Jeden Abend geht jetzt im Herbst die Sonne ein paar Minuten früher unter. In der Dunkelheit steigt die Angst vor gefährlichen Situationen, vor allem bei Senioren.

Karin Stark, Kriminalhauptkommissarin vom Polizeipräsidium Ludwigsburg, wollte mit ihrem Vortrag „Sicherheit im öffentlichen Raum“ bei der Schiller-Volkshochschule in Bietigheim-Bissingen am Montagabend diese Angst reduzieren und Tipps für den Umgang mit solchen unangenehmen Situationen geben. „Was würden Sie machen, wenn Sie auf offener Straße von einem Polizisten nach ihrem Ausweis gefragt werden?“, fragte sie die Teilnehmer. Die Senioren waren sich einig, „man sollte erst den Gegenüber nach seinem Ausweis fragen und diesen überprüfen.“ Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, nach dem Name zu fragen und sich bei der zuständigen Polizeistelle zu versichern, dass dieser Beamte auch wirklich im Dienst ist.

Angst vor Überfällen

„Ich habe Angst, dass jemand mit einem Knüppel aus dem Busch kommt, mich überfällt und mir die Handtasche raubt, oder im schlimmsten Fall auch sexuelle Gewalt anwendet“, gibt eine Dame zu. Damit ist sie nicht allein.

Aber Karin Stark kann diese Befürchtungen einordnen: „Im Landkreis Ludwigsburg sind nur 1,3 Prozent aller Straftaten Sexualdelikte. Dagegen 29,5 Prozent Diebstähle.“ Zudem seien zum großen Teil eher junge Frauen Opfer sexueller Gewalt. Mit einem Verweis auf Paragraf 177 Strafgesetzbuch ruft die Kriminalhauptkommissarin ihren Zuhörern auch das Gesetz ins  Gedächtnis.

„Die Kriminalitätsfurcht hat oft nichts mit der tatsächlichen Kriminalitätslage zu tun“, betont Stark. Trotzdem möchte sie den Senioren Tipps an die Hand geben, um Gefahren zu vermeiden: man solle sich gedanklich vorbereiten, aufmerksam sein, einen Weg gezielt planen und selbstbewusst auftreten.

Leichter gesagt als getan. Vor allem beim selbstbewussten Auftreten geht ein Seufzen durch das Publikum. „Ich weiß, dass das gerade uns Frauen schwerfällt, aber es ist wichtig“, so die Polizistin, „es bringt auch nichts einmal einen Selbstverteidigungskurs zu machen. Wenn, dann sollte das regelmäßig und auf längere Zeit gemacht werden.“

In öffentlichen Verkehrsmitteln rät sie den Sitzplatz bewusst zu wählen, die Ruftaste zu kennen und zu nutzen, den Ausstieg an der Haltestelle abzuwägen und (Nacht-)Taxis zu rufen. Eine Dame aus dem Publikum berichtete von einer unangenehmen Erfahrung in einer S-Bahn, damals „bin ich dann einfach ein gutes Stück weiter nach vorne gelaufen, um Problemen aus dem Weg zu gehen.“

Nicht wegschauen

Die Situation zu verlassen empfiehlt auch Karin Stark: „So kommt man gar nicht in die Lage sich wehren zu müssen.“ Waffen zur Selbstverteidigung wie Pfefferspray, ein Messer oder ein Elektroschocker lehnt sie grundsätzlich ab. Zum einen können diese Waffen die Situation leicht eskalieren lassen, gegen einen selbst verwendet werden und Außenstehende können Opfer und Täter gegebenenfalls nicht mehr unterscheiden. Einzig Schrillalarme, um auf sich aufmerksam zu machen, seien sinnvoll. Wichtig dabei: genügend Dezibel, mindestens 80 oder 90.

Beim Thema Zivilcourage rät die Kommissarin vor allem aufmerksam zu sein, nicht wegzuschauen, Hilfe zu holen, dem Opfer zu helfen und als Zeuge auszusagen. Zum öffentlichen Raum gehört auch der Wochenmarkt oder ein Supermarkt. Hier lauern Taschendiebe. „Wie man seinen Geldbeutel schützen will, muss jeder für sich selbst entscheiden. Aber das soll dann auch genutzt werden und nicht für den nächsten Urlaub in Rom sein“, betont Stark.

Große Geldbeträge sollten am besten daheim gelagert werden, Geheimzahl und Bankkarte getrennt voneinander aufbewahrt werden, so der Ratschlag der Referentin an die Senioren.

Überschrift Infokasten einzeilig


Anlauf steht hier Text für einen dreispaltigen Infokasten. bz