Es ist Freitag, der 13. An diesem Tag, der im Volksglauben als einer gilt, an dem viel Unglück passieren kann, sorgen im Bietigheim-Bissinger Krankenhaus vier Menschen für besonders viel Glück. Gemeinsam mit der Stiftung „Humor hilft heilen“, gegründet vom Arzt und Kabarettisten Eckhart von Hirschhausen, und mit der Bietigheim-Bissinger Musikschule, organisierte der Förderverein des Krankenhauses einen besonderen Nachmittag für Patienten in der Weihnachtszeit.

Motto: Humor hilft heilen

Die Gänge der Krankenhausstationen sind verziert mit frischen Tannenzweigen und kleinen Nikoläusen. Mittendrin stehen zwei Menschen, die nicht so recht ins Bild eines Krankenhauses passen. Er trägt ein lilafarbenes Hemd mit einer gelbgestreiften Krawatte, eine graue, kurze Hose, knallrote Socken und grüne Turnschuhen. Seinen Kopf bedeckt ein Kranz aus rosafarbenen Blümchen. Sie trägt ein dunkelblaues Kleid, eine hellblaue Strumpfhose und eine pinke Schürze. Ihr Haar ist mit einer roten Schleife zu einem Zopf gebunden und um die Schultern trägt sie eine Einhorn-Handtasche. Es sind Caroline Sessler und Fabian Link alias die Clowns Bruno und Sally.

„Wenn wir unsere roten Nasen anhaben, sind wir Clowns. Wenn nicht, sind wir Caroline und Fabian“, erklärt Link. Beide sind sie Teil der Initiative „Humor hilft heilen“. Heute möchten sie die Patienten im Bietigheim-Bissinger Krankenhaus zum Lachen bringen. Sie betreten das erste Patientenzimmer. Ein Mann, der gerade aus der Intensivstation hierher verlegt wurde, hat Besuch von seiner Frau. Die Clowns gehen sorgsam und mit Bedacht mit der Situation um, spüren, ob sie hier erwünscht sind. Nur ein kurzes Gespräch entsteht. Ein Lächeln können sie den beiden trotzdem entlocken. „Wir bekommen immer eine Patientenliste von den Ärzten und wissen, wo wir anklopfen dürfen“, erklärt Link.

Die Clowns klopfen am nächsten Zimmer und öffnen die Tür. Schon beim Anblick der beiden schrägen Figuren entfährt den zwei Patienten ein freudiges Lachen. Nach einem kurzen Smalltalk spielen die Clowns einen vermeintlichen Eheantrag. Sally ist ganz überrascht, dass Bruno sie heiraten möchte. „Magst du unser Trauzeuge sein?“, fragt sie einen der Patienten. Lachend antwortet er: „Ha, wenn’s net grad heut’ isch!“. Die Patienten kichern und lachen das ganze Schauspiel hindurch.

Manche wollen nur zusehen

Nach wenigen Minuten verlassen die Clowns wieder das Zimmer. Die roten Nasen werden kurz abgesetzt. „Die Patienten reagieren immer unterschiedlich. Manche wollen nur zusehen, manche wollen gerne mitmachen“, weiß Caroline Sessler alias Clownin Sally. „Oft singen wir auch ein kurzes Liedchen mit ihnen.“

Ein schneller Blick auf den Plan und die Nase wieder aufgesetzt, geht es weiter zu Zimmer Nummer drei. Die Patientin, eine ältere Frau, hat viele Kuscheltiere in ihrem Bett liegen. Die Clowns sprechen sie darauf an und das Eis ist sofort gebrochen. Beide setzen sich zu ihr ans Bett. Hier entscheiden sie sich nichts zu spielen. Sie lassen die Frau erzählen, von ihrem Ausflug zum Affenberg nach Salem am Bodensee. „Da habe ich diesen Affen gekauft“, erzählt sie.

Als die Clowns das Zimmer wieder verlassen, haben sie selbst ein breites Lächeln im Gesicht. „Ich bin seit 1990 Clown und seit acht Jahren im Krankenhaus“, erzählt Fabian Link. „Wann ich damit aufhöre, weiß ich gar nicht. Es wird einfach immer besser und schöner.“ Caroline Sessler ist ausgebildete Schauspielerin und seit zwei Jahren Clownin. „Egal, ob im Krankenhaus, im Kindergarten oder im Altenheim: es gibt immer die Möglichkeit, positive Momente zu schaffen und sich miteinander zu verbinden.“

„Für uns war es sehr wichtig, die Stiftung ‚Humor hilft heilen’ in unser Krankenhaus zu bekommen“, erklärt Michael Ellinger, Vorstandsmitglied des Fördervereins. Auch wenn es hier kein Kinderhospital sei: Humor helfe jedem. Sowohl den Patienten als auch dem Personal tue er sehr gut. „Als Förderverein möchten wir gerne Projekte anstoßen und finanzieren, die das Krankenhaus normalerweise nicht machen könnte“, so Ellinger.

Ein weiteres, besonderes Projekt am Freitag, dem 13., war die Einladung zweier junger Musiker aus der Bietigheim-Bissinger Musikschule. Die Geschwister Elisa und Valentin Schenk, 15 und 17 Jahre jung, spielten auf den Fluren des Krankenhauses Weihnachtslieder auf der Querflöte und an der Gitarre. Michael Ellinger begleitete sie, öffnete jedes Patientenzimmer um einen kleinen Spalt. Nach den Liedern war leises Klatschen aus den Zimmern zu hören.

„An Weihnachten ist man gerne daheim bei der Familie“, sagt Elisa Schenk. „Vielen hier ist das nicht möglich. So können wir ihnen hoffentlich ein Lächeln schenken.“