Die Vorfälle rund um das letzte Derby der Bietigheim Steelers in Heilbronn haben ein Nachspiel. Wie die Deutsche Eishockey Liga 2 (DEL2) mitteilt, hat die Liga 47 bundesweite Stadionverbote bis zum Ende der übernächsten Saison (2021/2022) verhängt. Grund für die Verbote waren Auseinandersetzungen verschiedener Fangruppen im Vorfeld des Spiels der Heilbronner Falken gegen die Bietigheim Steelers am 19. Januar (die BZ berichtete). „Körperliche Gewalt und Anfeindungen gehören nicht zum Eishockey“, heißt es in der Pressemitteilung und weiter: „Bei Vergehen dieser Art kann es keine Toleranz geben.“ Personen, die im Rahmen des Spielbesuchs anderen Personen mit körperlicher Gewalt begegnen oder dies absichtlich provozieren, seien keine Eishockeyfans und hätten in den Arenen der DEL2 nichts zu suchen. Auch die Steelers erklären, dass sie sich klar gegen Gewalt im Rahmen „unseres Sports“ aussprechen.

Wie berichtet, stießen bereits vor dem Derby am Sonntag Ultra-Fans der Steelers auf Heilbronner Falken-Fans. Laut Polizeibericht waren die Falken-Fans in einer Gaststätte, als die Ausschreitung los ging (siehe Infokasten). Es flogen Stühle und ein Fenster ging zu Bruch. Die Polizei schickte 47 Bietigheimer Fans mithilfe der Bundespolizei in einem Zug nach Hause.

Was sagt Steelers-Geschäftsführer Volker Schoch?

„Man ist nicht gerade stolz darauf, am Standort 47 Stadionverbote zu haben“, sagt Volker Schoch, Steelers-Geschäftsführer auf BZ-Anfrage. Diese Fans, die er zum harten Kern zählt, lebten ihre eigene Fankultur, auf die man als Club nicht viel Einfluss habe. Schoch, der nach eigenem Bekunden auch mit einigen der nun mit dem Verbot Belegten Kontakt hatte, sieht auch, dass sich einige ungerecht behandelt fühlen.

Generell begrüßt er aber die Entscheidung der Liga. Gewalt sollte keinen Platz bei Eishockey-Fans haben. Zudem stehe es jedem offen, individuell juristisch gegen das Stadionverbot vorzugehen.

Schoch sei auch schon von anderen „Standortverantwortlichen“ angerufen worden, was denn da in Bietigheim los sei. Dass die Fans nun generell einen schlechten Ruf bekommen, hofft er nicht: „Wir haben 1500 Dauerkartenbesitzer und das waren jetzt 47 Fans, die sich nicht an die Regeln gehalten haben.“ Dass nun junge Fans als Stimmungsmacher nachkommen, freut Schoch ungemein. Das sei ein zartes Pflänzchen anderer Fankultur, das es zu hegen und pflegen gelte. Eingehalten werden die Stadionverbote übrigens über Namenslisten, die jedem Club nun vorlägen. In Bietigheim kenne man natürlich aber auch die Leute, die nicht mehr hineindürfen.

Was sagt die Polizei ?

In den Spielzeiten 2017/18 und 2018/19 kam es in Bietigheim-Bissingen bei fünf dort ausgetragenen Spielen zu größeren Ausschreitungen der rivalisierenden Fangruppierungen, teilt Peter Widenhorn, Sprecher des Polizeispräsidiums Ludwigsburg mit. Namentlich handelte es sich dabei um zwei Spiele gegen Heilbronn, und jeweils eines gegen Ravensburg, Landshut und Nauheim. Im Verlauf der Auseinandersetzungen kam es zu mehreren gefährlichen Körperverletzungen, Widerstandshandlungen und Beleidigungen. In der aktuellen Spielzeit 2019/20 gab es noch keine gravierenden Vorkommnissen in Bietigheim.

„In letzter Zeit stellten die Kollegen eine Zunahme provokanter Aktionen im Vorfeld von Begegnungen fest“, so Widenhorn. So reisen Fangruppen bereits viele Stunden vor der Begegnung an und versuchen die gegnerischen Fans durch öffentlichkeitswirksame Auftritte aus der Reserve zu locken.

Wortlaut der Polizeimeldung zum Spiel Steelers gegen die Falken am 19. Januar


„Ein Höhepunkt des Sonntags war sicherlich eine Auseinandersetzung zwischen Eishockeyfans am späten Sonntagnachmittag. Eine größere Gruppe von durch Heilbronn ziehenden Ultra-Fans der Gäste aus Bietigheim-Bissingen sahen Heilbronner Falken-Fans in einer Gaststätte. Die Bietigheimer nahmen Stühle der Außenbewirtschaftung, um mit diesen auf ihre Kontrahenten los zu gehen. Dabei ging ein Fenster des Lokals zu Bruch. Die alarmierte Polizei, die mit starken Kräften anrückte, konnte 47 Bietigheimer Fans festsetzen, zum Bahnhof bringen und mit Hilfe der Bundespolizei in einen Zug nach Hause setzen, so dass Ruhe einkehrte. Nach dem Spiel musste noch ein Fan der Falken in Gewahrsam genommen werden. Der alkoholisierte Mann fing auf dem Bahnhofsvorplatz Streit mit Gästefans an. Dann trat er gegen die eintreffenden Polizeibeamten. Betroffene Bietigheimer Fans griffen den 28-Jährigen dann trotz der anwesenden Polizei noch an, weshalb die Ordnungshüter Pfefferspray einsetzen mussten.“ bz