schnelllebiger Trend, sondern hält sich und ist mitten in der Gesellschaft – nicht außerhalb.“ Eine Niederlage möchte der Geschäftsführer nicht akzeptieren – „man kann es nicht, so wie die Leute auf einen zukommen und bei all der Unterstützung“. Aber eben das „macht’s noch schwerer“, sagt er. Er sei es den Leuten schuldig, zu kämpfen.

Das Ludwigsburger Nestlé-Areal direkt am Bahnhof sei übrigens entgegen kursierender Gerüchte noch nicht ganz aus dem Spiel, berichtet der Ludwigsburger Rathauschef. Der Erwerb des Geländes durch die Stadt allerdings, der erfolge erst im Frühjahr. „Das ist eher eine Perspektive in vielleicht drei bis vier Jahren“, so Knecht.

Ansonsten könne die Stadt den Rock-Fans die Räume des ehemaligen Pflaumenbaums an der Sternkreuzung anbieten, deren Eigentümerin sie ist. „Das wäre dann allerdings eher eine Art ‚Rockcafé’. Dort stehen circa 250 Quadratmeter zur Verfügung“, so Knecht. „Das wäre eine Verkleinerung auf ein Sechstel“, resümiert Rossbacher. Solche Übergangslösungen würden sich vom Aufwand her und finanziell eigentlich nicht lohnen. Trotzdem sei er dankbar: „Die Stadt bemüht sich wirklich.“

Eine verhandelbare Schonfrist am jetzigen Standort gewährt Max Maier übrigens nur, wenn eine „verbindliche Lösung vorzeigbar ist“, sagt OB Knecht nochmals deutlich. „Auf eine solche hoffe ich bis Weihnachten.“

Seitens der Stadt Bietigheim-Bissingen hieß es, man habe noch keine offizielle Kenntnis von einem möglichen Umzug der Rofa. Das zuständige Architekturbüro für das frühere DLW-Gelände wollte sich zu diesem Zeitpunkt zur Thematik nicht äußern. Bleibt abzuwarten, was in den Gesprächen herauskommt.